Höpfingen

Forstbetriebsgemeinschaft Waldstetten Erftal Bei der Waldbegehung wurden unterschiedliche Methoden der Baumfällung vorgestellt

„Fichtenpreis total am Boden“

Archivartikel

Waldstetten.Weiterbildung und Information haben bei der Forstbetriebsgemeinschaft Waldstetten-Erftal einen hohen Stellenwert. Deshalb trafen sich die Mitglieder und interessierte Waldbesitzer zu einer ansprechenden Waldführung mit Revierleiter Martin Sauer im Gemeindewald Hardheim, Distrikt Meisenbrunn, in Gerichtstetten.

Robert Müller, Sprecher des Vorstandsteams, begrüßte die Teilnehmer und wies auf die Sicherheitsvorschriften für die Lehrvorführungen, wie das Tragen von Schutzhelm und Schutzkleidung sowie das Einhalten des Sicherheitsabstandes, hin.

Unterstützung für Waldbesitzer

Martin Sauer, seit April neuer Revierleiter, versicherte, dass ihm der Privatwald ein sehr großes Anliegen ist und er die Waldbesitzer nach besten Kräften und Möglichkeiten unterstützen möchte. Er kam auch gleich auf die aktuellen Herausforderungen zu sprechen, wie zum Beispiel die extreme Trockenheit und den damit einhergehenden Borkenkäferbefall bei Fichten, der ganze Bestände zunichte mache. Selbst Tiefwurzler, wie Kiefern, seien von dem fehlenden Regen betroffen. Besonders auf den kargen Bergrücken sei zu beobachten, wie auch diese reihenweise braun und dürr werden. Selbst Buchen würden von den oberen Ästen her anfangen abzusterben.

Anhand von Schaubildern demonstrierte Sauer die verschiedenen Schadstufen bei Buchen, die bis zur totalen Entwertung des Holzes voranschreiten. Die Teilnehmer brauchten gar nicht weit schauen, denn in unmittelbarem Umfeld des Standortes konnten etliche beschädigte Buchen gesichtet werden.

Diese „katastrophale Lage“ schlage sich natürlich auch auf dem Holzmarkt nieder. Vor allem der Fichtenpreis sei total am Boden. Kiefer sei momentan eigentlich nicht absetzbar. Auch die Palettensäger, die vormals klassischen Abnehmer hiesiger Kiefern, würden sich nun lieber mit Käferholz aus Fichtenbeständen versorgen. Nur Douglasien und Lärchen würden bei den Nadelhölzern momentan noch wirtschaftliche Preise erzielen.

Das Eschentriebsterben könnte sich durch die trockene Witterung etwas verlangsamt haben, weil die Feuchtigkeit für die Pilzbildung gefehlt habe. Am besten käme die Eiche mit der Trockenheit zurecht und sei als Zukunftsbaum geeignet. „Ansonsten stellt uns der Waldumbau auf klimaverträgliche Bäume noch vor große Herausforderungen, da Versuche oft erst nach Jahren brauchbare Ergebnisse aufweisen können und es noch an Erfahrungen mit neuen Baumarten fehlt“, so Sauer, der den Privatwaldbesitzern seine Unterstützung anbot und bekräftigte, dass die Eigentümer vor dem Einschlag auf jeden Fall Rücksprache mit ihm halten sollten, vor allem im Hinblick auf Mengen, Sortiment und Lagerorte.

Als Vermittler und Berater könne auch Gerhard Münch vom Vorstandsteam der Forstbetriebsgemeinschaft angesprochen werden.

Zum Schluss ging der Revierleiter auf das Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg für Waldbesitzer ein. Diese können vom Land sechs Euro je Festmeter Förderung auf Verkaufssortimente, Häcksel- und Brennholz beantragen, sofern es sich um Schadholz handelt, das durch Sturm, Trockenheit und Schädlingsbefall hervorgerufen wurde.

Praktischer Teil

Im praktischen Teil der Waldexkursion demonstrierte Tobias Klotzbücher die Baumfällung mittels der Königsbronner Anschlagtechnik. Der Grundgedanke dieser Technik ist es, dass ein Baum mittels Seilwinde in die gewünschte Richtung gezogen wird, wobei sich der Sägeführer unter Anwendung spezieller Schnittführungen vor dem Fallen des Baumes aus dem Gefahrenbereich zurückziehen kann.

Zunächst wird ein leichtes, aber hochfestes Spezialkunststoffseil am Baum befestigt. Windenzugkraft und Größe des Baumes bestimmen hierbei die notwendige Anschlaghöhe für das Seil. Die entsprechende Höhe wird mit Teleskopstange erreicht.

Danach wird das Seilende mit Hilfe eines Schäkels mit dem Stahlseil der Seilwinde verbunden. Nach Anbringung des Fallkerbes und dem Vorspannen des Baumes wird der eigentliche Fällschnitt durchgeführt. Nachdem sich der Sägeführer aus dem Gefahrenbereich entfernt hat, wird der Baum umgezogen.

In einer zweiten Vorführung wurde das Arbeiten mit einem mechanisch verstellbaren Fällkeil vorgestellt. Hierdurch ist ebenfalls ein erschütterungsfreies Fällen von Bäumen möglich, da das Eintreiben eines Fällkeils mit dem Hammer entfällt. Durch diese erschütterungsarme Fälltechnik ohne Keilen ist die Gefahr durch herabfallendes Totholz als deutlich geringer einzustufen.

Der verstellbare Fällkeil wird in eine etwas größer gesägte Öffnung im Fällschnitt eingesetzt. Mittels einer Rätsche wird sodann der Hub im Keil erzeugt. Durch diese Hubkraft wird der Baum auf der einen Seite angehoben und neigt sich bis zu seinem Fall, vollständig erschütterungsfrei.

Die Vorführungen zeigten deutlich, dass diese Arbeiten besonderer Kenntnis bedürfen.

Mit dem Schlusswort durch Robert Müller und das Vorstandsteam, mit dem Dank an alle Teilnehmer und Akteure der Fortbildung, setzte auch der von den Waldbesitzern lang ersehnte Regen ein. misch