Hardheim

Leserbrief Zur Aufstellung des Panzerbataillons 363 in der Carl-Schurz-Kaserne in Hardheim

„Panzer hurra!“ Wirklich?

„Panzer hurra!“ So schallt es nun also über Hardheims Höhen und beinahe im Wochentakt durch den hiesigen Blätterwald. Euphorisch tönt der Ruf durch die Grußworte unserer Mandatsträger, die sich in Superlativen zu übertreffen suchen.

Gänsehaut-Feeling bekundet der eine angesichts röhrender Leopard 2-Panzer. Zum Stückpreis von hundert Mittelklasse-Pkw lösen sie selbiges allerdings aufgrund mangelnder Feuerkraft im internationalen Vergleich nurmehr bedingt aus.

Einem Siebener im Lotto komme die Wiederbelebung der Carl-Schurz-Kaserne für militärische Zwecke gleich, wird ein anderer nicht müde zu jubilieren. Wie wäre dann, so lässt sich fragen, erst die Ansiedlung eines Forschungszentrums für alternative Antriebe oder einer Tesla-Fabrik zu bezeichnen, die andere strukturschwache Regionen an Land ziehen konnten?

Ein Dritter versteigt sich gar zu der wilhelminischen Geist atmenden Formulierung, wonach unser Landkreis stolz und dankbar sei, der Bundeswehr dienen zu dürfen. In ähnliche Richtung geht wohl auch die im Kreistag ohne Gegenstimme beschlossene offizielle Patenschaft; wohlgemerkt für erwachsene Menschen, die aus freien Stücken entschieden haben, das Kriegshandwerk zu ihrem Beruf zu machen.

Wieso findet sich niemand aus Politik oder Presse, der sein Bedauern darüber ausdrückt, dass 30 Jahre nach der Wiedervereinigung nichts mehr übrig ist vom Traum eines freien Europas vom Atlantik bis zum Ural, wie ihn doch gerade die konservative Ikone Helmut Kohl verkörpert hat? Wieso scheint es wieder normal, dass Milliardensummen an Steuergeldern in den militärischen Bereich fließen, der wie kaum ein anderer für Misswirtschaft, Skandale und rechtsextreme Tendenzen steht?

Wieso merkt niemand an, dass sich allein mit den für die Instandsetzung von Hardheim aufgerufenen 70 Millionen Euro der Bestand der Neckar-Odenwald-Kliniken für ein Jahrzehnt sichern ließe? „Panzer hurra!“ Wirklich?