Hardheim

Nabu-Ortsgruppe Hardheim Vorsitzender Bernhard Heß gibt Gartenbesitzern Tipps / Efeuhecken als beliebte Nahrungsquellen im Spätherbst

Insekten sammeln Reserven für das nächste Jahr

Archivartikel

Schweinberg.Als Friedbert Stolz vor rund einem halben Jahrhundert seine Efeuhecke gepflanzt hatte, war die Wahl des Standorts an seiner Schweinberger Halle eher unter zweckdienlichen Gesichtspunkten gefallen. Jetzt hingegen erweist sie sich vor allem im Sinne der Tierwelt als besonders gut gewählter Platz: Zahlreiche Insekten ziehen dort gegenwärtig ihre Kreise – angesichts der späten Jahreszeit kurz vor dem Winter ein bemerkenswerter Fakt.

„Ich sehe hier vor allem Wild- und Honigbienen“, betont der Landwirt und spricht von einer „bisher so noch nicht da gewesenen Situation“. Zwar habe er „im Grunde genommen jedes Jahr“ solche Beobachtungen getätigt, aber noch nicht im November: „Die Insekten machen dort jedes Jahr ihren Abschluss“, merkt er an. Zu begründen sei die hohe Fluktuation der Tiere mit der sonnendurchfluteten und zugleich windgeschützten Westseiten-Lage der Efeuhecke.

Dass gerade Efeu „im Herbst eine tolle Nahrung für Insekten ist“, weiß auch Bernhard Heß zu bestätigen. Der Vorsitzende der Nabu-Gruppe Hardheim erklärt, dass die Tiere „Reserven für das nächste Jahr sammeln müssen“ und neben dem Efeu auch Pflanzen wie die Zaubernuss dahingehend von großer Bedeutung seien.

Möglichst viel stehenlassen

In diesem Zusammenhang lässt sich ebenso das heuer ungewöhnlich späte Fallen der herbstbunten Blätter begründen: „Aufgrund der Trockenheit im Sommer wussten die Pflanzen und Bäume frühzeitig, dass sie gewisse Reserven für das neue Jahr benötigen und können durch Regen nochmals Photosynthese betreiben“, betont er.

Aus diesem Grund hatte auch beispielsweise die Sauerkirsche vielerorts bis in den Oktober Blätter getragen, obwohl sie meist bereits Ende August kahl ist. „Einzig der jetzt allmählich aufkommende Frost unterbindet die Photosynthese dann doch“, informiert Heß. Für ihn sind die Insekten an Friedbert Stolz’ Efeuhecke „eine logische Folge der Temperaturen“.

„Viele der Wildbienen und Hummeln, die man jetzt noch sieht, dürften im Gegensatz zu den Honigbienen Königinnen sein. Nur sie überleben den Winter und gründen im nächsten Frühjahr einen neuen Staat. Manche legen Eier in Hohlräume, die etwa als Bohrlöcher in Insektenhotels oder Baumscheiben angeboten werden können“, erklärt er.

Schmetterlinge hingegen überwintern nur bei wenigen Arten als fertig entwickelter Falter: „Über 90 Prozent überwintern als Ei, Raupe oder Puppe, teilweise an abgestorbenen Futterpflanzen. Deshalb ist es wichtig, nicht alles über den Winter abzumähen oder zu mulchen. Gerade in Schutzgebieten sollte die Möglichkeit genutzt werden, dass zwei Drittel der Flächen stehen bleiben und ein Drittel im Dreijahresrhythmus gemäht wird“, so Heß.

Im Sinne des Insektenschutzes und des ökologischen Gleichgewichts rät er den Gartenbesitzern dazu, möglichst vieles über den Winter im Garten stehenzulassen. So sei bereits ein kleiner Reisig- oder Laubhaufen ein ideales Refugium für einen Igel. „Weiterhin macht es Sinn, Beerenträger wie Schlehen, Hagebutten oder Feuerdorn anzupflanzen. Da haben die Vögel was zum Naschen“, verrät er abschließend.