Hardheim

Bretzingen war früher ein bedeutender Wallfahrtsort Über die Wallfahrt zum „Bretzinger Nägelesbild“

Drei religiöse Kleindenkmale unter die Lupe genommen

Archivartikel

Bretzingen.Der Hardheimer Ortsteil Bretzingen ist ein typisches Dorf im sogenannten „Badischen Bauland“ (Muschelkalkböden) und im romantischen oberen „Erfatal“ gelegen. 1971 schloss sich Bretzingen im Zuge der Verwaltungsreform der Gemeinde Hardheim als Ortsteil an.

Bretzingen wurde in den „Amorbacher Traditionsnotizen“, eine der wichtigsten Quellen zur hochmittelalterlichen Geschichte des hinteren Odenwalds, in den Jahren 1050 bis 1150 erstmals urkundlich erwähnt.

Kirchlich gehörte Bretzingen von 1656 bis 1803 zum Territorium des Fürstbischofs von Würzburg und wurde 1827 dem neuen Erzbistum Freiburg inkorporiert. An die Zugehörigkeit von Würzburg erinnern bis heute die alte „Corporis-Christi-Bruderschaft“ und der „Würzburger Bettag“.

Die durch Hochwürden Lothar Kübel, den damaligen Generalvikar des Erzbistums Freiburg am 18. März 1868 bestätigte Bretzinger „Skapulier-Bruderschaft“ ist im Ort bis heute bekannt.

Kaum jemandem im Ort ist allerdings bekannt, dass Bretzingen früher ein bedeutender Wallfahrtsort gewesen ist mit der Wallfahrt zum „Bretzinger Nägelesbild“. Licht ins Dunkel brachte vor 40 Jahren der gebürtige Walldürner Volkskundler Professor Dr. Peter Assion (1941-1994) mit einer wissenschaftlichen Abhandlung zu diesem Thema.

Einen der wenigen Hinweise findet man im Universal-Lexikon des Großherzogtum Baden aus dem Jahr 1844: „... westlich von dem Orte auf einem Berge steht 1065 Fuß über d M eine kleine Kapelle mit dem Nägelesbild früher eine starkbesuchte Wallfahrt ...“.

Von dieser Wallfahrt ist in Bretzingen jedoch nichts bekannt und auch nichts mündlich überliefert. Lediglich im alten Flurnamen und ein Bildstock tragen die Bezeichnung „Nägelesbild“.

Für Irritation sogt hier auch die Tatsache, dass diese Wallfahrt am Wallfahrtsweg nach Walldürn zum Heiligen But liegt. Dass ein barocker Bildstock als Wallfahrtsmittelpunkt anzunehmen ist, ist jedoch eher unwahrscheinlich und an der beschriebenen Stelle befindet sich zwar in der Nähe eine kleine Kapelle, diese weißt jedoch nicht auf den sogenannten Nagelkult, sonder auf die Wallfahrt zum Heiligen Blut nach Walldürn hin.

Im Volksmund wird diese Kapelle als „Dürmer Kapelle“ bezeichnet. Auch in den Zinns- und Gültbüchern, sowie den Grundbüchern findet man keine Hinweise auf eine Kapelle, nur die Bezeichnung „Nägelesbild“. Peter Assion weißt in seiner Arbeit anhand alter Flurkarten nach, dass die ehemalige Wallfahrtskapelle zum Nägelesbild an des Stelle des heutigen Bildstockes gestanden haben muss. Weiter weißt Assion nach, dass die Wallfahrt von Bedeutung gewesen sein muss, da die Bezeichnung „Nägelesbild“ sehr oft in Quellen Erwähnung findet und selbst bei Flurprozessionen der Ort des „Nägelesbildes“ aufgesucht wurde. Wegen der fehlenden Einnahmen in den Zinns- und Gültbüchern war die Kapelle vermutlich in Privatbesitz. Kirchliche Förderung hat es anscheinend deshalb nicht gegeben. Die Stifterfamilie muss daher zur Oberschicht gehört haben. Dies ist bei der Eigentümerfamilie des Grundstücks, der Familie Lutz gegeben, die im Ort früher die Rentmeister und Bürgermeister stellte. Vermutlich verschwand die Kapelle und die Wallfahrt zum Bretzinger Nägelesbild im Zeitalter der „Aufklärung“ als sich im philosophischen und theologischen Denken eine Abkehr von den Traditionen der Vergangenheit vollzog. Ein Indiz hierfür ist die Tatsache, dass im Bistum Würzburg das Wallfahrtswesen stark unterdrückt wurde und überflüssige Kapellen geschlossen und teilweise abgebrochen wurden. Ähnlich wird es bei der einst bedeutenden „Wallfahrt zum Bretzinger Nägelesbild“ gewesen sein, welche um etwa 1800 verschwand.