Hohenlohe-Franken

Amtsgericht Crailsheim Suchtmittelabhängiger wegen Urkundenfälschung und Diebstahls zu Bewährungsstrafe verurteilt

„Die Wurzel allen Übels ist Ihre Abhängigkeit“

Archivartikel

Crailsheim.Ein 25-Jähriger aus dem nördlichen Altkreis Crailsheim hat Rezepte gefälscht und ist in eine Apotheke eingebrochen. Der Grund: seine Abhängigkeit von diversen Suchtmitteln.

Urkundenfälschung in sieben Fällen, zwei Diebstähle und ein versuchter Diebstahl: Wegen dieser Taten stand jüngst ein 25-Jähriger aus dem nördlichen Altkreis vor dem Amtsgericht Crailsheim. Ihm sei klar gewesen, dass er für die Taten belangt werde, erklärte er Richterin Uta Herrmann. Damals sei ihm das allerdings egal gewesen – was hauptsächlich auf seine Abhängigkeit von diversen Suchtmitteln zurückzuführen war.

Geständig und reuig tritt der junge Mann auf, der innerhalb von eineinhalb Monaten gleich mehrere Straftaten begangen hat. Im April und Anfang Mai hatte er Rezepte gefälscht, um an Medikamente zu gelangen – insgesamt sieben Mal.

Wo er die Vordrucke herhatte, will Herrmann wissen. Aus dem Internet, bezahlt habe er mit der Kryptowährung Bitcoin, antwortet der 25-Jährige. Lediglich unterschreiben musste er die Dokumente noch.

Das tat er in einigen Fällen im Namen eines Arztes aus seiner Nähe, da habe er ein bisschen gekritzelt – „die Schrift von Ärzten ist meist sowieso nicht allzu schön“. Die Namen der Patienten auf den Rezepten habe er frei erfunden.

Diese Vorgehensweise klappte gleich mehrere Male bei verschiedenen Apotheken in Crailsheim. Dann aber sei ihm das Geld ausgegangen, das er für Rezept-Vordrucke und Medikamente ausgab.

Also brach er zunächst in eine Crailsheimer Apotheke in der Innenstadt ein und stahl dort Medikamente im Wert von rund 900 Euro. Den Nothammer, mit dem er die Scheibe einschlug, hatte er zuvor aus einem Bus mitgenommen. Für den Tresor fand er einen Schlüssel.

„Ständig betäubt“

Genau erinnere er sich nicht mehr an die Tat, er habe sein Gehirn zu dieser Zeit „ständig betäubt“. Er wollte schnell rein und wieder raus, dabei viele Medikamente mitnehmen – in der Hoffnung, dass etwas für ihn dabei ist.

Nur zwei Tage später ging er wieder auf Raubzug. An der ersten Apotheke scheiterte er mit dem Notfallhammer am Spezialglas, also nahm er sich erneut die Apotheke vom ersten Diebstahl vor. Dieses Mal entwendete er Medikamente aus dem Nachttresor – allerdings war das, was er suchte, nicht dabei. Diese Straftat habe er „umsonst begangen“. Nur einen Tag später wurde sein Zimmer von der Polizei durchsucht, die die Medikamente bei ihm fand. Das hielt den 25-Jährigen aber nicht davon ab, noch einmal zwei Rezepte zu fälschen.

Arzt wurde aufmerksam

Auf die Schliche kam ihm die Polizei, weil der Arzt, dessen Unterschrift er mehrere Male fälschte, den Beamten eine Kopie des fingierten Rezeptes zuschickte. Außerdem erkannte ihn eine Apothekenmitarbeiterin, die in Crailsheim und Blaufelden arbeitete. In Blaufelden versuchte er ebenfalls, mit einem gefälschten Rezept an Medikamente zu gelangen, was aber misslang.

Bereits mit 13 Jahren konsumierte der Angeklagte zum ersten Mal Marihuana. Zwei Jahre später begann er mit synthetischen Drogen. Damals sei das noch kein Problem gewesen, da er fast ausschließlich am Wochenende konsumiert habe, erklärt er vor Gericht.

Mit 22 wurde es aber zum Problem: Der Angeklagte nahm ein Opioid in Form eines Medikaments zu sich, weil dies für ihn leicht verfügbar war. Fünf Monate später habe er gemerkt, dass es ihm schlecht ging, wenn er nicht konsumierte. Als es schwieriger für ihn war, an das Medikament zu gelangen, kaufte er Heroin und spritzte es sich. Schließlich nahm der 25-Jährige an einem Substitutionsprogramm teil sowie an einer Suchtberatung.

Er nahm also Ersatzmittel von einem Arzt ein statt Drogen – dennoch konnte er sich von deren Konsum nicht lösen. Hinzu kam, dass er nun diverse Medikamente konsumierte, um einen Rausch zu bekommen. Dies führte letztlich zu den Straftaten.

Bitter für den Angeklagten: Im Februar dieses Jahres hätte er ein Entgiftungsprogramm antreten sollen. Dieses fiel jedoch coronabedingt aus. Hätte er dieses begonnen, wäre es womöglich nicht zu den Diebstählen und Urkundenfälschungen gekommen. So sei er aber in der Luft gehangen und habe mit Entzugserscheinungen zu kämpfen gehabt, erklärt der 25-Jährige.

Dass er alle Taten zugab, stets einer geregelten Arbeit nachging und sich damals wegen seiner Sucht in einer Notlage befand, hielten ihm sowohl Staatsanwältin Franziska Thanel als auch Rechtsanwältin Anna Göbel zugute. Zudem entschuldigte er sich bei einem Arzt und dem Personal einer Apotheke. Allerdings, so Thanel, habe er bereits zwei Vorstrafen, eine davon einschlägig. Zusätzlich habe er direkt nach der Hausdurchsuchung mit den Rezept-Fälschungen weitergemacht. Darüber hinaus würden zehn Taten innerhalb von eineinhalb Monaten zumindest ein geringes Maß an krimineller Energie beim Angeklagten zeigen.

Anwältin Göbel setzte dem entgegen, dass durch die Urkundenfälschung niemand zu Schaden kam.

Richterin Uta Herrmann verurteilte den 25-Jährigen zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung. Ihm soll ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt werden.

Zudem muss er 1000 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen und 80 Arbeitsstunden leisten. Außerdem müsse er das Substitutionsprogramm fortführen und sich um eine stationäre Therapie bemühen, denn: „Die Wurzel allen Übels ist Ihre Abhängigkeit“, so die Richterin.

Er könne eigentlich ein „gechilltes Leben“ führen, wenn er nicht ständig gegen seine Sucht kämpfen müsste, sagte Herrmann. Wenn er aber noch einmal eine ähnliche Tat begehe, dann sitze er im Gefängnis ein. lsc