Heilbronn

ebm-papst-Gruppe zog Jahresbilanz Neue Geschäftsmodelle bringen dem Unternehmen Wachstumspotenziale / Herausforderungen warten

Umsatz auf Vorjahresniveau gehalten

Archivartikel

Mulfingen.Der Ventilatoren- und Elektromotorenhersteller ebm-papst, mit Stammsitz im hohenlohischen Mulfingen, schloss das Geschäftsjahr 2019/20 mit einem leichten Umsatzplus von 0,2 Prozent auf 2,188 Milliarden Euro ab. Das Ergebnis wurde am Mittwoch in einer Videokonferenz vom Vorsitzenden der Geschäftsführung, Stefan Brandl, bekanntgegeben. Brandl wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass das Familienunternehmen sich derzeit in einem schwierigen Marktumfeld bewege, das besonders durch Covid 19 und die allgemeinen konjunkturellen Eintrübungen – insbesondere des Industriegeschäftes – geprägt sei. Besonders vorteilhaft für die stabile Situation des Unternehmens wirke sich die Internationalisierungsstrategie „local for local“ in der Corona-Krise aus.

Auf Anfrage unserer Zeitung wurde betont, dass auch die ebm-papst-Gruppe das Instrument der Kurzarbeit zur Kapazitätsanpassung genutzt habe. Am Stammsitz Mulfingen wurde die Kurzarbeit im Juni beendet. Hier war im April und Mai die allgemeine Verwaltung mit zirka 1200 Mitarbeitern betroffen. Die Produktion dagegen arbeitete ohne Kurzarbeit.

Am Standort in Landshut sind Produktion und Verwaltung seit April in Kurzarbeit. Aktuell liegt die KUG-Quote dort bei 30 Prozent und betrifft 830 Mitarbeiter.

Bei ebm-papst St. Georgen liegt der KUG-Anteil bei zehn Prozent und betrifft im Schwerpunkt die Verwaltungsbereiche.

Schutz der Belegschaft

Zu Beginn der Corona-Pandemie stand bei ebm-papst der Schutz der gesamten Belegschaft und die Aufrechterhaltung des Betriebes im Vordergrund, hier insbesondere die Sicherung einer ausreichenden Liquidität. Mit vielen Maßnahmen wie Hygienefestlegungen, Corona-Testungen, Task Forces, Homeoffice, Kurzarbeit, Schichtentzerrungen oder Investitionsstopps sei dies bisher gut gelungen, wie Pressesprecher Hauke Hannig unterstrich. „Mit der notwendigen Vorsicht wollen wir nach und nach wieder zur Normalität zurückgelangen“.

Ob es zu personellen Einschnitten kommt, ist derzeit völlig offen, denn „die Krise ist noch lange nicht vorbei, auch nicht für ebm-papst“, so der Tenor aus der Geschäftsleitung.

„Nach den ersten beiden Monaten des Geschäftsjahres (April und Mai), mit knapp 25 Prozent Umsatzrückgang und einem Auftragseingang deutlich hinter Vorjahresniveau, sehen wir auch auf die Folgemonate mit großer Unsicherheit“, so Brandl. Daher sei es nötig, dass ebm-papst der Situation entsprechend auch Kapazitätsanpassungen vornimmt, wie es beispielsweise das Instrument der Kurzarbeit bietet.

„Im aktuellen Geschäftsjahr steuert ebm-papst auf Sicht und plant die personellen Strukturen anhand von unterschiedlichen Konjunktur-Szenarien der Geschäftsentwicklung“.

Investition in Forschung

Gleiches gilt für Investitionen, die abhängig von der konjunkturellen Entwicklung weltweit gesteuert werden. Das derzeit im Bau befindliche EMV Labor in Mulfingen wird wie geplant fertiggestellt.

Für den Bereich Forschung und Entwicklung stellt der Technologieführer rund 110,1 Millionen Euro bereit. Diese fließen unter anderem in die Weiterentwicklung auf den Gebieten Digitalisierung und IoT (Internet of Things) sowie Aerodynamik und Akustik.

Wie in der Pressekonferenz weiter betont wurde, will der Technologieführer von Ventilatoren- und Antriebslösungen, die Digitalisierung und seine Denkfabrik ebm-papst neo in Dortmund weiter ausbauen. Im April 2020 wurde dazu die Gesellschaft ebm-papst neo GmbH & Co. KG gegründet.

Das Ziel von ebm-papst neo ist es, digitale Lösungen zu vermarkten und zu vertreiben. Dazu gehören wegweisende Systeme zur intelligenten Datenanalyse, mit denen ebm-papst neo die Energiebilanz und Luftqualität in Gebäuden optimiert.

„Die Digitalisierung in Verbindung mit Energieeffizienz ist ein bedeutendes Zukunftsfeld für die ebm-papst Gruppe und ermöglicht uns viele Chancen“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Als Innovationstreiber von Luft- und Antriebslösungen entwickeln wir mit Hilfe von IoT- und Cloudtechnologien neue Geschäftsmodelle, die unserem Unternehmen neue Wachstumspotenziale ermöglichen und vor allem unseren Kunden einen Mehrwert bieten werden.“

Hierzu hat sich ebm-papst in den letzten Monaten an drei internationalen Start-ups beteiligt. Diese Partnerschaft ermöglicht einen schnellen Technologietransfer, beispielsweise bei den Themen „Verbesserung von Energiebilanz und Luftqualität in Gebäuden“ oder „intelligente Datenanalyse und -speicherung.“

Internationalisierungsstrategie

Auch die ebm-papst Internationalisierungsstrategie „local for local“ in den Regionen USA, China und Europa werde dem Unternehmen bei der Bewältigung der Covid-19-Krise helfen, ist sich Brandl sicher. Durch seine hohe Eigenständigkeit war es beispielsweise ebm-papst China möglich, bereits seit Mitte März mit voller Kapazität zu produzieren. Die „local for local“ Strategie wurde im vergangenen Geschäftsjahr durch die Fertigstellung des dritten Produktionsstandorts in Xi’An in China sowie die Inbetriebnahme des zweiten Standorts in den USA (Johnson City/Tennessee) weitergeführt. Im Bereich des Lieferantenmanagements soll „Multiple Sourcing“ zukünftig noch stärker berücksichtigt werden. Mit dem „local for local“ Ansatz können Risiken aus handelspolitischen Konflikten und Währungskursvolatilitäten reduziert werden. Die Anzahl der Stammbelegschaft blieb im vergangenen Geschäftsjahr stabil. Eine weltweite Reduzierung gab es bei den Leasingkräften mit minus 432. In Summe beschäftigt ebm-papst weltweit 14 638 Mitarbeiter inklusive Leasingkräfte (Vorjahr: 15 058).

Starke Belastung

In die Zukunft blickend unterstrich Stefan Brandl: „Die Konjunktur- und Corona-Krise wird uns mittelfristig stark belasten und uns viel abverlangen. Positiv sind daher die getroffenen Maßnahmen unserer Bundesregierung. Sie sind vorausschauend und ermöglichen die notwendigen Wirtschaftsimpulse, insbesondere auf den Zukunftsgebieten Digitalisierung und Klimatechnologie.“