Höpfingen

Gesangverein „Frohsinn“ Waldstetten Vier Chöre aus zwei Landkreisen waren beim Liederabend am Samstag zu erleben

In die Herzen der Besucher gesungen

Archivartikel

„Heimat, Frohsinn und Genuss“: Unter diesem Motto stand der Liederabend des Gesangvereins „Frohsinn“ Waldstetten, bei dem sich vier Chöre aus zwei Landkreisen die Ehre gaben.

Waldstetten. Stimmungsvoll eröffnete der hauseigene gemischte Chor den Abend: Nach kurzer Piano-Improvisation des jungen Dirigenten Michael Henn marschierten die Sängerinnen und Sänger auf die Bühne, um mit dem Kanon „Singen macht Spaß“ die Ideale gemeinsamen Singens und Musizierens auf den Punkt zu bringen. Ein Thema, auf das Vorsitzender Herbert Frisch seine Begrüßung bezog: „Musik und Gesang sind eine Sprache, die man auch in Zeiten gesellschaftlicher Misstöne spricht“, betonte er und freute sich über das Erscheinen so vieler Freunde des Chorgesangs, ehe er besonders die reibungslos funktionierende Jugendarbeit lobte.

Den Worten schloss sich Marion Schäfer an: „Musik verbindet die Menschen, die sich von ihr verzaubern lassen“, hielt sie fest. Genau das geschah sogleich beim „Zauber der Musik“: Jene Hymne lieferte ein herzerfrischendes Plädoyer für die „Seele der Musik“ und ging mit der weichen Melodie direkt unter die Haut.

Eine geschmackvolle Liedauswahl präsentierte der von Anna Wiener geleitete Frauenchor aus Robern: Auf die irische Volksweise „Weit übers Meer“ und das schwungvoll interpretierte Lied „Die Gedanken sind frei“ folgte die um den Erdball gezogene Melodie von „Scarborough Fair“.

Da setzte der nunmehr zum fünften Mal die Liederabende bereichernde, um fünf neue Stimmen gewachsene Kinderchor des „Frohsinns“ an. Lud „Singen wir ein Lied zusammen“ zum Mitklatschen ein, weckte die charmant gestellte, aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin – völlig unverfroren“ stammende Frage „Willst du einen Schneemann bauen?“ die Vorfreude auf den nahenden Winter. Aus dem gleichen Film stammte „Let It Go – lass’ jetzt los“, ehe das humorvoll allen Eltern und Kindern aus der Seele sprechende Stück „Mama sagt ‚Nö’“ seine Live-Premiere erlebte: Es wurde von Anna Wiener mitverfasst und durch die Waldstettener Kinder in einem Ludwigsburger Tonstudio eingesungen. Natürlich wurde auch der Wunsch nach einer Zugabe erfüllt, ehe die kurze Pause der kulinarischen Versorgung und manchem gemütlichen Plausch diente.

Für Treue geehrt

Drei Ehrungen erfolgten beim Liederabend des Gesangvereins „Frohsinn“ Waldstetten: Nach der Pause ergriff Vorsitzender Herbert Frisch das Wort und zeichnete zunächst Herbert Münch für 60-jährige Treue zum Chor aus. Für 40 Jahre wurde Gerhard Klotzbücher geehrt, der neben seiner Tätigkeit als aktiver Sänger zwischen 1998 und 2008 als stellvertretender Vorsitzender wirkte. Eine weitere Ehrung betraf den äußerst engagierten Vorsitzenden selbst: Aus der Hand von Marion Schäfer erhielt Herbert Frisch, der 1994 sein Amt als Vorsitzender angetreten hatte, die Ehrung für 25-jähriges Wirken in diesem Rang. Schäfer würdigte vor allem Frischs freundliches und höfliches Wesen sowie seine Gabe, den Verein mit unermüdlicher Kraft voran zu treiben. Gratulationen kamen auch von Andrea Egenberger-Henn als Vorsitzender des Sängerkreises Buchen sowie Dirigent Michael Henn.

Von Südafrika nach Tschechien und Großbritannien und wieder zurück in die deutschsprachige Musikszene führte die musikalische Reise der zweiten Programmhälfte. Den Anfang machte der gemischte Chor aus Waldstetten mit den afrikanischen Gospel-Traditionals „Ti Mama“ und „Yakanaka Vangheri“. Auf dem Schwarzen Kontinent – oder zumindest in Gefilden, in denen wilde Tiere leben – blieb man mit „Der Löwe schläft heut’ Nacht“. Hier wurden die Waldstettener durch den Roberner Frauenchor verstärkt, was das Flair einer reifen Gemeinschaftsleistung schuf. Danach verließen die „Stedemer“ die Bühne, die nun dem Frauenchor und Dirigentin Anna Wiener gehörte: Mit der „Biene Maja“ wurde an das beeindruckende Schaffen des erst vor Kurzem zu Grabe getragenen Karel Gott erinnert; der Welterfolg „From A Distance“ begeisterte Liebhaber tiefsinniger Texte, während sich die Quintessenz der neckischen Nonsens-Nummer „Ein Likörchen für das Frauenchörchen“ auf dem Fuße bestätigte: Michael Henn trug sehr zur Freude aller ein Tablett mit – gern getrunkenen – edlen Tropfen auf die Bühne.

Aktuelle Popmusik

Ganz auf aktuelle Popmusik war das von Simon Blau und Justus Meister an Cajon und Gitarre verstärkte Jugendchorprojekt des Gesangvereins „Frohsinn“ eingestellt: „80 Millionen“ als Erkennungsmelodie Max Giesingers begeisterte ebenso wie „Wonderwall“ als großer Hit der Britpop-Band „Oasis“. Den Geschmacksnerv des Publikums traf freilich auch die frenetisch erjubelte Zugabe „Bella Ciao“. Auf der „Zielgeraden“ glänzte noch der gemischte Chor mit zwei ansprechenden Beiträgen: Nachdem der „perfekte Chor“ mit gleichnamigem Lied eine vor Witz, Esprit und Selbstironie nur so strotzende Revue zu Gehör brachte, erklang das bekannte Spiritual „Oh Happy Day“, dessen Text Ehrendirigent Helmut Hartmann auf gehaltvolle Weise ins Deutsche transferiert hatte.

Nun dankte Herbert Frisch allen Mitwirkenden sowie den Moderatorinnen Marion Schäfer und Kim Schneider für die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Seitens des Jugendchorprojekts ergriff Lorenz Frisch das Wort, um Dirigent Michael Henn ein Präsent zu überreichen. Mit dem getragenen Abschiedslied „Neigen sich die Stunden“, das sich als Gemeinschaftsarbeit zwischen der Waldstettener Sängerfamilie und dem Roberner Frauenchor verstand, klang der niveauvolle und kurzweilige Abend aus – zumindest musikalisch. Denn zahlreiche der begeisterten Gäste blieben in der Turnhalle, um miteinander zu feiern: Musik erheitert und verbindet schließlich.