Hardheim

Im Rahmen des Wendelinusmarktes Helmut Berberich führte 29 Interessierte bei der BdS-Erlebnistour durch Hardheim

Gemeinsam auf informative Zeitreise begeben

Archivartikel

Hardheim.Auf eine informative Zeitreise nahm Helmut Berberich 29 Interessierte bei der BdS-Erlebnistour durch Hardheim im Rahmen des Wendelinusmarktes mit. Es galt, die Spuren bekannter und verdienter Hardheimer zu verfolgen.

Beim Ausgangspunkt, am Feuerwehrgerätehaus, begrüßte BdS-Vorsitzender Elmar Günther die Besucherschar, die sich danach in die Burggasse begab, wo Berberich beim Anwesen Zeller an Adam Hahn erinnerte. Der hatte 1780 das Wirtsschild „zur Güldenen Sonne“ am Marktplatz erworben und in der Wertheimer Straße das Lokal „zur Sonne“ eröffnet, das später in den Besitz der Familie Popp überging.

Beim „Hertlesbrunnen“ erinnerte Helmut Berberich an die jüdische Familie Eschelbacher, aus der namhafte und international anerkannte Persönlichkeiten hervorgingen.

Aus dem Anwesen der Bäckerei Leiblein gingen bekannte Persönlichkeiten aus dem Bereich Landwirtschaft hervor, deren bekanntester Sohn Josef Alois Leiblein als Student der Finanzwissenschaften an den Hochschulen in Würzburg und Heidelberg und am Polytechnikum in Karlsruhe seine Kenntnisse erwarb und 1868 in den Dienst der markgräflichen Standesherrschaft Salem und als Vorstand des Rentamtes der Großherzoglichen Domänenverwaltung in Stockach wirkte und im Bereich der Landwirtschaft in Baden sich durch zahlreiche Veröffentlichungen bleibende Verdienste erwarb.

Gegenüber der Kirche, am ehemaligen Schulhaus, das zwischenzeitlich auch schon als Milchsammelstelle diente und derzeit einen Schlüsseldienst beherbergt, erinnerte Berberich an die Gründung der Hardheimer Orgelmanufaktur, die auf Ignaz Dörr, 1829 in Waldstetten geboren, zurückgeht. Durch tragische Umstände begründet, wurde seine in 1861 begründete Manufaktur von Wilhelm Bader, der 1894 die erste Orgel in der Hardheimer Pfarrkirche baute, weitergeführt.

Dessen Söhne Max und Wilhelm führten den Orgelbau unabhängig voneinander bis Anfang der 1960-Jahre weiter, ehe sie von der Familie Vleugels bis heute weitergeführt wird.

Vom Kirchenvorplatz aus zeigte Helmut Berberich die Historien der Häuser und deren Besitzer „Badischer Hof“ (ehemals Posthalterei „Grüner Baum“) , den „Ochsen“, das Alte Rathaus, sowie die Geschäfte Albert Burkard und Carl Barth auf.

Das ehemalige Gasthaus „zur Güldenen Rose“ wurde schon im 16. Jahrhundert als „Würzburger Schenkstatt“ erwähnt, war seit 1600 im Besitz der Familie Kaltschmidt, die 1608 den Bildstock in der Bahnhofstraße errichten ließ und deren Vorfahren das Hardheimer Schloss erbauten.

Zum ehemaligen „Cafe Adelmann“ wusste der profunde Kenner der Hardheimer Geschichte zu berichten, dass der in 1765 geborene Dr. Philipp Ignaz Heffner, kaiserlicher Landgerichtadvokat und Prokurator, Zivilkommissär des Frankenlandes mit Sitz im Aschaffenburger Schloss war und in Notzeiten Hardheim unterstützte und förderte.

Auf seinem weiteren Rundweg streifte die Gruppe die verschiedenen Häuser der ehemaligen jüdischen Familien in der Walldürner Straße und in der Bretzinger Straße. In der Walldürner Straße erinnerte Berberich an Ignaz Schwinn, der in die Vereinigten Staaten auswanderte und es dort zu einem Marktführer als Fahrradhersteller brachte.

Über die Inselgasse zurück, wo Berberich vor der ehemaligen Synagoge einen kurzen Abriss über das jüdische Leben in der Erftalgemeinde gab und Verbindungen zu dem neben den beiden Gaststätten am Marktplatz gelegenen Geburtshaus des Lehrers Willi Wertheimer herstellte. Mit dem Hinweis, dass an dieser Stelle die erste Hardheimer Gaststätte „zur Sonne“ stand, endeten die Erläuterungen von Helmut Berberich.

Zurück führte der Weg bis zum Schlossplatz, wo in der ehemaligen Kinderschule – dort befand sich ursprünglich auch die Schlossmauer – beim Gesangverein „Liederkranz“ ein gemütlicher Abschluss der rund zweistündigen Wanderung stattfand. Immer wieder hatte Berberich unterwegs Fragen der interessierten Teilnehmer zur Hardheimer Geschichte zu beantworten, so dass die Zeit wie im Fluge verrann. hs