Hardheim

Weihnachten im Jahr 1944 Margarete Rechnitzer erinnert sich: „Das Einzige, über das man sich freuen konnte: Wir waren nach fünf Kriegsjahren alle noch am Leben“

Auf der Wunschliste: Frieden auf der Erde

Archivartikel

Hardheim.Margarete Rechnitzer aus Hardheim erinnert sich an „Weihnachten im Jahr 1944“ – und lässt die FN-Leser daran teilhaben: „Wir schreiben das Jahr 1944, es ist Dezember, genauer gesagt, der 24. Ich bin zu dieser Zeit vier Jahre und vier Monate alt und kann mich an diesen Tag noch genau erinnern.

Es wurde an allen Fronten hart gekämpft, und die wenigsten Soldaten bekamen Heimaturlaub.

Etwas Lametta und ein paar Kerzen

Mutter musste sich allein auf den Weg machen und ein kleines Tannenbäumchen besorgen. Es war nur etwa 60 Zentimeter hoch, wurde auf einen Tisch gestellt und heimlich, ohne, dass wir Kinder es merkten, geschmückt: Mit den wenigen Christbaumkugeln, die wir besaßen. Den Luxus, dass jedes Jahr eine andere Farbe modern war, gab es damals nicht. Etwas Lametta und ein paar Wachskerzen, die Stummeln vom Vorjahr.

Es gab selbst gestrickte Strümpfe

Nun zu den Geschenken: Mutter hatte den kleinen Puppenwagen und die Wiege neu hergerichtet, nur das alte Bettzeug gewaschen und gebügelt. Diese Habseligkeiten musste ich mit meiner Schwester teilen.

Die Puppe war auch die gleiche wie im Vorjahr und von den Liebkosungen in die Jahre gekommen. Außerdem gab es als Überraschung, hübsch verpackt in altem Geschenkpapier: ein Paar selbst gestrickte Strümpfe aus roher, gesponnener Schafwolle und eine Unterhose aus Glanzgarn. Die Strümpfe kratzten beim Tragen fürchterlich und die Unterhose rutschte, denn das Glanzgarn war sehr glatt und der Gummi schon gebraucht.

Das Einzige, über das man sich freuen konnte war: Wir waren nach fünf Kriegsjahren alle noch am Leben – und vielleicht auch Vater im fernen Rumänien.

Nun wurde der Holzofen im Wohnzimmer angeheizt, Mutter zündete die Kerzen an und mit einem kleinen Glöckchen, aus Vorkriegszeiten gerettet, wurden wir zur Bescherung gerufen. Das einzig Schöne an diesem Heiligen Abend waren der Duft der kleinen Tanne und die brennenden Kerzen.

Man tauschte die Geschenke aus, es wurde gebetet und dann zu Bett gegangen.

Wir wünschten uns nur, dass im nächsten Jahr Frieden in unserem Land und auf der Erde sein würde.

Ich glaube, in dieser Heiligen Nacht hatten die Alliierten Erbarmen und es fanden keine Bombardierungen in den Städten – und das, was noch davon übrig war – statt. Mein Geschenk an meine Mutter war einer meiner ersten Zeichen- und Malversuche: ein Friedensengel, der die ganzen Kriegs- und Friedensjahre überstanden hat und den ich heute noch besitze“, so Margarete Rechnitzer. mem