Hardheim

Land und Leute Moritz Reinhard aus Bretzingen fuhr durch sechs Länder und übergab Spendengelder an Krebseinrichtungen / 3100 Kilometer mit dem Fahrrad

„Die Wertschätzung war immer da“

Archivartikel

Besser als erwartet lief die Reise des 25-jährigen Moritz Reinhard im Kampf gegen den Krebs: Über 12 000 Euro sammelte er für seine Spendenfahrt quer durch Europa.

Von unserem Redaktionsmitglied

Marcel Sowa

Bretzingen. Von Barcelona nach Bretzingen und dann gleich weiter nach Shanghai: Moritz Reinhard erlebt derzeit turbulente Zeiten. Nur wenige Tage vor seiner Reise in die größte Stadt Chinas (über 26 Millionen Einwohner), um dort sein Auslandssemester zu absolvieren, kam der 25-Jährige von seiner Spendenfahrt quer durch Europa zurück. Und diese war nicht nur aufgrund der gesammelten Erfahrungen ein voller Erfolg: 12 693 Euro kamen zusammen, die er während seiner Reise mit dem Fahrrad an verschiedene Krebseinrichtungen persönlich übergab. Auch wenn das Überreichen der Gelder mancherorts „in 15 Minuten mal so eben schnell über die Bühne gehen musste“, wie Reinhard erzählt, bekam er überall Dankbarkeit und Bewunderung zu spüren. Die Spenden kommen von Firmen und Privatleuten. In vielen Geschäften der Region hat Reinhard Spendenboxen aufgestellt.

Übergaben waren Höhepunkte

„Die Wertschätzung war immer da, und so waren die Spendenübergaben stets ein Höhepunkt meiner Reise“, so der Student. Kein Wunder, wenn man unter anderem von einem Chefarzt zum Mittagessen eingeladen oder durch eine Klinik geführt wird.

Über 100 Kilometer war der Bretzinger jeden Tag unterwegs. An Motivation, sich jeden Morgen aufs Neue auf den Sattel zu schwingen und in die Pedale zu treten, mangelte es dem 25-Jährigen nicht. Ende 2018 kam ihm die Idee zu dieser Aktion: Der Wirtschaftsstudent wollte seine Semesterferien sinnstiftend nutzen und etwas Gutes tun.

Also entschied er sich, in vier Wochen etwa 3100 Kilometer mit dem Fahrrad hinter sich zu bringen im Kampf gegen den Krebs. Die Wahl darauf fiel nicht zufällig: Schon früh kam er damit in Kontakt, als die Oma an Krebs erkrankte. Auch im privaten Umfeld gab es immer wieder Krankheitsfälle, so dass sich Reinhard entschied, das Geld der Krebsforschung und der Unterstützung von Betroffenen zu spenden.

Von Kopenhagen über Deutschland, die Schweiz, Frankreich und Andorra ging es bis ins spanische Barcelona. Dort wohnt seine Schwester, daher eignete sich die Stadt perfekt als Ziel.

Unterwegs steuerte er mehrere Einrichtungen an, um den Verantwortlichen vor Ort die gesammelten Spenden zu übergeben.

Neben den geplanten Stationen wie dem „Waldpiraten“-Camp der Deutschen Kinderkrebsstiftung in Heidelberg kam auch etwas Spontanität hinzu. Unterwegs bekam er Wind von einer Typisierungsaktion für eine an Blutkrebs erkrankte junge Mutter in Bad Säckingen. Kurzerhand fuhr er dort vorbei und überreichte 1000 Euro. Während seiner Europareise erhielt Reinhard immer wieder Begleitung: Mal waren es seine Eltern, die für ein paar Kilometer mitradelten, oder es schloss sich wie bei Göttingen eine Gruppe Radfahrer an, die einen Teil seiner Tour mitfuhr und von der Fahrt über die Zeitung erfahren hatte. Ganz am Anfang begleitete ein Belgier den Studenten für ganze 70 Kilometer. Zu den Höhepunkten der Fahrt zählte der Genfer See, von dessen Ufer Reinhard zum ersten Mal den Mont Blanc erblickte mit 4810 Metern der höchste Berg in den Alpen. Den höchsten Punkt seiner Reise hatte der 25-Jährige an der Grenze von Frankreich zu Andorra zu bewältigen. Mit 2408 Metern Höhe gilt der Port d’Envalira als die höchstgelegene ganzjährige befahrbare Passstraße Europas.

Doch nicht nur die Natur faszinierte Reinhard. „Ich habe tolle und interessante Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Alles lief super, auch das Wetter hat mitgespielt.“ Teilweise kannte er die Personen, bei denen er unterwegs übernachtete, teils jedoch auch nicht. Ein Problem war das nie, wie Reinhard erzählt. Und bis auf zwei kleinere Pannen lief auch beim Fahren alles rund.