Hohenlohe-Franken

Bodenschutz "Kalkwolken" nicht mit Düngung zu verwechseln / Kleinstlebewesen brauchen mittleren pH-Wert / Analysen im Vorfeld

Erholungsprogramm für saueren Boden

Ein Hubschrauber bringt aktuell über Forstflächen in Ilshofen, Frankenhardt und Vellberg Dolomitkalk aus. Dieser Stoff soll der Versauerung der Böden entgegenwirken.

Schwäbisch hall. "Das ist Ballett" - Wolfgang Mayr, Revierförster aus Vellberg, muss sich von dem Anblick losreißen: Im Zwei-Minuten-Takt hebt der Hubschrauber von der Ladestation am Waldrand bei Ipshof (Gemeinde Frankenhardt) ab und schleppt an 20 Meter langen Seilen das Transportgefäß mit dem Dolomitkalk. Der Pilot fliegt einen Bogen, das Gefäß schwingt hoch und kreisend verteilt sich der gelb-braune Staub in der Luft. Zügig kommt der Helikopter zurück, und mit einem Schlenker setzt das Gefäß punktgenau und sachte neben dem Kalkhaufen auf.

Mit einer großen Schaufel schüttet der Raupenfahrer etwa eine Tonne Kalk in den Behälter, und los geht es. "Circa 250 Tonnen pro Tag werden ausgebracht - das entspricht also rund 250 Flügen am Tag", sagt Robert Haufe. Der Forstingenieur, der im Landratsamt arbeitet, hat die Aktion vorbereitet und schaut nun danach, dass alles glatt verläuft - von der Anlieferung der zehn Lastwagen-Ladungen mit den 250 Tonnen Kalk am Morgen bis jetzt am Vormittag zur Ausbringung. Der Vellberger Förster Mayr ist nur kurz da, er will Bodenproben nehmen und abklären, wo letztlich in seinem Forst die Lagerflächen für den Kalk sein sollen.

Fünf Wochen lang

Seit der vergangenen Woche läuft die Aktion. Fünf Wochen soll sie dauern. Dann sollen 1213 Hektar Wald gekalkt sein. Pro Hektar werden 3,1 Tonnen Dolomitkalk ausgebracht, insgesamt also 3760 Tonnen. Die Aktion läuft in den Gemeinden Frankenhardt, Vellberg und Ilshofen. "Ursprünglich wollten wir in Ilshofen anfangen, aber die Dolomit-Holzasche, die dort gebraucht wird, ist erst in einigen Wochen zu bekommen", sagt Haufe.

Diese Asche, die Phosphor und Kalium enthält, ist für den Boden dort notwendig. Hier in Frankenhardt ist vor allem Magnesiumcarbonat gefragt.

"Das ist keine Düngung", stellt Haufe klar, "das verwechseln viele." Die Kalkung diene vielmehr dazu, die versauerten Böden zu regenerieren. Alle zehn Jahre soll gekalkt werden. "Wir müssen noch vier- bis fünfmal kalken.

Dann hofft man, dass wir wieder den Stand haben wie vor der industriellen Revolution. Nur mit Laubbaumaufforstung würde das 80 bis 100 Jahre dauern."

Weniger Humus, weniger Qualität

In den Wäldern, die behandelt werden, "gibt es schon viel Laubwald, Eiche und Buche. Aber auch noch viele Fichten. Die mögen sauren Boden", sagt Haufe. Ursprünglich betrug der Fichtenanteil in unserer Region nur 1,5 Prozent.

"Wenn der Boden zu sauer ist, wenn der pH-Wert unter 5 liegt, haben Bodenlebewesen ein Problem", erklärt Haufe.

Hierzu zählen Bakterien, Algen und Pilze. Sie sind notwendig, um beispielsweise die Blätter in Humus umzuwandeln. Dieser stellt den Bäumen die Nährstoffe zur Verfügung. Sinkt der Humusgehalt, verschlechtert sich die Qualität, und die Bäume bekommen weniger Nährstoffe.

Seit 2015 arbeitet Robert Haufe an der Vorbereitung dieser Aktion. Im Vorfeld mussten Bodenproben genommen und analysiert werden, und es musste abgesprochen werden, ob die privaten Waldbesitzer und Kommunen mitmachen.

Die Aktion wird zu 90 Prozent gefördert. 50 Prozent der Kosten trägt die EU, 40 Prozent übernehmen Bund und Land, zehn Prozent tragen die Waldbesitzer. Bei 270 Euro Kosten pro Hektar sind das 27 Euro plus Mehrwertsteuer, welche die Waldbesitzer pro Hektar bezahlen müssen. Von den 1213 Hektar Gesamtfläche sind 275 in Privatbesitz, 920 Hektar sind Staatswald. es