Hardheim

Leserbrief Zu „Von ursprünglich 46 Betten gibt es nun nur noch 29“

„Marodes, auf Gewinn abzielendes System“

Archivartikel

Zu diesem interessanten Artikel darf ich anmerken, dass meine Mutter in einem anderen Pflegeheim in Hardheim untergebracht ist. Sie bewohnt ein geräumiges Einzelzimmer mit Nasszelle.

Die Möbel wirken unfreundlich, die Schranktüren klemmen, schließen nicht richtig. Es gibt weder einen separaten Gemeinschaftsraum noch einen separaten Speiseraum. Letzterer liegt in der Nähe der Toiletten. Entsprechende Gerüche sind damit inklusive.

Meine Mutter hat immer gespart und ist daher Selbstzahlerin. Bei ihrem Einzug im Januar 2017 betrug ihr Eigenanteil 1836,70 Euro/Monat.

Im Januar 2018 betrug der Eigenanteil 1991,11 Euro und ab Januar 2019 dann 2194,32 Euro. Im November 2019 erhöhte sich die bisherige monatliche Investitionszulage um 82,44 Euro auf nun 599,58 Euro. Grund war der Wegfall von drei Heimplätzen aufgrund der Umsetzung der behördlichen Vorgaben, wie von Herrn Busch im Artikel geschildert. Die zu erwartende allgemeine Erhöhung für 2020 steht noch aus.

Zu den genannten Kosten kommen nochmals monatlich 20,70 Euro für Telefon und TV-Anschluss hinzu. Zuzahlungen für Medikamente, Hygieneartikel, Friseur, persönliche Belange usw. sind noch nicht eingerechnet.

Der Pflegekassenanteil ist eingefroren, sämtliche Erhöhungen sind immer alleine vom Heimbewohner zu tragen.

Werden die vom Herrn Gesundheitsminister Spahn geforderten Verbesserungen (mehr Pflegekräfte/ bessere Bezahlung) umgesetzt, sind die Mehrkosten mit Sicherheit wieder vom Heimbewohner alleine zu stemmen.

Dass Investitionskosten nicht gleichmäßig auf alle Heimbewohner verteilt werden (der Selbstzahler bezahlt mehr) ist gesetzlich legal und sei hier nur am Rande erwähnt.

Es wird weiterhin ein Traum von Herrn Busch bleiben: Politiker werden sich nie „richtig“ mit Heimbewohnern, Angehörigen oder dem Personal unterhalten, wobei viele Heimbewohner aufgrund ihres Gesundheitszustandes die Situation nicht mehr erfassen können und die Pflegekräfte sich aus Angst vor Konsequenzen ebenfalls zurück halten würden.

Ich habe die Thematik schriftlich dem Bundesgesundheitsministerium vorgetragen. Im „Stammtischjargon“ würde man die Antwort als „inhaltloses Politikergeschwätz“ bezeichnen.

Zum Abschluss: Meine Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen das Personal. sondern gegen das System „Pflege“ an sich, wobei aufgrund fehlender Alternativen den Betroffenen keine andere Möglichkeit bleibt als dieses marode, nur auf Gewinn abzielende System, zu akzeptieren.