Höpfingen

Kuhn GmbH in Höpfingen Geschäftsführer Dr. Michael Kuhn verbrachte als einer von 13 deutschen Delegierten und Experte für Wasser drei spannende Tagen in Indien

Mobilität und Umwelt waren Schwerpunktthemen

Höpfingen.Von einer „absoluten Bereicherung für die persönliche Lebenserfahrung und berufliche Denkweisen“ spricht Dr. Michael Kuhn aus Höpfingen, wenn er an seine Wirtschaftsdelegationsreise nach Indien erinnert. Als einer von 13 deutschen Delegierten und Experte für Wasser verbrachte der Geschäftsführer des 1926 gegründeten Unternehmens Kuhn GmbH drei spannende Tage auf dem Subkontinent.

Zu der „Ehre“ jener Reise – bei der neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch acht Staatssekretäre sowie die Minister Heiko Maas, Julia Klöckner und Anja Karliczek teilnahmen, vorgemerkt gewesen wäre eigentlich auch Peter Altmaier, der jedoch krankheitsbedingt ausfiel – kam Kuhn durch einen Zufall oder besser gesagt durch eines seiner Ehrenämter. „Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Firma Siemens und gleichzeitig Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, wurde vom Kanzleramt beauftragt, diese Wirtschaftsdelegation zusammenzustellen und wandte sich an die ‚German Water Partnership’, in dessen Vorstand ich Mitglied bin“, erklärt Kuhn.

Aufgrund zahlreicher Indien-Aufenthalte und seinem Wissen rund um das „kühle Nass“, Kuhn gilt als Spezialist für Trink- und Abwasseranlagenbau sowie Abwasserbehandlung, erschien der Höpfinger als idealer Reisegast und wurde zu einem Briefing ins Berliner Kanzleramt eingeladen. „Dort wurde ich über das Programm und allgemeine organisatorische Eckdaten in Kenntnis gesetzt“, so der Unternehmer. Die Fahrt als solche wurde auf Initiative der deutsch-indischen Handelskammer initiiert. „Letztlich wurde Umweltministerin Svenja Schulze seitens Indien gerügt, weil Angela Merkel bereits zwölf Mal in China gewesen sei, Indien aber nur vier Besuche abgestattet habe“, so Dr. Michael Kuhn.

Beachtliches Wissen

Als Schwerpunktthemen dienten Mobilität und Umwelt. In beiden Bereichen verfügt Kuhn, dessen Indien-Engagement 2010 begann, über ein beachtliches Wissen. Allerdings vereint das Land krasse Gegensätze in sich: „Unvorstellbare Straßenszenen mit heillos überfüllten Verkehrsmitteln und starke Müllprobleme auf öffentlichen Plätzen bilden den Kontrast zu einer wunderschönen Landschaft und beeindruckenden Panoramen“, räumt er ein.

Anhand von Bildern verdeutlicht er die wilden Müllablagerungen, die aber keinesfalls aus fehlenden Möglichkeiten der Abfallbeseitigung oder Unwissenheit resultieren. „Auslöser hierfür ist das juristisch nicht mehr vorhandene, aber im Alltag und in den Köpfen doch noch spürbare Kastensystem Indiens“, so Kuhn im FN-Gespräch. Dieser Hierarchie nach gehören Müllsortierer der zweituntersten Kaste an. Zwar äußern „höherrangige“ Inder ihre Solidarität mit den unter ihnen Stehenden darin, indem sie ihnen Unrat aller Art überlassen, doch wird dieser einfach auf der Straße entsorgt. „Da aber auch die Müllsortierer rechnen und viel Weggeworfenes nicht lukrativ ist, bleibt es liegen – zumal ein Inder, der Müll aufhebt, sofort der niedrigen Kaste zugeordnet wird und sein Gesicht nicht verlieren möchte“, berichtet er. Dieser Müll findet über Umwege zurück ins Grundwasser, das in Indien durch ungeklärtes Abwasser ohnehin starken Verunreinigungen ausgesetzt wird. Allerdings zeichnet sich ein gewisses Umdenken ab: „Nachdem Premierminister Narendra Modi in einer öffentlichen Kampagne mit einem Besen Müll beseitigte, scheint man sich Gedanken zu machen“, schildert Dr. Michael Kuhn.

Den seit Mai 2014 amtierenden Premierminister durfte er übrigens kennen lernen: „Er empfing die Delegierten in seinem Gästehaus“, merkt Kuhn an und wertet diese Begegnung als eines von zwei großen Highlights seiner Indienreise. Der zweite Höhepunkt war ein Treffen am „Runden Tisch“, wo aktuelle, auf Umwelt und Mobilität bezogene Anliegen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel besprochen wurden. „Beim Stehempfang lernte ich sie als ausgesprochen höfliche und zuvorkommende Person kennen.“ ad