Hardheim

Nach 80 Jahren Die Abteilung Bretzingen der Freiwilligen Feuerwehr Hardheim wurde aufgelöst / Mehrere Aktive wechseln zur Abteilungswehr Erfeld

„Viele Indianer, aber keine Häuptlinge“

Bretzingen.Die Generalversammlung einer Feuerwehrabteilung ist eigentlich ein freudiger Anlass. Man lässt das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren, verdiente Mitglieder werden ausgezeichnet oder befördert und die Marschrichtung für das kommende Jahr festgelegt.

All das war auch Bestandteil der Generalversammlung der Feuerwehrabteilung Bretzingen, die am Samstag nach einem Gottesdienst für die verstorbenen und lebenden Angehörigen im Gasthaus „Zum Schwarzen Adler“ stattfand. Einen „Schönheitsfehler“ hatte der Abend dennoch: Die Abteilung wurde aufgelöst.

Abteilungskommandant Nicolas Hotz begrüßte neben den Floriansjüngern auch Bürgermeister Volker Rohm, den stellvertretenden Ortsvorsteher Stephan Haberkorn, Pfarrer Andreas Rapp, Kreisbrandmeister Jörg Kirschenlohr sowie Feuerwehrkommandant Michael Seyfried mit seinen Stellvertretern und die Abteilungskommandanten aus Hardheim und Erfeld.

Im Anschluss rekapitulierte er das abgelaufene Berichtsjahr, in dem eigentlich das 80-jährige Bestehen der Abteilung begangen werden sollte, aber niemandem wirklich zum Feiern zumute gewesen sei.

Neben einem Pkw-Brand, einem Zimmerbrand und einer Personensuche galt es auch eine Ölspur zu entfernen. Der letzte Einsatz der Abteilung stellte sich als Täuschungsalarm heraus.

Über die rege Tätigkeit der Wehrmänner und des Ausschusses legte Schriftführer Simon Hollerbach Bericht ab. Kassenwart Sebastian Hollerbach referierte über die Finanzen der Abteilung.

Im Anschluss erhielten die Oberfeuerwehrmänner Thomas Löhr und Martin Thoma als Anerkennung für 40 Jahre aktiven Dienst das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold des Landes Baden-Württemberg aus den Händen von Kreisbrandmeister Jörg Kirschenlohr.

Der Entschluss, die 30 Aktive umfassende Abteilung aufzulösen, sei innerhalb der letzten eineinhalb Jahren aufgrund verschiedener Faktoren gefasst worden, so Abteilungskommandant Hotz.

So seien er und der stellvertretende Kommandant Jochen Löhr aus familiären, beziehungsweise beruflichen Gründen aus Bretzingen weggezogen. Es habe sich niemand gefunden, der die Verantwortung der Abteilungsleitung übernehmen wollte.

Auch die Demografie der Abteilung, in den kommenden fünf Jahren wäre ein Drittel der Wehrmänner aus dem aktiven Dienst in die Altersabteilung gewechselt, ohne große Hoffnung auf Nachwuchs, und die Tatsache, dass Schichtarbeit und teilweise weit entfernte Arbeitsplätze ein Erreichen der notwendigen Tagesstärke immer schwieriger gestalteten, hätten mit zur Entscheidung beigetragen.

Nach Gesprächen mit der Feuerwehrführung und der Abteilung Erfeld sowie der Befragung der eigenen Mitglieder habe sich dann das Folgende ergeben: Nach der Auflösung der Abteilung Bretzingen werden 18 Aktive zur Abteilung Erfeld wechseln, die dann für den Bereich Bretzingen und Erfeld verantwortlich ist. Ein Mitglied wechselt nach Hardheim und einige Kameraden, die bald ihr 65. Lebensjahr erreichen, wechseln vorzeitig in die Altersabteilung. Die restlichen Mitglieder haben sich entschlossen, den Dienst bei der Feuerwehr zu beenden.

Arbeit in guter Erinnerung behalten

„Die Auflösung der Abteilung Bretzingen ist eine Entscheidung, über die in der Hardheimer Gemeindeverwaltung und Feuerwehr niemand glücklich ist“, eröffnete Bürgermeister Volker Rohm sein Grußwort. Die vergangenen Gespräche hätten gezeigt, dass es in der Bretzinger Wehr „an Häuptlingen, aber nicht an Indianern“ mangelte. Es stimme ihn zuversichtlich, dass ein Großteil der Wehrmänner an anderem Ort ihr Ehrenamt weiter ausübe. Er wünschte sich auch, dass man sich nicht in Schuldzuweisungen ergehen, sondern die in 80 Jahren geleistete Arbeit in guter Erinnerung behalten solle und bedankte sich bei allen Feuerwehrangehörigen für ihre geleisteten Dienste.

Kreisbrandmeister Kirschenlohr bedauerte es sehr, dass er es in seiner bisherigen Amtszeit in diesem Jahr zum ersten und nun leider auch zum letzten Mal nach Bretzingen geschafft habe. Die Auflösung der Feuerwehrabteilung sei in einem ansonsten recht normalen Einsatzjahr im Landkreis ein Tiefpunkt. Dennoch sicherte er allen Anwesenden die Unterstützung für die Zukunft zu. In ähnlicher Weise äußerte sich auch Feuerwehrkommandant Michael Seyfried. Neben dem Aufwuchs der Kaserne in Hardheim habe auch die Auflösung der Abteilung Bretzingen große Auswirkungen auf die Planungen. So sei nun Erfeld die größte Abteilung der Hardheimer Wehr, was dazu führe, dass hier nun ein größeres Fahrzeug (MLF) angeschafft werde. Eine weitere Herausforderung werde in den nächsten Jahren die Umstellung auf Digitalfunk sein.

Für die Ehrenkommandanten überbrachte James Bachmann Grüße. Er sei mit vielen Bretzinger Feuerwehrleuten verbunden, da er ihr Ausbilder war.

Der Vorsitzende der Musikkapelle, Gerald Farrenkopf, erinnerte noch einmal an die gemeinsame Zeit von Musikkapelle und Feuerwehr und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit. Arnold Horn lud die Bretzinger Kameraden zur Jahreshauptversammlung der Abteilung Erfeld im Januar ein.

Zum Abschluss erhielten die Feuerwehrleute noch ein Erinnerungsfoto, bevor man die letzten Stunden der Abteilung in gemütlichem Beisammensein verbrachte.