Hardheim

Rückkehr wohl Ende des Jahres Bischof Meinrad Francisco Merkel aus Erfeld wirkt seit 1972 in Brasilien

Kontakt in die Heimat ist nie abgerissen

Archivartikel

Vom beschaulichen Erftal ins pulsierende Brasilien: So lässt sich in wenigen Schlagworten die Vita von Bischof Meinrad Francisco Merkel beschreiben.

Erfeld. Über zwei Jahrzehnte hinweg wirkte der 1944 als jüngstes von neun Kindern in Hardheim geborene und in Erfeld aufgewachsene Merkel als Bischof im brasilianischen Humaità. Mit 76 Jahren reichte er im Sommer aus Altersgründen sein Rücktrittsgesuch im Vatikan ein und kehrt voraussichtlich Ende des Jahres nach Deutschland zurück.

Merkel, der 1971 zum Priester geweiht wurde und seit 1972 an verschiedenen Einsatzorten in Brasilien unter anderem als Missionar und Pfarrseelsorger gewirkt hatte, blickt nun auf eine spannende Zeit seines Lebens zurück.

Nachdem er am 26. Juli 2000 durch Papst Johannes Paul II. seine Ernennung erhalten hatte, war Meinrad Francisco Merkel am 15. Oktober 2000 zum vierten Bischof jener drei Pfarreien umfassenden Diözese im Süden des brasilianischen Bundesstaats Amazonas geweiht worden. Das Gebiet entspricht in etwa der Fläche, auf welche die beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg hochgerechnet kommen.

Zu den vornehmsten Aufgaben des Spiritaners gehörte es, das Spektrum der pastoralen Dienste innerhalb der Diözese zu erweitern: Darunter fielen unter anderem die Einrichtung der Gefängnisseelsorge, Priesterweihen mit einheimischem Nachwuchs, die Weihe von 14 Ständigen Diakonen, der Aufbau vieler neuer Gemeinden mit Pfarrheimen und Kapellen sowie die Gründung eines Zentrums für Drogenabhängige.

Ökumenisches Miteinander

Großen Wert legte Merkel auch auf die ökologische Sensibilisierung der Brasilianer und die Zusammenarbeit mit Freikirchen im Sinne eines ökumenischen Miteinanders sowie den kritischen Dialog im öffentlichen und politischen Bereich der Gesellschaft.

Den Kontakt in die Heimat hielt er wie sein 2017 verstorbener Bruder Carl Merkel, der als Professor für Psychologie an der Katholischen Universität im oberbayerischen Eichstätt auf andere Weise den Glauben gelebt und gelehrt hatte, dauerhaft. So feierte der aufgrund seiner freundlichen, bescheidenen Art geschätzte Bischof Meinrad Francisco Merkel während seiner regelmäßigen Heimatbesuche regelmäßig Heilige Messen mit den Erfeldern – zuletzt im Sommer 2017 an der Ölbergkapelle – und wurde von der Aktion „Spenden statt Karten“ turnusmäßig mit finanziellen Zuwendungen unterstützt.

Mehrfach hatte ihn sein Bruder auf diesen Fahrten begleitet; im Sommer 2013 fand eine vielbeachtete Gesprächsrunde im Hardheimer Pfarrheim statt, auf der er sich über die lebendige, stark von der iberischen Seele geprägte Volksreligiosität der Brasilianer und die Unterschiede im Vergleich zu Deutschland geäußert hatte. Seinerzeit hatte er auch bereits anklingen lassen, „sich langsam Gedanken über das Leben nach seiner Zeit als Bischof zu machen“. Diese Zeit bricht nun für ihn an und wird wohl die Rückkehr nach Deutschland vorsehen. Dabei gibt es freilich eine erfreuliche Randnotiz: Während Bischof Meinrad Francisco Merkel Humaità im Jahre 2000 aus einer zweijährigen Vakanzzeit „erlöst“ hatte, wird es dieses Mal einen fliegenden Wechsel geben.