Höpfingen

Streuobstwiesenfest in Waldstetten Alles drehte sich um Äpfel und Birnen / „Café Frohsinn“ vom Gesangverein / Kinderchor studierte Lieder ein

Viel mehr als nur ein Most-Lieferant

Archivartikel

Gesang und Wissenswertes standen beim Streuobstwiesenfest in Waldstetten im Vordergrund. Dabei wurde sogar ein Apfelbaum gepflanzt.

Waldstetten. Traditionen pflegen und Bewährtes modern interpretieren: eine Kunst, die der Gesangverein Frohsinn Waldstetten beherrscht. Dies bewiesen am Wochenende eindrucksvoll die engagierten Sänger aus drei Generationen beim „Café Frohsinn“ in Verbindung mit einem Streuobstwiesenfest. Der Jugendprojektchor veranstaltete bereits am Samstagabend eine Cocktailparty im Rathauskeller. In dem altehrwürdigen Gemäuer mit seinem urigen Ambiente boten die jungen Sänger neben bekannten Mixturen auch die „Stedemer Antwort auf den Aperol Spritz“: eine Neukreation mit Most aus heimischen Streuobstwiesen, der „Pommerol Spritz“.

Es braucht nur Spaß

Der Sonntag stand bei herrlichem Herbstwetter ganz im Zeichen des Gesangs und des Streuobstes. Dirigent Michael Henn lud Kinder ab der ersten Klasse zu einem Gesangsworkshop ein und eröffnete mit den einstudierten Liedern die Veranstaltung im Rathaushof. Der Kinderchor bewies bei seinem Debüt, dass es einfach nur Spaß am Singen braucht, um das Publikum aufzufordern „Komm und sing mit uns!“. „Die Zugabe kommt am Liederabend!“ versprach Dirigent Henn, der mit den Nachwuchssängern bis zum Konzert Ende Oktober noch weiteres Liedgut einstudieren will und gerne noch weitere singbegeisterte Kids begrüßen möchte.

Der gemischte Chor erfüllte anschließend den Rathaushof mit dem „Zauber der Musik“, „Der Löwe schläft heut Nacht“ und dem mitreißenden Gospel „Yakanaka Vangheri“.

„Mit unserem Streuobstwiesenfest wollen wir die landschaftsprägende, ökonomische und ökologische Bedeutung der Streuobstwiesen in Erinnerung rufen und für ihren Erhalt plädieren“ so der Vorsitzende Herbert Frisch in seiner Begrüßungsansprache. Was Jahrhunderte lang gepflegt, dann Jahrzehnte lang verpönt war, müsse angesichts des Klimawandels und Artensterbens wieder ins Bewusstsein gerückt und wertgeschätzt werden. Die Streuobstwiesen gehören zu unseren artenreichsten Lebensräumen, und dass sie nicht nur Äpfel für Most liefern, davon konnten sich die Besucher des Festes mit zahlreichen Angeboten rund um das Thema überzeugen.

Traditionelles wie Apfel-, Quetsche- und Kirschbloatz gehörten ebenso zum Angebot wie frisch gebackene Apfelwaffeln, die besonders bei den Kindern reißenden Absatz fanden. Ergänzt wurde das Angebot beispielsweise durch Streuobstmarmeladenkreationen. Den durstigen Kehlen bot sich neben dem wieder zunehmend beliebten Most und dem bereits erwähnten „Pommerol Spritz“ noch Apfelschaumwein an. Diese in Frankreich Cidre und in England Cider genannte Spezialität ist dort jeweils Nationalgetränk und wird inzwischen auch in der Region produziert – natürlich aus heimischem Streuobst. Die hochprozentigen Streuobsterzeugnisse wurden von der Obstbrennerei Heffner angeboten. Frischen Süßmost gab es natürlich auch: Robert Müller hatte seine Kelter aufgebaut. Den ganzen Nachmittag sorgte er mit Hilfe von Gerhard Münch und Alois Heffner für frischen Saft.

Um Äpfel zu ernten, muss man aber erst mal Bäume pflanzen. Das übernahm die vierte Klasse der Grundschule Höpfingen mit Klassenlehrerin und Rektorin Susanne Lindlau-Hecht. Zusammen mit ihrer Streuobstpädagogin Monika Frisch zeigten die Schüler, was sie im Frühjahr bereits im Rahmen ihres Streuobstprojektes gelernt haben, und pflanzten fachgerecht einen „Boskoop“ am Hofacker. Monika Frisch bedankte sich bei allen Beteiligten und der ZG Raiffeisen Hardheim mit Marktleiter Eric Ackermann für die Spende des Baumes.

2000 Apfel- und Birnensorten

Mit zahlreichen Interessierten ging es dann erneut an den Hofacker, wo Monika Frisch eine kulturhistorische Führung mit allerlei Wissenswertem zu Streuobst bot. „Es gibt allein in Deutschland etwa 2000 Apfel- und Birnensorten, weltweit geht man von 20 000 aus“, erklärte sie. Dabei habe jede Region Lokalsorten entwickelt, die jeweils perfekt an die örtlichen Bedingungen angepasst seien. Diese Vielfalt, allein in Waldstetten, war Gegenstand einer vielbeachteten ergänzenden Ausstellung im Rathauspavillon: 65 verschiedene Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten, nur aus der örtlichen Gemarkung, hatte Monika Frisch zusammengetragen. Darunter befanden sich noch gut bekannte Sorten wie „Brettacher“ oder „Goldpärmäne“, aber auch zahlreiche nicht zu ermittelnde Sorten, welche das geschwundene Wissen um die alten Sorten schmerzlich verdeutlichten.