Heilbronn

Atommüll Ein Großteil der Flächen des Main-Tauber- und des Neckar-Odenwald-Kreises liegt auf kristallinem Wirtsgestein

Potenzial für Atomendlager auch vor Ort

Archivartikel

Odenwald-Tauber.Die Standortentscheidung liegt gefühlt noch in weiter Ferne: Für 2031 ist sie terminiert. Doch wer die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um einen Endlagerstandort für hoch radioaktiven Müll für eine Million Jahre beobachtet hat, weiß, dass elf Jahre ein Wimpernschlag in dieser Geschichte sind. 90 Teilgebiete auf immerhin 54 Prozent des bundesdeutschen Territoriums hat die im niedersächsischen Peine beheimatete Bundesgesellschaft für Endlagerung ausgemacht, darunter auch eine riesige hellorangene Fläche auf der Karte, die sich – unterbrochen von etlichen kleineren Störungen – von Stuttgart im Südwesten über Coburg im nördlichen Franken bis nach Passau im Südosten zieht. Als großer weißer, für die Endlagerung nicht geeigneter Fleck, ist unübersehbar das Nördlinger Ries dargestellt.

Die Farbe Hellorange steht für „Kristallines Wirtsgestein“, die regionalgeologische Einheit, sprich der Strukturname, lautet im Main-Tauber- und im Neckar-Odenwald-Kreis „Saxothuringikum“. Zwar stelle der gerade veröffentlichte Zwischenbericht noch keine Vorentscheidung für ein mögliches Endlager dar, dennoch ist er Grundlage für eine weitere Eingrenzung.

In den Bereich kristallines Wirtsgestein fallen nahezu der komplette Main-Tauber-Kreis mit Ausnahme der Gemeinden Königheim und Großrinderfeld. Ausgeschlossen sind weiterhin Teile von Wittighausen und Messelhausen, Hof Marstadt, Löffelstelzen, die Hälfte der Kernstadt Bad Mergentheim, Buch, Dienstadt, Impfingen, nahezu die ganze Kernstadt Tauberbischofsheim, Werbachhausen, Wenkheim, Sonderriet, Nassig sowie der Großteil der Kernstadt von Freudenberg.

Im Neckar-Odenwald-Kreis liegen außerhalb des kristallinen Wirtsgesteins Ravenstein, Osterburken, Adelsheim, Seckach, Schefflenz, ein kleiner Teil der Kernstadt Buchen, Hollerbach, Oberneudorf, Waldstetten, Erfeld, Bretzingen und Gericht-stetten.

Demnach gibt es allein in den beiden Nachbarlandkreisen Main-Tauber und Neckar-Odenwald zahlreiche Gebiete, die im Verlauf des weiteren Verfahrens einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Charlotte Schneidewind-Hartnagel, Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen betont: „Die von der Bundesgesellschaft vorgestellten Teilgebiete basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht auf politischem Gutdünken.“

Das zuständige Bundesamt und die Bundesgesellschaft für Endlagerung müssten umfassend und transparent die Ergebnisse präsentieren und eine breite Diskussion darüber ermöglichen, forderte Charlotte Schneidewind-Hartnagel.

Als vollkommen kontraproduktiv bezeichnete es die Grünen-Politikerin, wenn schon jetzt Vertreter einzelner Regionen oder Bundesländer fordern, aus der weiteren Suche herausgehalten zu werden. „Das schürt unnötig Zweifel an dem zuverlässigen, wissenschaftlichen Suchverfahren“, zeigt sich die Bundestagsabgeordnete der Bündnisgrünen sicher.