Höpfingen

Im Gewann „Fuchsenloch“ Vor 50 Jahren wurden die neuen Aussiedlerhöfe bezogen / Am 23. und 24. November wird das Jubiläum gefeiert / Bunter Hüttenzauber

Produktionszweige nach und nach umgestellt

Archivartikel

Waldstetten.Im August 1969 sind fünf Landwirtsfamilien mit ihrem gesamten Hab und Gut in die neuen Aussiedlerhöfe im Gewann „Fuchsenloch“ gezogen (die FN berichteten). Nachfolgend soll die Entwicklung der Betriebe bis zu den heutigen Herausforderungen dargestellt werden.

Bei der Aussiedlung stand, wie zuvor über Jahrhunderte hinweg, in der Landwirtschaft die Produktion von Nahrungsmitteln im Vordergrund. In Waldstetten gab es zu dieser Zeit noch 87 landwirtschaftliche Betriebe. Knapp die Hälfte der Einwohner lebte von der Landwirtschaft.

Infolge der früher praktizierten Realerbteilung waren die Verhältnisse bescheiden. In den Folgejahren änderte sich jedoch das Erwerbsverhalten und viele haben ihre Landwirtschaft aufgegeben. Dies ermöglichte den Betrieben im „Fuchsenloch“, ihre Flächen kontinuierlich durch Zupacht zu vergrößern.

Mit einher gingen eine fortschreitende Mechanisierung und Produktivitätssteigerung. Waren bei der Aussiedlung sieben Schlepper mit zusammen 207 PS vorhanden, sind es heute 16 Schlepper mit zusammen 1850 PS.

Die Umstellung der Arbeitsweisen und der angebauten Erzeugnisse führten in Verbindung mit dem Einsatz von Spritz- und Düngemitteln zur Rationalisierung und Ertragsteigerung.

Während 1950 die durchschnittliche Erntemenge von Winterweizen noch bei rund 30 Doppelzentner pro Hektar lag, beträgt sie heute rund 75 Doppelzentner; 1950 ernährte ein Bauer mit seinen Erzeugnissen zehn Menschen, heute sind es 135 Menschen.

Doch bereits innerhalb eines Jahrzehnts wendete sich das Blatt und der Fortschritt zeigte seine Schattenseiten. Eine EU-weite Überproduktion ließ „Milchseen“ entstehen und „Butterberge“ anwachsen.

Die Folgen waren ein Preisverfall für landwirtschaftliche Produkte, verbunden mit einer immer stärker werdenden Reglementierung. Bei der 1984 von der Europäischen Gemeinschaft eingeführten Quotenregelung für die Milcherzeugung wurden sogar Strafzahlungen fällig, wenn die Quote überschritten wurde. Dies konnte jedoch die Milchpreise nicht stabilisieren.

Im März 2015 wurde die Quotenregelung fallengelassen, was die Überproduktion weiter beförderte und den Erzeugerpreis im Juli 2016 auf einen Tiefstwert von 23,33 Cent pro Kilogramm fallenließ. Diese Preisentwicklung und die inzwischen unzureichenden Stallgrößen mit Anbindehaltung führten dazu, dass die Milchproduktion in den letzten Jahren bei drei von vier Betrieben im „Fuchsenloch“ aufgegeben wurde.

Zu dem Kostendruck und Niedrigpreisen kommen eine verstärkte Globalisierung der Märkte und weitere staatliche Reglementierungen hinzu. Schwankende Absatzmärkte, steigende Pachtpreise und nicht zuletzt der Entzug von Landwirtschaftsflächen für Siedlungs-, Verkehrs- und Ausgleichsflächen belasten zunehmend die Landwirtschaft und vermindern die Planungssicherheit.

Digitale Technologien der Präzisionslandwirtschaft zur Steuerung von Schleppern und Anbaugeräten, zur Regelung der Saatgutmenge, des Spritz- und Düngemitteleinsatzes und zur Erfassung von Erntemengen etablieren sich zusehends und tragen dazu bei, den Einsatz von Ressourcen zu optimieren und Erträge zu steigern.

Die genannten Probleme können aber auch sie nicht lösen, denn der Druck, die Kosten durch weiteres Wachstum und Rationalisierung zu senken, wird weiter erhöht und wird mit einem Verlust von Vielfalt einhergehen.

Trotz aller Herausforderungen wird heute nach wie vor von allen Betrieben im „Fuchsenloch“ Landwirtschaft betrieben, was längst nicht mehr bei allen Aussiedlerhöfen in der Gegend der Fall ist.

Allerdings hat die Entwicklung dazu geführt, dass die Betriebe im „Fuchsenloch“ ihre Produktionszweige nach und nach umgestellt haben und vermehrt auch außerlandwirtschaftliches Einkommen generieren.

Zwei Betriebe haben die Vieh- und Schweinehaltung innerhalb der letzten zehn Jahre vollständig aufgegeben, ein Betrieb hat auf Mutterkuhhaltung umgestellt, ein Betrieb hat seine Schweinemast deutlich erweitert. Die außerlandwirtschaftlichen Standbeine reichen von der Betätigung als Arbeitnehmer oder Lohnunternehmer bis zur Obstbrennerei und Fuhrunternehmen.

Auch in Richtung Energiewirtschaft haben sich die Betriebe entwickelt. Ein Teil der Flächen wird für den Anbau von Mais für Biogasanlagen genutzt und die Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Wirtschaftsgebäude produzieren umweltfreundlichen Strom.

Wie in den vergangenen 50 Jahren werden sich die Betriebe auch in Zukunft ständig anpassen und den Herausforderungen stellen müssen. Faktoren wie der Klimawandel und technische Fortschritt, aber auch der Wandel der gesellschaftlichen Wertevorstellungen sind bereits gegenwärtig.

Zunächst aber gilt die Arbeit den Jubiläumsfeierlichkeiten, die am Samstag, 23. November, ab 15 Uhr mit einem bunten Hüttenzauber in adventlicher Atmosphäre mit verschiedenen Ausstellern und Christbaumverkauf beginnen und am Sonntag um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst und Festakt fortgesetzt werden. Nach dem Mittagessen folgen verschiedene Aufführungen und Festbetrieb unter Mitwirkung der Waldstettener Vereine.