Hardheim

„Aufbruchstimmung“ gab es 1949 in Hardheim Zu den besonderen Ereignissen, die sich zum 70. Mal jähren, zählt die Einweihung des „alten“ Sportplatzes

Die gesamte Erftalgemeinde war auf den Beinen

Archivartikel

Wenn in einer Kommune mehrere Ereignisse zusammentreffen, spricht der Volksmund gerne von einem „Aufbruch“. Eine solche „Aufbruchstimmung“ gab es 1949 in Hardheim.

Hardheim. Nach dem Kriegsende 1945 verharrte das öffentliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland in einer Schockstarre. Viele Soldaten waren noch nicht nach Hause gekommen. Frauen, Alte und Kinder trugen die Hauptlast der Arbeit insbesondere in der Landwirtschaft. Und diese Tätigkeit war wichtig für das Überleben. Ganze Schwärme von Städtern erinnerten sich an verwandtschaftliche Verbindungen und nutzen „Hamsterfahrten“, um Lebensmitteln heimzubringen.

Während das Entnazifizierungsverfahren ab März 1946 ins Laufen kam und zuvor eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst nicht möglich war, versuchte jeder so gut es ging, mit seinen Fähigkeiten über die Runden zu kommen.

Und dann kamen ab dem Frühjahr 1946 die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. Sie alle unterzubringen war eine höchst schwierige Arbeit und ging nicht immer reibungsvoll vor sich. Manch heutiger Zeitgenosse würde sich wundern, welche Vorurteile – auch aus den Amtsstuben und gar von den Kanzeln – laut wurden.

Die Währungsreform am 20. Juni 1948 sorgte erstmals für geregelte Verhältnisse. Plötzlich konnten alle Geschäfte und Betriebe die Wünsche der Bevölkerung erfüllen. Zugleich aber zeigten auch verschiedene Bürgermeister und Gemeinderäte Unternehmungsfreude und Hardheim, als zentraler Ort im Erftal und im östlichen Teil des Landkreises Buchen, spielte eine vorbildliche Rolle.

Wir wollen diese besonderen Ereignisse, die sich heuer zum 70. Male jähren, in drei abgeschlossenen Episoden darstellen und jeweils zu den Jubiläumstagen in Erinnerung bringen. In einer ersten steht die Einweihung des „alten“ Sportplatzes im Mittelpunkt.

In der Chronik des TV Hardheim anlässlich dessen 100-jährigen Bestehens wird berichtet, dass der Verein das Gelände für seinen Sportplatz unterhalb des Friedhofs in 1930 von der Familie Wiederroth gepachtet und 1948 zu einem Kaufpreis von 2400 DM erworben hatte.

Am 11. Mai 1948 hatte die Vorstandschaft beschlossen, den Sportplatz dort zu vergrößern und auszubauen. Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 ein gewagtes Unternehmen. Aber mit rund 12 000 freiwilligen Arbeitsstunden, mit Sachspenden Hardheimer Firmen, mit freiwilligen Geldspenden sowie aus den Erlösen von Festen und Theateraufführungen gelang das Werk nach knapp einjähriger Bauzeit.

Geschaffen wurden neben dem Sportplatzhaus mit den Umkleideräumen auch eine Tribüne mit Bänken für rund 300 Zuschauer sowie eine Bretterwand als Umzäunung. Der Zutritt zum Sportgelände erfolgte von der östlichen Seite. Dort stand auch eine Holzbaracke, die als Kassenhäuschen diente. Während der Sportplatz an drei Seiten durch eine etwa zwei bis drei Meter hohe Bretterwand umschlossen war, bildete der Riedbach an der nördlichen Seite eine natürliche Sperre. Die Kosten für das gesamte Sportgelände beliefen sich auf rund 8700 DM. Hierfür musste der Verein ein Darlehen von 1879 DM aufnehmen.

Feierliche Einweihung

Am 4. September 1949 konnte der Sportplatz schließlich feierlich eingeweiht werden. Als Mittelpunkt des sportlichen Lebens des TV Hardheim wie auch der Schulen, wurde der Platz rege genutzt und gerne angenommen.

