Hardheim

Festakt im Schloss Borbeck 50-jähriges Bestehen der Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen gefeiert / Biografie über Hardheimer Raumfahrtpionier vorgestellt

Hohmanns Briefe aktueller denn je

Archivartikel

Beim Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen ist eine Biografie über den Hardheimer Weltraumpionier vorgestellt worden.

Essen/Hardheim. In Essen ist am Wochenende das 50-jährige Bestehen der Walter-Hohmann-Sternwarte in Verbindung mit dem 50. Jahrestag der Mondlandung gefeiert worden. Der Festakt fand im Residenzsaal von Schloss Borbeck statt. Viel Prominenz, darunter der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Thomas Kufen, Bezirksbürgermeister Gerhard Barnscheidt und die beiden Hohmann-Enkel, Dr. Hasso und Dr. Volker Hohmann aus Graz und Berlin waren bei der Festveranstaltung anwesend.

In ihrer Begrüßung hob die Vorsitzende des Vereins „Walter-Hohmann-Sternwarte Essen“, Claudia Henkel, besonders das Projekt „Sterne funkeln für jeden“ hervor. Mit diesem Projekt hat die Sternwarte viele Essener Schulen, und dort insbesondere Kinder mit Handicap, mit Teleskopen und Lehrmaterial ausgestattet, um das Interesse für die Astronomie zu wecken. Außerdem erhielten auch eine deutsche Schule in Dänemark und zwei Schulen in Afrika jeweils ein Teleskop. Oberbürgermeister Thomas Kufen dankte den Vereinsmitgliedern für fünfzig Jahre engagierte Arbeit.

Gegen den Zeitgeist

Anschließend hielt Dr. Wolfgang Both aus Berlin den Festvortrag zum Thema „Der Humanist Walter Hohmann“ und beleuchtete damit eine ganz andere, weniger bekannte Seite des gebürtigen Hardheimer Raumfahrtpioniers. Hohmann habe sich laut Both bereits im Ersten Weltkrieg kritisch mit einem Patriotismus auseinandergesetzt, der Menschen zur Rohheit und Niederträchtigkeit verleitet. Früh habe sich Hohmann auch für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingesetzt. Besonders habe Hohmann, gegen den damaligen Zeitgeist, den Beitrag der römischen und arabischen Kultur gewürdigt, ohne die die Astronomie und exakte Wissenschaft nicht denkbar wären.

Die Quellen von Both sind die sehr persönlichen Briefe mit Wertvorstellungen und Hohmanns Haltung an sich selbst aus den Jahren 1911 bis 1914, die insgesamt 88 Blatt umfassen. Jährlich griff Hohmann ein Thema auf und begann 1911 mit Liebe, Ehe, Sexualität, 1912 folgten Ehre, Patriotismus und Heimatliebe, 1913 dann die Religion. 1914 schloss der Zyklus mit kurzen Betrachtungen zu Schönheit und Wahrheit ab. Auch nach 100 Jahren sind Hohmanns Briefe an sich selbst aktueller denn je. Außerdem wurde eine Hohmann-Biographie vorgestellt, die demnächst als Buch erscheint und von Dr. Both verfasst wurde. Für die Unterstützung bedankte er sich besonders bei den beiden Hohmann-Enkeln Dr. Hasso und Dr. Volker Hohmann.

Der stellvertretende Vorsitzende Helmut Metz blickte auf die 50-jährige Vereinsgeschichte zurück. Dabei wurde unter den Anwesenden viele Erinnerungen wachgerufen. Astrid Gallus vom Vorstand der Vereinigung der Sternfreunde Deutschland bedankte sich für die geleistete Arbeit und überreichte ein Präsent.

Torsten Englert als Gast aus Hardheim und langjähriger Leiter des Astronomiekreises Walter-Hohmann-Sternwarte Hardheim und eines der Gründungsmitglieder der Hardheimer Sternfreunde im Jahr 1988 erinnerte in seinen Grußworten an die guten und freundschaftlichen Verbindungen zwischen Essen und Hardheim und die gegenseitige Wertschätzung. Er blickte auf die Aufbauleistung der Essener Sternfreunde in Hardheim zurück und erinnerte an den im vergangenen Jahr verstorbenen langjährigen Vorsitzenden der Essener Sternwarte, Ansgar Korte, sowie an Heinz Baltes und Hans-Dieter Hanisch, die oft in Hardheim weilten und überreichte ein Buchpräsent mit Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. En