Hohenlohe-Franken

Tradition Wenn die „Sichelhenket“ in Roßfeld bei Crailsheim ansteht, strömen die Menschenmassen / Tierarzt überwacht Wettbewerb

„Big Pik“ im rasanten Schweinsgalopp

Archivartikel

Die mittlerweile 37. Auflage der „Sichelhenket“ und vor allem ein tierischer Wettbewerb am Sonntag ziehen jede Menge Besucher nach Roßfeld.

Rossfeld. Schweine haben durchaus etwas Menschliches. Die einen genossen an diesem Sonntagnachmittag die Spätsommersonne, die anderen verzogen sich in den Schatten und kuschelten mit Artgenossen. Welches Schwein durch den menschlichen Treiber zum Sport aufgefordert wurde, hatte entweder Lust auf ein kurzes Rennen – oder versuchte mit einigen Tricks, eine eher ruhige Kugel zu schieben. „Wer nicht rennen will, kommt zum Metzger“, sagte Moderatorin Rita Zigan-Hilgärtner im Spaß.

Wenn die „Sichelhenket“ in Roßfeld bei Crailsheim ansteht, strömen die Menschenmassen. Am Sonntagmittag tummelten sich mehr als 500 Menschen rund um die mit Strohballen gesicherte Rennstrecke. „Aber wir waren auch mit dem Zuspruch zu unseren Aktionen am Freitag und Samstag sehr zufrieden“, sagt Klaus Mayer, der Vorstand der Roßfelder Dorfgemeinschaft. Auch von den vielen Bewerbungen als Treiber sei man überrascht gewesen: „Heuer haben wir am Samstagabend noch die 15. Anmeldung bekommen.“

Dass alles tier- und artgerecht vonstatten ging, darauf hatte Dr. Marcel Kunz ein Auge: „Ich achte auf die Atmung und darauf, dass kein Tier kurz hintereinander zweimal laufen muss.“ Der Crailsheimer Tierarzt war zufrieden und stellte fest: „Die Schweine werden artgerechter gehalten als manche Kinder. Die sitzen in der größten Hitze acht Stunden in der Schule, da ist es in vielen Tierställen kühler.“

Die Schwäbisch-Hällischen Landschweine von Rudolf Bühler ließen sich dann auch nicht lange bitten. Pink Beauty, Peper und Co. nahmen die rund 80 Meter Strecke unter die Hufe. Allerdings gab es ein Ausschlusskriterium: Wer es nicht innerhalb einer Minute bis zu einem rosaroten Kreidestrich ungefähr nach der Hälfte der Strecke schaffte, wurde ausgeschlossen.

Videobeweis unnötig

„Dafür brauchen wir keinen Videobeweis, das ist eine Tatsachenentscheidung“, sagte Rita Zigan-Hilgärtner, die gemeinsam mit Dr. Christoph Grimmer auf einem geschmückten Baugerüst über der Strecke stand. Der Crailsheimer Oberbürgermeister hatte zuvor an die Geschichte der Sichelhenket erinnert: „Bei so einem Erntedankfest werden wir uns bewusst, dass wir etwas zum Trinken und Essen auf dem Teller haben.“

Während es Taka Tuka Ultra mit 47 Sekunden noch etwas gemächlich angehen ließ, stellte Peper (getrieben von Madlen und Felice) mit 20,91 Sekunden eine vorübergehende Bestzeit auf. Startnummer 3 Fred Feuerstein war der erste, der am rosaroten Strich scheiterte. Kurz darauf johlten viele Besucher vor Freude, mit welchem Tempo Big Pik Richtung Wendemarke stürmte. Treiberin Jana Hassel kam kaum hinterher, die Zielzeit von 17,33 Sekunden bedeutete den Sieg und 30 Euro Preisgeld für den Zweibeiner. Das fünf Monate alte Borstentier durfte sich im Schatten erholen. gsey