Hardheim

Alte Erzählkunst Eva-Maria Dannbacher-Frei entführte das Publikum mit ihren Geschichten in eine andere Welt

„Große“ Zuhörer bei Märchenstunde ganz Ohr

Archivartikel

Rütschdorf.Kindern erzählt man Märchen zum Einschlafen, den Erwachsenen zum Aufwachen. Und so waren die „großen“ Zuhörer im Schützenhaus in Rütschdorf ganz Ohr. Zur Frühjahrsveranstaltung der Katholischen Landfrauenbewegung (KLFB) und zugleich zum Bürgertreff hatte die Erzählerin Eva-Maria Dannbacher-Frei nachdenkliche, aber auch heitere Geschichten mitgebracht.

„Unglaublich, aber wahr“ lautete das Motto des Nachmittags, zu dem die Regionalbeauftragte und Vorstandsmitglied der KLFB Freiburg, Christel Erbacher (Vollmersdorf), die Besucher willkommen hieß. Aus Oedheim kam Eva-Maria Dannbacher-Frei angereist. Sie stammt ursprünglich aus Bretzingen und hat sich für die Zeit nach dem aktiven Arbeitsleben ein ganz besonderes Hobby ausgesucht.

Bei der Goldmund-Erzählakademie in München absolvierte sie im Jahr 2014 eine Ausbildung zur Erzählerin. Ihren ersten Auftritt hatte die 63-Jährige in Würzburg zum Abschluss und zur Zertifizierung als Erzähler. Seither steht bei ihr jährlich eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Terminkalender. 2019 waren es zwölf große Events mit mehreren Erzählern und Live-Musik im Programm. Außerdem ist Dannbacher-Frei Vorlesepatin am Neuburg-Kindergarten in Oedheim.

Eva-Maria Dannbacher-Frei hat unverkennbar die Gabe, vor Leuten aufzutreten und auf Leute zuzugehen. „Dieses Talent habe ich von meiner Mutter geerbt“, sagt die ehemalige Medizinisch-Technische-Assistentin am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus. Denn Lotte Dannbacher leitete in Bretzingen erfolgreich viele Jahre die dortige Theatergruppe.

Zur Erzählkunst gehören freilich auch Gestik und Mimik. Das stellte die frisch gebackene Rentnerin denn auch unter Beweis. Wie beim „Märchen von der traurigen Traurigkeit“, frei nach Inge Wuthe, das letztlich in dem positiven Aspekt Hoffnung endet. Heiteres Schmunzeln unter den Zuhörern rief die Geschichte „Im Frühlingswald“ hervor. Sie ist angelehnt an die Novelle von Guy de Maupassant, in der es um Liebe und Sittlichkeit geht. Bei Eva-Maria Dannbacher-Frei ist das Geschehen in den Odenwald verlegt, was es umso amüsanter macht.

Teilweise bekannt war das Märchen „Das kluge Gretel“ der Brüder Grimm. Dem Publikum gefiel es sichtlich, wie schelmisch Gretel ihre missliche Lage im Haus ihres Dienstherren löst. Mit Applaus nahmen die Besucher die Geschichte vom „warmen Kuschel“ auf. Diese hat die Erzählerin abgewandelt von den „kleinen Leuten aus Swabedoo“.

Dass die alte Kunst des freien Erzählens, wie sie in früheren Zeiten auf den Jahrmärkten Tradition war, auch heute wieder Anklang findet, zeigte die Veranstaltung in Rütschdorf einmal mehr. Für Eva-Maria Dannbacher-Frei ist es eine kreative Art der Freizeitgestaltung, die geistig mobil hält. „Mir macht das Erzählen viel Spaß. Es fordert nicht nur, sondern gibt auch unheimlich viel zurück“, unterstreicht sie. mira