Hardheim

Aktuell wird Hardheim durch das Neubaugebiet „Trieb II“ erweitert Vor rund drei Jahrzehnten stand das Thema ebenfalls im Raum

„Gemeinde nahm die Fäden in die Hand“

Nachdem sich die Pläne zum Bau eines Gymnasiums zerschlagen hatten, begann 1988 die Erschließung des Geländes unterhalb der Querspange als neues Wohnbaugebiet.

Hardheim. Weiterentwicklung ist eine Frage der Zeit: Aktuell wird Hardheim durch das Neubaugebiet „Trieb II“ sukzessive nördlich erweitert. Vor rund drei Jahrzehnten stand das Thema ebenfalls im Raum und wurde eindrucksvoll verwirklicht: Das Resultat jener Überlegungen ist das heute selbstverständlich zu Hardheim gehörende Neubaugebiet „Klingenweg-Breitenstein“ zwischen Uhlandstraße und Querspange.

Bereits seit geraumer Zeit hatte man sich im Gemeinderat mit der Frage beschäftigt, wie man Herr über die akut bestehende Wohnungsnot werden zu können. Das Gebiet unter der „Querspange“, welches seinerzeit noch aus rein landwirtschaftlich genutztem Wiesen- und Ackerland bestanden hatte, erwies sich frühzeitig als Favorit für eine Neubausiedlung.

Viel Eigentum der Gemeinde

Jener Bereich habe sich laut Altbürgermeister Ernst Hornberger angeboten, weil er fast ausschließlich in Eigenbesitz der Gemeinde gewesen sei. Ursprünglich hatte man die früher in Streubesitz befindlichen Grundstücke der Reihe nach erworben, weil der Standort für den Bau eines Gymnasiums vorgesehen gewesen sei.

Dies aber habe sich zerschlagen: „Es war nicht mehr genehmigungsfähig“, erinnert sich Hornberger. Auch einen „Wohnbauschwerpunkt“ konnte man nicht bekommen – das Gebiet oberhalb der Querspange war seinerzeit noch als „militärisches Freihaltegebiet“ gekennzeichnet, was aus Ländersicht eine Wohnbebauung ausschloss.

„Die Gemeinde hat die Fäden daraufhin selbst in die Hand genommen“, erklärt Hornberger. So wurde der Bereich gut 15 Jahre lang rein landwirtschaftlich genutzt, bis die zur Erschließung notwendigen Erdarbeiten in der zweiten Hälfte des Jahres 1988 begonnen hatten.

Im Zuge dieser Maßnahmen wurden drei bereits bestehende Straßen (Lessingstraße, Herderstraße, Wielandstraße) nach oben hin erweitert und der Klingenweg, dessen heutige Verlängerung seinerzeit noch ein reiner Wirtschaftsweg gewesen ist, ausgebaut. Die Immanuel-Kant-Straße wurde als neue Verbindung unterhalb der Querspange erschlossen. Der Name „Immanuel-Kant-Straße“ wurde Ende 1990 vom Gemeinderat beschlossen.

Inmitten der Vorbereitungen zeichnete sich jedoch die in den anfänglichen Planungen zunächst nicht abschätzbare Wendezeit mit ihren „möglichen“ Auswirkungen ab, so dass der Bebauungsplan 1989 geändert worden war: Statt exklusiver Einzelhausbebauung wurde – von Bund und Land über das Wohnbauprogramm gefördert – das Ziel sozialen Wohnungsbaus verfolgt, um auch neuen Mitbürgern rasch Wohnraum bereitzustellen.

Neuausrichtung nicht ohne Grund

Die Neuausrichtung geschah nicht ohne Grund: Nachdem Ende 1988 die ersten Spätaussiedler nach Hardheim gekommen waren, verschärfte sich die Wohnungsnot zusätzlich. Eine in Zusammenarbeit mit den Kirchen durchgeführte Aktion zur vorübergehenden Bereitstellung ungenutzter Wohnräume war nicht von Erfolg gekrönt, was andere Lösungen erforderte.

In den neu errichteten Wohnungen fanden neben „Ur-Hardheimern“ auch viele Menschen verschiedenster Nationalitäten eine neue Heimat: In der Hauptsache waren es wie ursprünglich vermutet die Russland-Deutschen, die dort eingezogen sind und sich entgegen manch voreiliger Befürchtung in Hardheim gut eingelebt und integriert haben. Wesentlich dazu beigetragen hatten zuverlässige Arbeitsgruppen und Ansprechpartner der katholischen und evangelischen Kirche.

In der Musikschule hatten auch Personen mit abgeschlossener musikalischer Ausbildung eine freiberufliche Anstellung auf Honorarbasis bekommen und somit rasch gesellschaftlichen Anschluss in ihrer neuen Heimatgemeinde gefunden.

Auch der Wohnungsmarkt entspannte sich merklich: 1991 waren bereits 60 Wohneinheiten geschaffen worden. Nach und nach wurden bis 1994/95 noch Neubauten errichtet. Geplant waren insgesamt gut 350 neue Wohnungen.

Das neue Baugebiet erfreute sich hoher Beliebtheit: „Die Nachfrage nach Bauplätzen (...) war enorm, sodass mittlerweile keine Bauplätze mehr zur Verfügung stehen (...)“, resümierte eine erste rückblickende Zusammenfassung der Gemeindeverwaltung vom August 1992.

Vergleicht man die Zeitfenster miteinander, so stünde eine nächste „Erweiterung“ Hardheims in rund drei Jahrzehnten wieder an. Nun freilich bleibt die rhetorisch zu verstehende Frage, in welche Himmelsrichtung eine mögliche räumliche Expansion der Erftalgemeinde dann erfolgen könnte – schließlich ist Weiterentwicklung immer eine Frage der Zeit.