Heidelberg

Universitätsklinik Neubau ist fertig gestellt / 210 Millionen Euro Gesamtbaukosten / Strahlkraft über die Region hinaus

„Freuen uns auf moderne Chirurgie“

Archivartikel

Heidelberg.Mit rund 210 Millionen Euro Gesamtbaukosten war der Neubau der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg in den vergangenen sechs Jahren die größte Baumaßnahme sowohl des Landes Baden-Württemberg als auch des Universitätsklinikums, das über die Hälfte der Baukosten trägt. Nun ist das Gebäude mit rund 21 000 Quadratmetern Nutzfläche, 16 Operationssälen, 313 Betten und eigener Hubschrauberlandeplattform fertig gestellt. Am 10. Oktober findet der Umzug mit Patienten statt. Notfall-Patienten werden ab dem Tag bereits in der neuen Chirurgie versorgt. Der komplette Betrieb mit stationärer und ambulanter Versorgung startet am Montag, 12. Oktober. Rund 1500 Mitarbeiter ziehen in den Neubau um. Eine feierliche Übergabe des Neubaus durch die Ministerien für Finanzen sowie Wissenschaft, Forschung und Kunst und das Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg wird mit einer virtuellen Veranstaltung am 9. November stattfinden.

Modernste Medizintechnik

Finanzministerin Edith Sitzmann: „Patientinnen und Patienten sollen erstklassig versorgt werden, deshalb baut das Land die Hochschulmedizin an den Klinikstandorten aus. Mit der neuen Chirurgie in Heidelberg ist eine hochkomplexe Versorgungseinheit mit modernster Medizintechnik und technischer Ausstattung sowie großem Labortrakt für klinisch integrierte Forschung entstanden. Ich bin überzeugt, dass das Baden-Württemberg als eine der innovativsten und führenden Regionen Europas ein weiteres Stück voranbringen wird. Wenn Forschung und Versorgung eng beisammen sind wie in Heidelberg, kommt das Wissen zielgerichtet dort an, wo es gebraucht wird: bei den Patientinnen und Patienten.“

Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, erinnert daran, dass die Chirurgische Universitätsklinik in ihrer Geschichte schon immer wichtige Impulse für national wegweisende Entwicklungen gegeben habe: „Dem Medizinstandort Heidelberg ist mit dem Neubau eine weitere Komponente hinzugefügt worden, um seine Strahlkraft weit über die regionalen und nationalen Grenzen hinaus zu entwickeln. Es entsteht ein Leuchtturm, der die Translation beschleunigen, neue Therapiemöglichkeiten schaffen und einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Hochschulmedizin in Heidelberg leisten wird.“

Professor Dr. Ingo Autenrieth, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Heidelberg, bedankte sich bei den großzügigen Sponsoren der Region, die die Grundausstattung der neuen Klinik an entscheidender Stelle unterstützten: „Diese Klinik verkörpert auf ideale Weise den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Engagement unserer Förderer.“ Unter anderem unterstützte die Dietmar Hopp Stiftung besonders zukunftsweisende Bereiche der neuen Klinik – wie den zentralen Schockraum mit angeschlossenem „Fast-Track-Computertomographen“, die Ausstattung der beiden Hybrid-OPs, die Digitalisierung aller 16 Operationssäle sowie innovative Geräte der radiologischen Diagnostik – mit einer Spende in Höhe von 13,1 Millionen Euro.

„Der Neubau zwischen Medizinischer Klinik sowie Frauen- und Hautklinik ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Vollendung des 1987 begonnenen Heidelberger Klinikrings – es fehlt noch die in Schlierbach angesiedelte Orthopädische Klinik“, sagt Katrin Erk, Kaufmännische Direktorin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Heidelberg. „Diese einmalige Ringstruktur ermöglicht eine Patientenversorgung der kurzen Wege und fruchtbaren Austausch in Klinik, Forschung und Lehre.“ Auf technischer Ebene im Untergrund, mit Leitungen für die Kälte- und Wärmeversorgung, das Schienennetz der Automatischen-Waren-Transportanlage (AWT) oder Rohre für die Ver- und Entsorgung, ist der Klinikring nun geschlossen. Der Neubau wird die Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Herzchirurgie, Gefäßchirurgie, Urologie, Anästhesiologie und Radiologie beherbergen.

Die „neue“ Chirurgie setzt europaweit Maßstäbe, insbesondere, was die technische Ausstattung anbelangt. „Moderne Medizintechnik, neue Softwarelösungen, digitale Vernetzung und die durchdachte Infrastruktur werden eine Patientenversorgung und professionelle Arbeitsabläufe auf höchstem Niveau ermöglichen und viele Verbesserungen für unsere Patienten und Mitarbeiter mit sich bringen“, so der neue Hausherr Prof. Dr. Markus Büchler. „Wir freuen uns auf unsere neue, moderne Chirurgie!“ Diese stehe auf den Schultern großer Heidelberger Pioniere, brauche aber auch aktuelle Visionäre. „Damit ist ihr eine große Zukunft voraussagbar!“

Bernd Müller, Leitender Baudirektor, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, lobt insbesondere die gute und fruchtbare Zusammenarbeit mit den Planungsteams des Universitätsklinikums: „Eine chirurgische Klinik dieser Größenordnung ist ein ausgesprochen komplexes Bau- und Planungsvorhaben, die Ansprüche der verschiedenen Nutzer – von den Patienten, über Ärzte und Pflegekräften bis hin zu den Technikern – in Einklang zu bringen ist eine enorme Herausforderung, die alle gemeinsam hervorragend gemeistert haben.“

16 Operationssäle

Kernstück des Neubaus ist der Operationstrakt mit 16 OP-Sälen, die digital in die Medizin- und lT-Landschaft der Klinik eingebettet sein werden. Sechs OP-Säle sind zusätzlich mit integrierten Endoskopiesystemen und zwei OPs als Hybrid-OP mit robotergestütztem Angiographiesystem ausgestattet. Außerdem wird es einen ambulanten OP-Bereich geben, eine Tagesklinik, eine Radiologische Funktionsdiagnostik sowie Ambulanzen.

Von zentraler Bedeutung für das Gesamtklinikum ist die Hubschrauberlandeplattform auf dem Dach. Sie gewährleistet, dass Patienten schnellstmöglich und ohne Zeitverlust zu ihrem Bestimmungsort innerhalb des Klinikrings gebracht werden können. Für Forschung und Lehre stehen auf rund 900 Quadratmetern Fläche ein neuer Hörsaal mit 196 Plätzen sowie sieben Seminarräume zur Verfügung. Im Bettenhaus sind neben den fünf Normalpflegestationen mit jeweils 36 Betten zwei Intensiv- und zwei Intermediate-Care-Stationen mit je maximal 28 Betten sowie eine Wahlleistungsstation mit 21 Betten untergebracht.

Rund 6000 medizintechnische Geräte kommen zum Einsatz, die meisten wurden neu angeschafft. In den neuen, zentral gelegenen und an den OP-Bereich angeschlossenen Schockraum werden wichtige Informationen zu den Notfallpatienten direkt vom Rettungsdienst übertragen, zentral erfasst und stetig aktualisiert an Großbildschirmen angezeigt. Ein „Fast-Track-Computertomograph (CT)“ ist hier integriert. In den beiden Hybrid-OP-Säle kann sowohl offen als auch minimal-invasiv über die Gefäße operiert werden. Der OP-Trakt ist vollständig digitalisiert und vernetzt, robotergestützte Bildgebungsverfahren und ein 3-Tesla Magnetresonanztomograph (MRT) stehen zur Verfügung.

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