Hardheim

Firmung in Corona-Zeiten Eigentlich zwei, dieses Jahr acht Messfeiern / Vorbereitung über das Online-Portal „spiricloud“ zu Ende durchgeführt

Der etwas andere Festgottesdienst

Unter strengen Auflagen wird derzeit in der Seelsorgeeinheit Hardheim-Höpfingen die Firmung zelebriert. Gefeiert wird in acht Gottesdiensten im Erftaldom.

Hardheim. April, Mai und Juni sind die Monate, in denen die Kalender der Seelsorgeeinheiten fast aus allen Nähten platzen: Neben den Festen wie Ostern, Pfingsten und Fronleichnam werden in dieser Zeit Kinder und Jugendliche in die Kirchengemeinde aufgenommen – in Form der Erstkommunion und der Firmung.

Das alles konnte in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden und musste verschoben werden. Nun ist der Terminkalender im September und Oktober „proppenvoll“. An zwei Terminen fand Anfang Oktober die Erstkommunion statt.

Die Organisation der Firmung, welche knapp 120 Jugendliche aus zwei Jahrgängen empfangen, gestaltete sich etwas schwieriger, denn gefeiert wird nun an acht Gottesdiensten, verteilt über einen Monat. Die Firmspendung wird in „normalen Jahren“ von einem Weihbischof zelebriert, doch die Bischöfe waren für den Herbst schon „ausgebucht“.

Hardheims neuer Pfarrer Christian Wolff, der am 1. September seinen Dienst in der Seelsorgeeinheit antrat, erhielt von Erzbischof Stephan Burger die Erlaubnis, die Firmspendung durchzuführen. „Das ist für mich ein Höhepunkt am Anfang meiner Dienstzeit“, freut sich Pfarrer Wolff im FN-Gespräch.

„Viel jugendgerechter“

„Wir durften mehr gestalten als bei einer Bischofsmesse. Der Gottesdienst ist viel jugendgerechter“, findet Gemeindereferentin Uschi Butterweck, die hauptverantwortlich für die Firmung ist.

Inhaltlich sind alle acht Gottesdienste gleich aufgebaut, doch musikalisch unterscheiden sie sich: Zwei Gottesdienste wurden von Manfred Weihbrecht und der Organistin gestaltet, und vier Gottesdienste umrahmte die Band „Time-out“ musikalisch. Die beiden noch übrigen Feiern an diesem Wochenende gestaltet der Chor „Rückenwind“.

Die Auflagen zum Feiern solcher Gottesdienste sind enorm, wie Butterweck erklärt: „Ich bin vor jedem Gottesdienst etwa zwei Stunden mit dem Vorbereiten der Kirche beschäftigt.“ Bis zum Platz müssen sowohl Firmanden als auch deren Familien eine Maske tragen. Der Kommunionempfang erfolgt hinter einer Plexiglasscheibe. Die Anzahl der Besucher ist beschränkt, „deswegen haben wir im Pfarrblatt darauf hingewiesen, dass die Gottesdienste für die Jugendlichen und deren Familien reserviert sind“, so Butterweck.

Die größte Herausforderung sah die Gemeindereferentin darin, „alle unter einen Hut zu kriegen“. Denn auch die Vorbereitung lief nicht ab wie sonst: Die Firmanden wählen zu Beginn einen Baustein aus, den sie zur Vorbereitung durchlaufen. „Es lief alles über Mailverkehr“, sagt Butterweck. Sie ergänzt: „Von einer Kollegin bekam ich den Tipp mit der Plattform ,spiricloud’. Das ist ein Online-Portal, welches die Jugendlichen genutzt haben, um sich auf die Firmung vorzubereiten.“ „Spiricloud“ kommt aus Österreich, und dort gibt es zahlreiche Online-Tutorials zu den wichtigsten Inhalten.

Zusätzliche Technik

Samira Götz, Leiterin der Band „Time-out“, sieht die Flexibilität ihrer Band als große Herausforderung. „Es gibt zwar einen Plan, wer wann mitwirkt, aber dann bringen Krankheiten oder Quarantäne-Anordnungen kurzfristige Änderungen“, erklärt Götz. Zudem sei der zeitliche Aufwand enormer als sonst, wie die Leiterin ausführt: „Wir können nicht gemeinsam auf- und abbauen. Der Abstand bedeutet auch zusätzliches technisches Equipment.“

Der größere Aufwand zahlt sich jedoch aus: „Die Familien sind total begeistert“, freut sich Uschi Butterweck, „Da es weniger Firmanden sind, wird der Gottesdienst persönlicher.“ Die familiärere Atmosphäre empfindet auch Samira Götz als positiv: „Es sind eben nur 15 Firmanden, dadurch hat auch der Gottesdienst eine überschaubare Länge.“

Die persönliche Gestaltung ist auch für Cosima Bundschuh, Musikerin in der Band „Time-out“, in diesem Jahr ein großer Pluspunkt: „Trotz der kurzen Zeitspanne konnte sich der Pfarrer noch mehr Zeit für jeden Einzelnen nehmen.“ Der kleine Bruder der 20-Jährigen ging zur Firmung, und auch ihre Familie war durchweg begeistert vom Festgottesdienst: „Meine Oma meinte, dass das von allen Firmungen, die sie bisher miterlebt hat, die mit Abstand Schönste war, weil es so persönlich gestaltet war.“ Viel Zuspruch findet außerdem, dass fast alle Jugendliche durch einen Lesebeitrag beim Gottesdienst mitwirken können.

Ob das Konzept mit acht statt üblicherweise zwei Gottesdiensten auch etwas für die Zukunft ist, bleibt abzuwarten. „Das sollte man auf jeden Fall anregen“, sagte Uschi Butterweck. Auch Pfarrer Christian Wolff sieht das ähnlich: „Ich könnte mir das vorstellen, aber das haben wir nicht zu entscheiden.“

Trotz der vielen Unsicherheiten blickt Butterweck auf bisher sechs erfolgreiche Gottesdienste zurück, die übrigen zwei folgen an diesem Wochenende: „So viel Begegnung wie in diesem Jahr, hatte ich sonst noch bei keiner Firmung.“ Die Pandemie hat also in dieser Hinsicht auch einen positiven Effekt.