Hohenlohe-Franken

Landwirtschaft Bauernverband Hall-Hohenlohe-Rems debattierte im Pfedelbacher Ortsteil Untersteinbach über das Artenschutz-Volksbegehren

Ärger und Aufbruch prägten die Stimmung

Zwischen Ärger und Aufbruch lag die Stimmung bei einem Informationsabend des Bauernverbandes Hall-Hohenlohe-Rems zum Artenschutz-Volksbegehren.

Untersteinbach. Die Standesvertreter der Landwirte richten den Blick nach vorne, bei vielen Betroffenen und Beteiligten an der Basis liegen aber nach wie vor die Nerven blank: Zur Podiumsdiskussion des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems zum Artenschutz-Volksbegehren der Initiative Pro Biene war die Festhalle in Untersteinbach voll besetzt. Der Veranstaltungsort war bewusst gewählt, sehen doch Obst- und Weinbauern im Steinbacher Tal ihre Existenz massiv bedroht, sollte das im Volksbegehren geforderte Pestizidverbot in Schutzgebieten Landesgesetz werden.

Bauernverbandsgeschäftsführer Helmut Bleher wollte sich „mit Bewertungen zurückhalten“, als er zur Einstimmung das Volksbegehren, das Eckpunktepapier der Landesregierung und den Volksantrag der Bauern-, Obst- und Weinbauverbände vorstellte. Kernaussage: Die Verbände wollen ihre eigenen Themen in den Landtag tragen. Das Eckpunktepapier sei „eine Gesprächsgrundlage“, ergänzte Jürgen Maurer. Der regionale Bauernverbandsvorsitzende kann sich aber „vorstellen, das Eckpunktepapier zu kippen, wenn zu viel Ideologie im Spiel ist“.

„Ich erwarte, dass die Gesellschaft mit uns in einen Dialog eintritt“, sagte Maurer. Wie schwierig dies werden könnte, zeigte die Publikumsrunde in Untersteinbach: Statt kurzer Fragen gab es überwiegend längere Statements, in denen die Positionen von Landwirten, Naturschützern und Imkern unversöhnt aufeinanderprallten. Die Bauern fühlen sich von der Gesellschaft bevormundet – nicht nur, aber auch durch das Volksbegehren. Den landwirtschaftlichen Praktikern stoßen die Forderungen der Laien sauer auf. „Die Bevölkerung hat ein sehr großes Wissensdefizit“, sagte beispielsweise Obst-, Wein- und Gemüsebäuerin Ulrike Lösch auf dem Podium.

Obstbäuerin Irene Gebert im Saal fragte: „Wie kann Lieschen Müller über Fachfragen in der Landwirtschaft entscheiden?“ Und auf dem Podium formulierte Benjamin Sinn, Vorsitzender der Kreislandjugend Hohenlohe, drastisch: „Die Gesellschaft ist verblödet. Es ist schwer, denen überhaupt klarzumachen, was wir tun.“ Abhilfe versprach Jürgen Maurer: „Wir sind am Start, eine bessere Öffentlichkeitsarbeit zu machen.“ Dazu habe der Bauernverband eine Pressesprecherin eingestellt.

„Pest und Cholera“

In der Debatte geht es auch um Begrifflichkeiten. „Der Begriff Pestizide ist negativ belegt: Pest und Cholera“, sagte Wolfgang Eißen, Leiter des Hohenloher Landwirtschaftsamtes: „Wir reden von Pflanzenschutzmitteln.“ Ohne diese gehe es weder im Wein- noch im Obstbau, sagte Eißen, sagten auch Benjamin Sinn und der württembergische Weinbaupräsident Hermann Hohl. In der Ausbildung habe man den fachgerechten Umgang mit den Pflanzenschutzmitteln gelernt, war immer wieder zu hören. Und: In Haus und Garten hätten Pflanzenschutzmittel nichts verloren, der Verkauf an Privatleute in Bau- und Gartenmärkten müsse verboten werden. Verbote für die eigene Zunft hingegen lehnen die Bauern ab. Stattdessen müsse über Anreizprogramme, sprich Fördergeld für den Naturschutz in der Landwirtschaft gesprochen werden, sagten etwa Wolfgang Eißen und Jürgen Maurer.

Ein höherer Bioanteil an der Lebensmittelproduktion sei „eine gesamtgesellschaftliche Frage“, sagte Rudolf Bühler. Seine Bäuerliche Erzeugergemeinschaft habe das Volksbegehren unterstützt, „weil wir die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen“. Es sei jedoch „in eine Richtung gelaufen, die wir nicht mittragen konnten“, sagte Bühler. Nun sitze die Erzeugergemeinschaft mit am runden Tisch, „damit wir es in die richtige Richtung steuern. Das ist uns auch gelungen.“ Weinbaupräsident Hermann Hohl ist über die Weinsberger Runde ebenfalls an den politischen Gesprächen beteiligt.

Er sei „guter Hoffnung, dass wir eine Lösung hinkriegen, die für alle tragbar ist“, sagte er in Untersteinbach. ph