Hardheim

Ein Blick in die Geschichte Das Schulleben in früheren Zeiten unter die Lupe genommen

„Vom armen Dorfschulmeisterlein“ war prägend

Archivartikel

Hardheim.Diese Woche enden die Schulferien in Baden-Württemberg, weshalb sich ein Blick in die Geschichte des Schulwesens in Deutschland lohnt.

So war nur für eine reiche und eine privilegierte Minderheit bis zum 17. Jahrhundert ein Schulbesuch, vor allem in Kloster- und Lateinschulen beziehungsweise durch Privatunterricht, möglich gewesen.

Im Zuge der Reformation führten die Landesfürsten nach und nach die Schulpflicht ein und erließen Schulordnungen, die sich jedoch stark an den Vorstellungen der Kirche ausrichteten.

Nach der Reichsgründung 1871 löste der säkularisierte Staat die Kirchen als wichtigsten Träger von Bildungseinrichtungen ab, was zum sogenannten Kulturkampf führte. Insbesondere im katholischen Teil Badens und in unserem Raum führte dies zu Konflikten zwischen katholischer Kirche und dem Staat.

Durch die Aufsicht des Staates über das Schulwesen entstand eine handlungsfähige Bildungsverwaltung mit einer einheitlichen Qualität: Lehrkräfte wurden professionell ausgebildet, variable Lerninhalte wurden durch verbindliche Lehrpläne ersetzt, studieren durfte nur noch, wer ein Abitur vorweisen konnte.

So entstand aus einem Wirrwarr von unverbundenen höheren und niederen Schulen, Universitäten, Fach- und Gewerbeschulen zum Ende des 19. Jahrhunderts ein zusammenhängendes System, das in seinen Grundzügen bis heute erhalten geblieben ist.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand das Gedicht „vom armen Dorfschulmeisterlein“ des Lehrers Samuel Friedrich Sauter (1766-1846) aus Flehingen in Baden, welches das schwierige Auskommen der Dorfschullehrer zum Inhalt hatte. Auch in den Zeiten des Kulturkampfes standen die Lehrer und deren Einfluss im Gemeindeleben im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen.

Weitere Veränderungen und schulpolitische Neuerung waren in der Weimarer Republik die in der Kaiserzeit entstandenen Mittelschulen systematisch in das Schulsystem einzugliedern.

Auch in der Schulgeschichte bildete die Zeit des Dritten Reichs ein dunkles Kapitel, denn bereits wenige Wochen nach der Machtübernahme 1933 hielt die rassistische und antijüdische Ideologie der Nationalsozialisten Einzug in das deutsche Schulwesen.

Jüdische Kinder ausgeschlossen

Ab 1938 wurden jüdische Kinder gänzlich aus deutschen Schulen ausgeschlossen. 1942 wurde die Schließung der jüdischen Schulen angeordnet. Im Wege der Gleichschaltungspolitik wurden die liberalen und demokratischen Beamten aus dem Schulsystem und den Schulbehörden entfernt. Linientreue Lehrkräfte sorgten für die Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankenguts. Insbesondere die sogenannten Sonderschulen dienten dazu, Kindern mit Lernschwierigkeiten auszusondern. Diese liefen Gefahr, in die Fänge der nationalsozialistischen Euthanasieprogramme zu geraten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Bundesrepublik das Bildungswesen der Weimarer Republik restauriert und in den Folgejahren den aktuellen Gegebenheiten angepasst.