Hohenlohe-Franken

Windpark Hemmersheim Gesellschafterversammlungen durchgeführt / Aktivitäten in den umliegenden Gemeinden werden unterstützt

Beispiel für erfolgreiche Energiewende

Der Windpark Hemmersheim schreibt weiter schwarze Zahlen. Die Betreiber sehen die Energiewende auf Erfolgskurs.

Hemmersheim. Östlich des Creglinger Stadtteils Waldmannshofen, nur wenige hundert Meter hinter der Landesgrenze zu Bayern, liegt der Windpark Hemmersheim. Wegen der Coronakrise war die Abhaltung der Gesellschafterversammlungen heuer mit Hindernissen verbunden. Während die kleinere der beiden Gesellschaften, die Naturkraft Gollachtal GmbH&Co. KG, es gerade noch vor den allgemeinen Verboten schaffte, musste die WFBE GmbH&Co. KG (WestFränkische BürgerEnergie) ausnahmsweise ein schriftliches Verfahren durchführen.

Die beiden Geschäftsführer Otto W. Gillig und Kilian Lesch seien hocherfreut über die rege Beteiligung der Gesellschafter gewesen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. 92 Prozent der Stimmzettel seien zurückgekommen, was auf eine große Zufriedenheit mit deren Arbeit schließen lasse. Es handelt sich bei den Firmen um echte Bürgergesellschaften, insgesamt 228 Personen aus dem Bereich Neustadt/Aisch bis Bad Mergentheim sind beteiligt, ein Schwerpunkt liegt im Taubertal.

2019 war laut dem BDB-Index (Region 25) ein 100-Prozent-Jahr, also ein genau durchschnittliches. Der Windpark Hemmersheim mit seinen drei Maschinen (eine Enercon-E82, zwei Vestas-V126) produzierte 22 000 000 kWh sauberen Strom und lag damit 14 Prozent über Plan. Das entspricht dem Energie-gehalt von 2 200 000 Litern (1900 Tonnen) Heizöl, oder dem Stromverbrauch von 6700 Privat-Haushalten. Besonders die Vestas-Maschinen mit ihren langen Flügeln (126 m Durchmesser) produzieren auch bei schwächerem Wind viel und gleichmäßig Strom, was sich an einer sehr hohen Zahl (2700) an Jahresvollaststunden zeigt.

Die Kassenlage beider Gesellschaften war am Jahresende folglich gut, und die Gesellschafter erteilten den Geschäftsführungen einstimmig die Entlastung. Auch die Gemeinde Hemmersheim kann sich wieder über eine Gewerbesteuerzahlung von 79 000 Euro freuen.

Die Geschäftsführer erläuterten auch die allgemeinen Rahmenbedingungen. Obwohl der Ausbau der Windkraft derzeit blockiert werde, war sie 2019 (außer Mai bis August) stets der größte Stromproduzent in Deutschland. Die erneuerbaren Energien insgesamt (Sonne, Wind, Biomasse, Wasserkraft) lieferten in allen Monaten laut dem Fraunhofer Institut ISE etwa 60 Prozent der Ge-samtstromerzeugung.

Blinkt es bald nachts nicht mehr?

Bezüglich der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung (BNK) wurde, nach langen Geburtswehen, nun auch vom Bundesrat die bezahlbare Transponderlösung durchgewunken.

Jetzt laufen die Zertifizierungen der Hersteller an, und zum Frühjahr sollte dann die Nachrüstung möglich sein. Die Geschäftsführer stehen in Kontakt mit einem führenden Hersteller und den Betreibern der benachbarten Parks. Möglicherweise könne eine gemeinsame Lösung realisiert werden, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Chancen stünden also gut, dass nächstes Jahr in Westmittelfranken und dem Taubertal die Nacht wieder schwarz bleibe.

Seit April müssen nachts wieder die Fledermausabschaltungen vorgenommen werden. Dafür wurden im zweijährigen Monitoring die Grundlagen erfasst (welche Fledermausarten wann fliegen) und strikte Vorgaben zu Windgeschwindigkeit und Temperatur festgelegt.

Es dürfen je Anlage maximal zwei Fledermäuse pro Jahr verunglücken. Da die Tiere aber nur bei Schwachwind fliegen, halten sich die wirtschaftlichen Folgen der Abschaltungen in vertretbaren Grenzen. Der Hauptproblem-Vogel bei der Projektierung von Windenergieanlagen ist der Rotmilan.

Ein erheblicher Teil der Weltpopulation lebt den Sommer über in Deutschland. Nun hat das baden-württembergische Umweltministerium eine Information (Dichtezentren von Rotmilan) veröffentlicht, in der erfreulicherweise festgestellt werde, dass der Bestand in den letzten Jahren stark zugenommen habe.

Wie in der Vergangenheit, sollen auch in Zukunft wieder gemeinnützige Aktivitäten in den umliegenden Gemeinden unterstützt werden. Dieses und letztes Jahr gingen Spenden an die Grundschule in Lipprichhausen. Danach sollen Projekte in Frauental und Sechselbach bedacht werden.

Insgesamt laufe der Windpark Hemmersheim rund, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Die Maschinen arbeiten gut und ohne größere Störungen, und es gibt keine Probleme mit den Bewohnern der Nachbarorte,“ sagen Otto W. Gillig und Kilian Lesch unisono.

Sie führen dies auch auf das Geschäftsmodell zurück. Das Kapital komme aus der Region, und die Wertschöpfung bleibe auch hier.