Hardheim

„Die Dorflinde“ Leitartikel in der Zeitschrift des Gesamtodenwaldklubs beschäftigte sich mit alten Getreidesorten

Emmer, Einkorn und Dinkel im Blick

Die aktuelle Mitgliederzeitschrift des Gesamtodenwaldklubs beleuchtet die Urgetreidearten und die Grünkernproduktion in Hardheim.

Hardheim. Die alten Getreidearten wie Einkorn, Emmer und Dinkel werden in der Oktoberausgabe des Magazins des Gesamtodenwaldklubs „Die Dorflinde“ wiederentdeckt. Bei dem Leitartikel handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk der Odenwaldklub-Ortsgruppen Dieburg und Hardheim, mit einer wissenschaftlichen Abhandlung von Dr. Alfred Scholz aus Reinheim.

12 000 Jahre alte Geschichte

Mit Einkorn und Emmer begann der Anbau vor etwa 12 000 Jahren im heutigen Gebiet der Länder Syrien, Irak, Palästina. Dinkel hat seinen Ursprung vermutlich in Südwestasien und gelangte etwa ab dem 6. Jahrtausend vor Christus von Mesopotamien und der Region um das Ararat-Gebirge nach dem heutigen Bulgarien.

Die Kelten trugen zur weiteren Verbreitung des Dinkels bei. Während in den vergangenen 100 Jahren die Hauptfruchtarten durch Züchtung deutlich verbessert wurden und daher mehr an Ertrag bringen, sind Einkorn und Emmer kaum weiterentwickelt worden.

Ihr Anbau erfolgt daher nur in begrenztem Maße. Dennoch, Urgetreide erfahren seit einigen Jahren eine Renaissance.

40 Prozent Öko-Landbau

Heute werden in Deutschland wieder 100 000 Hektar Dinkel angebaut, 40 Prozent davon in ökologischem Landbau. Hauptanbaugebiete sind das Bauland, die Region Main-Tauber und die Schwäbische Alb, aber auch Ostdeutschland.

Der durch die Heilige Hildegard von Bingen bekannt gewordene Dinkel, auch „Schwabenkorn“ genannt, findet sich heute in Brot und Brötchen, in Müsli und Nudeln. Die Distelhäuser Brauerei braut sogar ein Dinkel-Bier.

Der Artikel beleuchtet insbesondere die Grünkernproduktion im oberen Erftal um die Gesamtgemeinde Hardheim. Dabei geht es unter anderem um die marktbeherrschende Position des jüdischen Kaufmanns Abraham Selig aus Hardheim, der eine Monopolstellung für die Knorr AG in Heilbronn innehatte und eine der größten Eisenwaren- und Landmaschinenhandlungen zwischen Heidelberg und Würzburg besaß.

Thema Dörrobst angeschnitten

Auch die Geschichte der Fränkischen Nährmittelfabrik, welche von 1917 bis 1958 versuchte, Dörrobst herzustellen und sich ab den 1930er Jahren auf Grünkernprodukte spezialisierte, wird angeschnitten. Walter Bechtold konnte alte Fotos zur Grünkernherstellung beisteuern.

Die weiteren Top-Themen des Magazins setzen sich mit der Brotherstellung und der Backtradition auseinander. Der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtodenwaldklubs, Franz Zoth aus Dieburg, beschäftigt sich in seinem Beitrag mit alten Backhäusern.

Dass der Odenwaldklub den Strukturwandel von einem ehemaligen reinen Wanderverein zu einem echten Kulturträgerverein in den vergangenen Jahren vollzogen hat, zeigt sich in dieser Ausgabe des Magazins „Die Dorflinde“ im Besonderen, die nebenbei für die Region Rund um Hardheim als Ausflugs- und Tourismusattraktion überregional wirbt.