Höpfingen

Grundschule Höpfingen Martin Berberich ermöglicht mit einem Bauwagen auf seiner Streuobstwiese den Unterricht in einem „Klassenzimmer im Grünen“

Ein Grundstück, das „Schule macht“

Unterricht muss nicht immer in Klassenzimmern, Sporthallen oder Sprachlaboren stattfinden: Seit Kurzem verfügt Höpfingens Grundschule über ein „Klassenzimmer im Grünen“.

Höpfingen. Beim „Klassenzimmer im Grünen“, über das die Grundschule Höpfingen seit Kurzem verfügt, handelt sich um einen Bauwagen, der – wie der Grund, auf dem er steht – Martin Berberich gehört. Mit ihm trafen sich die Fränkischen Nachrichten auf seiner Streuobstwiese im Talacker und erfuhren manchen persönlichen Hintergrund.

Das Faible für die heimische Flora und Fauna wurde dem 41-Jährigen bereits in die Wiege gelegt: Hatte sein Großvater Heinrich Wendelin Berberich den Obst- und Gartenbauverein mitgegründet und als staatlich geprüfter Obstbaumwart eine Baumschule am Zuckerrübenweg betrieben, bewirtschaftete danach sein Vater Richard das 34 Ar große Grundstück.

„Ich habe es 2003 übernommen, den Altbestand sukzessive erneuert und sehe mich in der Verpflichtung, die Familientradition aufrecht zu erhalten“, erklärt Berberich, der den unteren Teil des Areals als stillgelegte Ackerfläche verpachtet hat. „Das passt als natürlicher Lebensraum für Pflanzen und Tiere gut in das Konzept“, betont er.

Dass das Grundstück buchstäblich „Schule macht“, war dem berühmt-berüchtigten „Kommissar Zufall“ zu verdanken: Im Januar 2018 wandte sich Andreas Fürst als Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins an Martin Berberich.

Ein Bäumchen pflanzen

„Die Schule war seinerzeit auf ihn zugekommen und hatte angefragt, ob die Drittklässler auf mein fußläufig leicht erreichbares Grundstück gehen und ein Bäumchen pflanzen dürften“, schildert der seit 2019 dem Vereinsvorstand angehörende Höpfinger.

Ohne zu zögern erteilte er die Erlaubnis und wohnte im März 2018 der ersten Baumpflanzaktion bei. „Obwohl das Wetter zu wünschen übrig ließ, spürte ich sofort die große Begeisterung und Freude der Kinder“, blickt er zurück.

Mit Begeisterung bei der Sache

Im weiteren Jahresverlauf führte das Schulprojekt die Mädchen und Jungen nochmals zum Wildkräutersammeln und zur Apfelernte in den Talacker.

„Ich hätte das Grundstück ohnehin aufgeforstet, aber wenn die Kinder so viel Spaß entwickeln, ist das noch besser“, erinnert sich Martin Berberich, der auf eine Besonderheit großen Wert legt: „Ich stelle nur das Areal zur Verfügung – eigentlich ist die Streuobstpädagogin Monika Frisch die Seele des Projekts. Sie treibt die Kinder an, weckt ihr Interesse und erklärt alles Wichtige in greifbaren Worten“, freut er sich.

Hier habe er festgestellt, dass die Kinder sehr interessiert an der Heimat und der Natur seien. „Die einzelnen Aktionen werden von Monika Frisch vorbereitet und mit der Schulleiterin sowie den jeweiligen Klassenlehrern besprochen. Ich schaue nur bei Gelegenheit vorbei und halte mich im Hintergrund“, erklärt er. Rektorin Susanne Lindlau-Hecht weiß das sehr zu schätzen: „Wir als Schule sind dankbar, dass er uns mit viel Engagement und Hingabe bei dem Projekt Streuobstwiese begleitet“, lobt sie. Auch das Herzblut Monika Frischs sei bemerkenswert: „Ihre Freude ist ansteckend. Sie schafft es, alle mitzunehmen und zum Mitmachen zu bewegen.“

Zum „Klassenzimmer im Grünen“ kam es aus einem weiteren Zufall: Während Mäharbeiten kam Martin Berberich im September 2019 der Gedanke, einen Bauwagen anzuschaffen. „Das ist besser, als mit Isomatten auf Gras zu sitzen oder bei schlechtem Wetter draußen zu stehen“, schildert er heute.

Das Objekt der Begierde ließ sich schneller als gedacht auftreiben: Nachdem Berberich den Gerichtstettener Bauunternehmer Volker Eckert angesprochen hatte, konnte binnen kurzer Zeit ein gebrauchter Bauwagen in den Talacker verbracht werden.

Nun blieb die Frage nach der Standsicherheit zu klären: „Anfangs war beabsichtigt, ihn auf Pflastersteine zu hieven. Gesagt, getan - aber dann wäre eine fast zwei Meter lange Treppe nötig gewesen, was nicht der Weisheit letzter Schluss ist“, informiert er.

Schließlich wurde der Wagen auf einem ausgekofferten Grund fachmännisch aufgestellt und Ende September im Beisein der Landshuter FDP-Bundestagsabgeordneten Nicole Bauer eingeweiht (die FN berichteten).

Respekt vor der Umwelt

Wichtig ist Berberich das natürliche Ambiente: „Hier sollen die Kinder sehen, dass ein Garten weder Golfplatz-Rasenschnitt noch Pflasterwege benötigt – so entwickelt man Respekt vor der Umwelt“, stellt der gelernte Buchhalter klar: „Immer wieder schauen die Kinder an den Wochenenden vorbei und zeigen ihren Eltern ganz stolz ‚ihren’ Baum, den sie mit ihren Mitschülern gepflanzt haben“, berichtet er.

Auch die Politik wurde auf das Schulprojekt aufmerksam: Anfang 2018 hatte die FDP-Politikerin Judith Skudelny sich in einer Rede bestürzt darüber gezeigt, dass viele Kinder den Unterschied zwischen Stroh und Heu nicht mehr kennen.

Der bei den Liberalen engagierte Martin Berberich bewies ihr das Gegenteil, indem er sie nach Höpfingen einlud und ihr das „Naturlabor Streuobstwiese“ demonstrierte: „Wir haben Sträucher gepflanzt und danach die Firma Kuhn besucht, zu der Skudelnys Büro einen guten Kontakt entwickelte“, so Berberich.

Sein Engagement verstehe er freilich keinesfalls als Politikum, sondern als hobbymäßig ausgeübten Dienst an der Heimat und Beitrag zur heimatlichen Artenvielfalt, wie er den Fränkischen Nachrichten erklärt: „Man kann der Natur ruhig etwas zurückgeben“, bringt er seine Beweggründe auf einen Nenner.

Dahingehend plant er auch, eine Vogelschutzhecke zu ziehen und Nistmöglichkeiten zu schaffen. Eine Trockenmauer mit Insektenhotel hat er bereits gebaut. „Das morsche Holz bietet zahlreichen Insekten einen Lebensraum – sogar die in Baden-Württemberg stark gefährdete Große Blaue Holzbiene habe ich jüngst gesehen“, erklärt Martin Berberich.