Heilbronn

Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken 120 Referenten bei Konferenz der internationalen Triz-Association

Mekka internationaler Entwickler

Heilbronn.Die Elite der weltbesten Entwickler traf sich von Mittwoch bis Samstag in den Räumen der IHK Heilbronn-Franken zum Triz-Kongress 2019. Nach drei deutschen Anwendertagen in den Jahren 2008, 2016 und 2018 konnte die Kammer nun den internationalen Kongress für die Triz-Community in die Region holen. 120 Referenten aus Prag, Seoul, Peking, Krakau, Lissabon, aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus Heilbronn, Harthausen und Crailsheim, deren Namen sich auf weit über 1000 Patenten finden, tauschten an vier Tagen ihre Erfahrungen aus. Damit rückt die Triz-Anwenderregion Nummer eins in Deutschland in den internationalen Fokus.

Wissen und Erfahrung

„Wenn gute Ideen alleine vom langen Duschen kommen, müssten die Entwicklungsabteilungen voll mit Duschen sein“, so Kai Plambeck, Referent für Industrie und Innovation bei der IHK. Dies sei nicht der Fall. Viel Wissen und Erfahrung könne zu guten Lösungen führen. Triz, die Theorie der innovativen Problemlösungen, biete ein systematisches Vorgehen, um zielgerichtet, kreativ und innovativ zu sein.

Vor allem sei Triz gut geeignet, um technische Kompromisse nicht zu optimieren, sondern um den Widerspruch zu lösen.

Hinter dem Begriff Triz verbirgt ich ein Methodenkasten, um radikale technische Innovationen systematisch zu erarbeiten. In vielen Technologiekonzernen, wie zum Beispiel Samsung, gehört diese Methode zum alltäglichen Handwerkszeug. Dabei beinhaltet die Systematik eine Vielzahl von Tools für verschiedene Aufgaben und hilft, eingefahrene Denkmuster zu durchbrechen und neue Lösungswege zu finden. Dabei wird die Kreativität systematisch und strukturiert gelenkt und angeregt. Triz beruht auf der Untersuchung von über 200 000 Patenten und der Ableitung von Prinzipien. Triz wird auch in Entwicklungsabteilungen in der Region angewendet, wo etwa die Wittenstein SE mit einer Triz-Entwicklung den Hermes Award, den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft und die Dieselmedaille gewonnen hat sowie zu den besten des Deutschen Zukunftspreises 2018 gehörte. Thomas Bayer, Leiter der Entwicklungsabteilung bei Wittenstein, stellte in seinem Vortrag den Kongressteilnehmern das neue Galaxieantriebssystem als eine neue Getriebegattung vor. Es ist ein völlig neues Konzept und eine radikale Innovation, welche mit der Triz-Methode entwickelt wurde. Dabei wurde unter anderem ein Zahnrad in einzelne Zähne zerlegt. Dahinter steht ein Grundprinzip der Triz, die „Segmentierung“. Durch das neue Prinzip kann das Galaxieantriebssystem bei halber Größe die gleichen Leistungsdaten abrufen beziehungsweise teilweise wesentlich bessere Leistungsdaten erzielen.

Prozessschritte eingespart

Michael Graf, von der Firma Schubert Packaging Systems GmbH aus Crailsheim, erklärte an einem weiteren Beispiel die Problemstellung und Vorgehensweise bei der Entwicklung einer sehr großen Verpackungsanlage, bei der im Prinzip auf der einen Seite Rohzutaten angeliefert werden und auf der anderen Seite fertige Kekspackungen herauskommen.

Eine Aufgabe war hier, dass die Schokolade in den Keksen warm sein muss, damit diese sich gut mit dem Teig verbinden und gleichzeitig kalt sein muss, damit die Förderstraße und Maschinen nicht verkleben. Hier werden in der gängigen Praxis oft die Parameter optimiert. Man macht die Schokolade also gerade noch so heiß, dass diese eben nicht verklebt. Mit Triz versuchte man nicht, den Kompromiss zu optimieren, sondern das Problem zu lösen. Durch die Anwendung von Triz konnte die Produktivität wesentlich erhöht und das Problem eliminiert werden. Gleichzeitig hat man einige Prozessschritte eingespart.

Die Kongressteilnehmer widmeten sich in verschiedenen Workshops auch der Frage, wie man systematisch Patente mit Triz verbessert, Kundenwünsche identifiziert oder aus eingefahrenen Denkmustern ausbricht. Auch über die Weiterentwicklung von Triz wurde gesprochen. Um innovativ zu sein und erfolgreich Probleme zu lösen, benötigt man neben dem reinen Wissen vor allem kreative und kritische Denkweisen.

Diese Kompetenzen kommen im regulären Schul- und Studienbetrieb oft zu kurz. Deshalb beschäftigte sich der Kongress auch mit dem Thema Triz-Pädagogik, bei dem Best-Practice-Beispiele vorgestellt wurden und ein internationaler Austausch zum Thema stattfand.

In der Sitzung diskutierten führende Entwickler und Praktiker der Triz-Pädagogik moderne Methoden zur Entwicklung einer kreativen und kritischen Denkfähigkeit von Grundschülern, Schülern und Studenten. Die Vorgehensweise kann dabei durchaus auch für Ausbildungsbetreuer interessant sein.