Die Schüler marschierten, das Turnerlied singend, von der Schule geschlossen zu den Bundesjugendspielen zum Sportplatz und auch außerhalb der offiziellen Trainings- und Spielzeiten war der Platz durch spielende Kinder stets belebt.

Und an ein besonderes Attribut dort können sich die Hardheimer erinnern, die als Kinder und Jugendliche auf dem Gelände spielten: Eine Quelle. Durch ein Loch im Bretterzaun schlüpften die durstigen Jungen und Mädchen auf die benachbarte Wiese und löschten ihren Durst an einer Quelle unterhalb der ersten Abteilung des alten Friedhofs. Dass das Wasser möglicherweise auf seinem unterirdischen Weg an einigen Gräbern vorbei- oder durchkam, störte wohl niemanden. Erinnern können sich aber alle, dass das Quellwasser besonders frisch war und gut schmeckte.

Infolge der Vergrößerung des Friedhofs in den Folgejahren nach Osten allerdings gab es dann vor allem bei sonntäglichen Verbandsspielen der Handballer und Fußballer Probleme. Denn während der Beisetzungsfeierlichkeiten musste der Spielbetrieb ruhen, und auch die Zuschauer sollten sich währenddessen „gesittet“ verhalten. Das sorgte selbstverständlich bei den auswärtigen Mannschaften für Verärgerung, weil die Spiele zu lange unterbrochen waren und Spieler, Funktionäre wie Zuschauer auch wieder heimfahren wollten.

Die Sportverbände machten darum Druck auf den TV Hardheim, der dann aktiv auf die Suche nach einem neuen Sportgelände ging. Und auch der gestrenge Ortsgeistliche, Dekan und Geistlicher Rat Josef Heck reagierte überaus verärgert, wenn sich während der kirchlichen Zeremonien vom Sportfeld her laute Töne oder Rufe hören ließen.

Passendes Gelände gefunden

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hardheim gelang es schließlich, dem TV mit seinem rührigen Vorsitzenden Albert Katzenmaier ein passendes Gelände zu finden. Im Juli 1960 wurde dann die jetzige Sportanlage im Gewann „Heuäcker“ eingeweiht; die Mittel dazu hatte der TV Hardheim durch den Verkauf seines alten Sportplatzes, durch Spenden und mittels Eigenleistungen erbracht.

Dass die eigentliche Einweihungsfeier des „neuen“, inzwischen wieder „alten“ Sportplatzes durchaus ein Ereignis war, das die gesamte Erftalgemeinde zu feiern verstand, kann man an dem Festzug ermessen, der sich auf dem Gelände der Maschinenfabrik Eirich in der Walldürner Straße aufstellte und durch ganz Hardheim zum Sportgelände zog. Nicht nur alle Mannschaften der beiden Ball spielenden Abteilungen des TV, sondern auch die Turner und allen voran die Vereinsfahne, sondern auch eine stattliche Anzahl befreundeter Vereine beteiligten sich an dem Festzug.

Bürgermeister, Gemeinderäte, Festdamen und alle Sportler zogen feierlich, durch die Musikkapelle Hardheim mit seinem Dirigenten Käflein musikalisch begleitet auf dem Sportgelände ein und wurden von einer unübersehbaren Menschenmenge rund um das Sportfeld begrüßt. Einlagespiele in Handball und Fußball und natürlich Ansprachen der „Honorationen“ würdigten das denkbare Ereignis.

Heute befindet sich das Gelände unterhalb des Friedhofs in Privatbesitz und erinnert überhaupt nicht mehr an seine sportliche Vergangenheit. Es ist teilweise mit Bäumen bewachsen, aber das ursprüngliche „Sportheim“, das die Umkleidekabinen für Mannschaften und Schiedsrichter beherbergte, steht heute noch.

Und auch der Blick auf den Friedhof und den „Hockenberg“ ist durch Baumbewuchs verdeckt. Sieht man aber die alten Bilder mit dem Blick auf Wurmberg, Schmalberg und Hockenberg, kann man ermessen, was sich die Natur im Verlauf dieser siebzig Jahre zurückgeholt hat.