Heilbronn

Carmen Würth Forum Oscar-Preisträger Sebastian Koch im entspannten Gespräch mit Bernadette Schoog

„Was sich stimmig anfühlt, mache ich“

Archivartikel

Künzelsau.Eine Laudatio auf den diesjährigen Bambi-Preisträger hätte der Vorjahresgewinner halten sollen. Wie der Zufall wollte, fiel die Bambi-Verleihung in Baden Baden aber genau auf jenen Termin, den Sebastian Koch bereits verplant hatte: beim Treffpunkt Forum für das Gespräch mit Bernadette Schoog. Gaisbach statt Baden-Baden – das wird vom Publikum im Carmen Würth Forum mit Riesen-Applaus belohnt.

Verschmitztes Schmunzeln

Nun sitzt der Shooting Star im chromblitzenden Schwarzledersessel neben seiner einstigen Wohngemeinschaftsgenossin und Duzfreundin Bernadette Schoog, genießt Ambiente und Anerkennung.

Jugendlich wirkt sein verschmitztes Schmunzeln hinterm Fünftagebart: „Was sich für mich stimmig anfühlt, das mache ich“, ein Satz, den Koch im Laufe des Gesprächs immer wieder verwendet, quasi als vertrauensbildende Maßnahme in die echte Persönlichkeit, den authentischen Sebastian Koch hinter den vielen Rollen. Geboren 1962 in Karlsruhe, in Stuttgart aufgewachsen, hat Sebastian Koch an der Otto-Falckenberg-Schule in München studiert. In zweieinhalb Jahrzehnten hat er zahlreiche historische Charaktere im Fernsehen und im Kino verkörpert: 1997 stellte er Andreas Baader dar, 2001 den Schriftsteller Klaus Mann und den Industriellen Richard Oetker, 2004 den Hitler-Attentäter Stauffenberg und den Nazi-Architekten Albert Speer. Hauptrollen auch 2006 in „Blackbook“ und in „Das Leben der Anderen“, 2009 in der „Der Seewolf“ (Wolf Larsen), 2014 den Chemiker Alfred Nobel, der erst das Dynamit erfindet und dann einen Friedenspreis stiftet , 2016 den Euthanasiearzt Dr. Walter Veithausen in „Nebel im August“ und unlängst den ehemaligen SS-Arzt Professor Seeband in „Werk ohne Autor“ (2018).

Wie schafft man es, sich solch widersprüchlichen Charakteren anzunähern? „Was ich mache, ist sehr fokussiert. Es verlangt viel Disziplin und ist anstrengend“, erklärt Koch.

Ob es Bürde oder Privileg sei, sich mit schwierigen Rollen auseinanderzusetzen? „Anders sein ist toll“, so Koch, der nach eigener Aussage berührt und begeistert war, dass ihn die Griechen gefragt haben, ihren Nationalhelden Ioannis Varvakis zu spielen. „Kann ich das? Geht das als Deutscher?“, fragt er und antwortet unverzüglich: „Das sind Gelegenheiten um von einander zu lernen. Gegenseitig vorsichtig Ziele und Wünsche formulieren, Systeme inhalieren.“

Wie geht Koch mit Kritik um? „Spiegel Online nannte dich im Seewolf die eleganteste Fehlbesetzung“, wirft Schoog ein. „Das kann man so sehen. Der Film war zwar nicht so toll, aber die Rolle dieses wahnsinnigen Kolosses, teils romantisch, teils kindlich, war nicht so falsch“. Geschmeidig greift er die Vorlage auf, um über den Dreh zu plaudern. Vier Wochen auf See, das ist kein Pappenstiel, es habe ihn bereits im Vorfeld schlaflose Nächte gekostet: „Ein Wolf Larsen kotzt nicht, auch nicht, wenn er oben in einem schwankenden Mast hängt und von unten ‚Cut!‘ hört – was ihm bewusst macht, dass er die 20 Meter wieder runter klettern muss“

Koch springt auf, demonstriert diesen Balanceakt und erinnert sich urplötzlich an seine Sportlerkarriere: Als deutscher Hochsprungmeister war er 1980 für die Olympischen Spiele in Moskau aufgestellt. Wegen des Boykotts wurde nichts daraus, den Bewegungsablauf kann Koch aber noch aus dem Effeff.

„Sexsymbol für intellektuelle Frauen soll er sein, sagt man“, versucht Schoog einen Vorstoß in ungesichertes Gelände, wird aber ausgebremst: „Don’t let us go into that“. Lieber spricht er über die Arbeit mit Steven Spielberg („Etwas Besonderes, wie eine Familie, in der wir etwas zusammen entwickeln. Man wird nicht als Marionette behandelt, die nur abliefert“) und Florian Henckel von Donnersmarck („Er wollte mich schon immer für seine Kurzfilme besetzen“), übers Scheitern („Etwas ganz Wertvolles, manchmal macht es ratlos, aber es ist auch eine Chance, um einen neuen Ansatz zu finden“), das Leben („Es ist zu kurz, um nur Dinge zu machen, weil sie gut laufen“) und Erfahrungen als Vater („Erziehung ist kein Spaziergang“).

Schoog will mehr über Hollywood und den Oscar erfahren: „Der große Durchbruch war ja ‚Das Leben der Anderen‘. Was für ein Gefühl war das, der ganze Rummel, das Drumherum, die Leute…“ Koch bleibt cool, erklärt, dass ein fantastisches Team (Ulrich Mühe, Martina Gedeck, Ulrich Tukur) mit kleinem Budget einen Film gemacht habe, weil sie das Buch großartig fanden, nicht weil sie einen Oscar wollten. „So ein Werk das bleibt. Das wünscht sich jeder Schauspieler“. Dass Faye Dunaway neben ihm saß und er gefragt wurde, ob sie seine neue Freundin sei, ist schmeichelhaft. „Tom Cruise die Hand zu schütteln und mit all den Hollywood-Größen zu sprechen, die völlig euphorisiert auf dich zukommen, klar ist das für jemand aus Obertürkheim toll“.