Hardheim

Jubiläum Die Wohlfahrtsmühle ist seit 200 Jahren im Besitz der Familie Gärtner-Münster / Gelungener Strukturwandel

Heute ein gastronomisches Aushängeschild

Hardheim.Wer heute der Erf von ihrer Quelle bei Buch am Ahorn bis zu ihrer Mündung in den Main bei Bürgstadt folgt, der wird auf stumme Zeugen und Reste der früheren Nutzung der Wasserkraft stoßen. Dazu gehören die ehemaligen Mühlen, die noch Relikte einer früheren Blütezeit sind und eine ganz besondere „Nostalgie“ mit ihren Wasserrädern ausstrahlen.

Durch den starken Konkurrenzkampf ab den 1960er Jahren sind von den einst 18 000 Mühlen heute noch etwa 1800 Mühlen übriggeblieben, die dem Broterwerb dienen. Im oberen Erftal zwischen Gerichtstetten und Hardheim gab es früher insgesamt einmal bis zu 17 Mühlen.

An der Grenze zwischen dem oberen und unteren Erftal befindet sich idyllisch gelegen die Wohlfahrtsmühle. Sie wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals als „Dechantsmühle“ urkundlich erwähnt.

Ab 1820 betrieb Joseph Anton Gärtner die Wohlfahrtsmühle und verkaufte diese im Jahr 1834 an seinen Bruder Sebastian Gärtner für 3300 Gulden. Somit können die Eheleute Armin und Sabine Münster als Nachfahren der Familie Gärtner in diesem Jahr auf 200 Jahre „Familienbesitz Wohlfahrtsmühle“ zurückblicken.

Durch einen Blitzeinschlag brannte die Mühle 1927 bis auf die Grundmauern ab und wurde vom damaligen Müller Eugen Martin Gärtner und seiner Ehefrau Lina Franziska Löffler wiederaufgebaut.

Bereits früh hatte die Familie Gärtner außer dem Mühlenbetrieb und der dazugehörenden Landwirtschaft mit einer Gastwirtschaft für ein weiteres Standbein gesorgt. Auch in der Wohlfahrtsmühle wurde nach einer Boom-Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Nachfrage geringer.

Deshalb entschlossen sich die damaligen Betreiber, Lina Gärtner mit ihren Kindern Hubert, Elisabeth, Egon und Waltraud, ein Jahr nach dem Tod des Wohlfahrtsmüllers Eugen Martin Gärtner, im Jahr 1964 den Mühlenbetrieb aufzugegeben und die Mühle umzubauen. Die bereits bestehende Gastwirtschaft wurde um einen Hotelbetrieb erweitert. Bis heute genießen das Waldhotel und das Restaurant einen ausgezeichneten Ruf weit über die Grenzen Hardheims hinweg, welches zahlreiche Preise und Auszeichnungen dokumentieren.

Damit hat die Wohlfahrtsmühle in den Zeiten des Strukturwandels den Erhalt der Tradition und den Wandel von einer Mehl- und Getreidemühle zu einem renommierten Waldhotel mit Restaurant erfolgreich vollzogen.

Die Familie Gärtner gehört zum sogenannten Hardheimer „Bachadel“, einer alteingesessenen „Müller-Dynastie“. Sie lässt sich bis ins 17. Jahrhundert in Hardheim zurückverfolgen. Der erste in der Ahnenreihe ist Sebastian Gärtner, der im Ried wohnt und dessen Sohn Johann Jacob Gärtner in die „Gerbertsmühle“ (wie die heutige Gärtnersmühle früher bezeichnet wurde) einheiratet. Bis heute ist diese Mühle, mit Christoph und Marion Gärtner, in Familienbesitz geblieben. Der Ur-Enkel von Johann Jacob Gärtner, Sebastian Gärtner, ist zusammen mit seiner Ehefrau Franziska Berberich der Begründer der Gärtnerschen Müller-Tradition in der Wohlfahrtsmühle.

Als nächster Wohlfahrtsmüller in der Familie Gärtner folgt Karl Gärtner und seine Ehefrau Maria Genofeva Mai. Danach Wilhelm Gärtner und Maria Karolina Ott und Eugen Martin Gärtner und seine Ehefrau Lina Franziska Löffler.

Von 1963 bis 1986 wird der Betrieb der Wohlfahrtsmühle von Lina Gärtner zusammen mit ihren Kindern Hubert, Elisabeth (verheiratete Münster), Waltraud und Egon geführt. Nach dem Tod der Mutter betrieben die Geschwister Gärtner die Wohlfahrtsmühle.

1990 übernahm mit Armin Münster (Sohn von Elisabeth und Josef Münster) die nächste Generation Verantwortung in der Wohlfahrtsmühle, betreibt zusammen mit seiner Ehefrau Sabine seither das weithin bekannte Waldhotel und Restaurant Wohlfahrtsmühle und kredenzt den Besuchern regionale Köstlichkeiten der näheren Umgebung.

„Regionaler Einschlag“

Armin Münsters Ziel war es von Anfang an, „eine neuzeitlich orientierte Küche mit regionalem Einschlag anzubieten“. Die Arbeit hat sich gelohnt, davon zeugen viele Preise, die Armin und Sabine Münster über die Jahre erhalten haben.

Zu diesen Preisen gehören der „Gastronomiepreis Franken“, Gastronomiepreis der Touristikgemeinschaft Odenwald in der Kategorie „Hotel“ für Innovation 2008, im Jahr 2013 die Wahl zu den „Schönsten Landhotels im Südwesten“ des Südwestrundfunk (SWR) sowie die mehrfache positive Erwähnung im Restaurantführer „Bib Gourmand“ aus dem Hause Michelin.

Die Wohlfahrtsmühle ist damit heute ein gastronomisches Aushängeschild und kulinarischer Botschafter für die ganze Region geworden und beliebtes Feinschmeckerrestaurant und Landhotel für die nähere und weitere Umgebung.