Höpfingen

„Stedemer Beesche“ 50-jähriges Bestehen der „Stedemer Faschenacht“ als Anlass, einmal in der Chronik zu blättern

Narren nicht nur in der fünften Jahreszeit aktiv

Die „Stedemer Beesche“ werden 50: Das ist zwar kein „närrisches Jubiläum“ in Form einer Schnapszahl – aber dennoch Grund zum Feiern.

Waldstetten. Die FG „Stedemer Beesche“ blickt in diesem Jahr auf das 50-jährige Bestehen der umtriebigen „Stedemer Faschenacht“ zurück. Grund genug, ein wenig am „Rad der Zeit“ zu drehen und in der Chronik zu blättern.

Ausgiebig gefeiert wurde schon weit vor 1969: Erstmals erwähnt wurde fastnachtliches Treiben in Waldstetten bereits 1544 im „Register über Zins, Fastnachts- und Sommerhühner“; konkretisiert wurde es mit einer 1866 erteilten „Tanzerlaubnis“ und den ab Mitte der 1920er-Jahre vor dem Tanzvergnügen durch das Dorf ziehenden „fechtenden Faschebouze“.

Das „Fechten“ bezog sich nicht etwa auf die Sportart, sondern war ein Synonym für „Herumgehen“, um traditionelle „Faschenoachtsgaben“ einzusammeln. Zu diesen gehörten neben „gedörrten Quetschen“ Dörrfleisch und Eier.

Nachdem 1937 und 1938 unter den Lehrern Roßnagel und Wolf die letzten Waldstettener Fastnachstzüge veranstaltet wurden, lebte die Tradition 15 Jahre später nochmals für ein Jahr auf. Dann herrschte tatsächlich „faschenachtliche Funkstille“, die 1969 beendet wurde: Die Geburtsstunde der „Beesche“ schlug am 28. Dezember 1969, als eine Handvoll junger Männer beschloss, die „Pause“ mit einem zünftigen Fastnachtsumzug durch Waldstetten und einer Prunksitzung zu beenden. Eine Idee, die für Begeisterung sorgte: Nachdem fast 40 Interessierte der im „Grünen Baum“ abgehaltenen Gründungsversammlung beiwohnten und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit zusicherten, griff rasch eine gewisse Euphorie um sich – der erste Umzug rollte und tanzte sodann am Fastnachtsdienstag 1970 mit 20 Wagen und Gruppen sowie der Musikkapelle durch das damals noch selbstständige Waldstetten. Als erstes Prinzenpaar glänzten Gertrud und Wolfgang Binder, um zahlreiche Besucher zu erfreuen – bisher gab es 44 Prinzenpaare. So ging es schon vom Start weg mit Energie und Eigeninitiative zur Sache, obwohl man damals noch „namenlos“ war und der Name „Stedemer Beesche“ erst 1972 kreiert wurde.

Freilich ist auch er keine Neuschöpfung, sondern weist auf eine alte örtliche Begebenheit hin: In der Region galten die Waldstettener seit jeher als „Beesche“, da sie zur Aufbesserung der landwirtschaftlichen Einkünfte in den Wintermonaten Reisigbesen („Beesche“) banden und verkauften.

Schnell entwickelten sich die donnernden Prunk- und Fremdensitzungen, die Jahr für Jahr bei der „Kerwe“ der Musikkapelle zelebrierten Faschenachtseröffnungen, die Umzüge, die Ordensfeste und auch die Kinder- und Jugendnachmittage zu Selbstläufern bei allen Generationen.

Hier geben sich – wie auf den im regionalen Umfeld besuchten Umzügen – die Gallionsfiguren der Stedemer Faschenacht ein närrisches Stelldichein: Ohne die „Beeschenbinner“, „s’Käth’ un Klärle“ sowie die Garden, die Elferräte, allerhand Büttenredner, dem Prinzenpaar und natürlich einem dreifach-donnernden „Beesche Helau“ läuft nichts.

Allerdings beschränken die „Beesche“ ihre Aktivität keinesfalls auf die fünfte Jahreszeit: Auch am Heimatfest 1997 zum 750-jährigen Bestehen Waldstettens und zahlreichen Festlichkeiten des Jahreskreislaufs wie dem Maibaumstellen sowie dem Sommerfest der Vereine an der Brunnenberghütte zeigten und zeigen sie Flagge.

Das kameradschaftliche Miteinander der Vereine sorgte zur 2002 veranstalteten 33-Jahr-Feier für ein nach wie vor allgegenwärtiges Geschenk: Die Musikkapelle Waldstetten beschenkte die „Beesche“ mit dem von Wolfgang Wörner und Wilhelm Marzini verfassten „Stedemer Beeschemarsch“ – noch heute wird er gern in jeder Kampagne angestimmt. Die Musikkapelle unterstützt noch heute den Kindernachmittag mit ihren Weisen.

Stolz ist man auch auf die farbenfreudigen Orden, mit denen jährlich ein prägnantes Ereignis des Dorfgeschehens glossiert wird.

Auch die Nachwuchsarbeit funktioniert: Seit der Kampagne 2006/07 verfügen die „Beesche“ jedes Jahr über einen Jugendelferrat, neben dem in der Regel mit der Kinderschautanzgruppe, der Juniorengarde und der Prinzengarde drei Garden mit aktuell insgesamt sechs Trainerinnen aktiv sind.

Das bedingt natürlich eine starke Führung – aber bei den „Beesche“ konnte man sich immer auf ein aktives und emsiges Vorstandsteam verlassen: Nachdem anfänglich Gottfried Berberich und Helmut Fieger das Regiment führten, übernahmen den Verein 1974 Otmar Klotzbücher das Zepter und als erste weibliche Vorsitzende 1992 Sylvia Klotzbücher. Auf sie folgte 1998 Markus Löffler; aktuell bekleidet seit 2016 Marion Schäfer das Amt der Vorsitzenden.

Als Präsidentin wirkt seit 2001 Tina Sieber. Sie folgte auf die als erste weibliche Präsidentin innerhalb des Narrenrings Main-Neckar, dem die „Beesche“ 1977 beitraten, wirkende Anneliese Hartmann (1991-2000), Emil Baumann (1987-1990), Gottfried Hartmann (1986), Hubert Hartmann (1975, 1985), Martin Kautzmann (1979-1984), Wolfgang Binder (1970, 1972-1974, 1976-1978), Gottfried Hartmann (1975) und Gottfried Berberich (1971).

Das Jubiläum „50 Jahre FG Stedemer Beesche“ wird am Samstag, 28. September, ab 19.15 Uhr in der Turnhalle gefeiert. Stefan Müller-Ruppert gestaltet einen literarisch-vergnüglichen Abend zum Thema „Ohrenschmaus und Gaumenkitzel“.