Hardheim

Erstmals bildet das Hardheimer Krankenhaus seine Pflegekräfte selbst aus Neue generalistische Ausbildung zum Pflegefachmann bietet für beide Seiten Chancen

„Arbeite lieber mit Menschen als mit Maschinen“

Hardheim.Um dem Fachkräftemangel in der Pflege zu begegnen und mehr junge Menschen für die Ausbildung in diesem wichtigen Berufsfeld zu begeistern hat der Gesetzgeber seit Januar 2020 die Ausbildungen zum Gesundheits- und Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und zum Altenpfleger gebündelt: jetzt gibt es eine universelle Ausbildung zum Pflegefachmann.

Durch diese Neuerung kann der Krankenhausverband Hardheim-Walldürn nun auch selbst am Hardheimer Krankenhaus Nachwuchskräfte ausbilden. Die Debütantin heißt Selina Stein und sie kommt aus Hainstadt. Sie absolviert seit 7. September ihre dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau am Krankenhaus. Den neuen Ausbildungsweg beschreitet auch Sanya Gessler aus Walldürn. Sie lässt sich am Geriatriezentrum „St. Josef“ zur Pflegefachfrau ausbilden.

„Der Praxisteil der Ausbildung konnte schon zuvor am Krankenhaus absolviert werden“, erklärt Amina Sans vom Personalbüro des Krankenhausverbands, „wir betreten also nicht völliges Neuland. Aber selber ausbilden können wir erst jetzt seit der Neuordnung der Ausbildung.“

Knapp 200 Mitarbeiter

Der Krankenhausverband zählt knapp 200 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte in der Pflege. Dass sich das Krankenhaus den pflegerischen Nachwuchs künftig selbst heranziehen kann, wertet Amina Sans als großen Vorteil. „Auch schon während der Ausbildung sind die Auszubildenden als hilfreiche Hände sehr wertvoll.“

Da mache es sich bezahlt, dass die beiden jungen Frauen als medizinische Fachangestellte schon über entsprechende Vorerfahrungen verfügen.

„Mit diesem Hintergrund sind die Beiden die idealen Auszubildenden“, freut sich Verwaltungsleiter Lothar Beger. Da die Ausbildung komplett neu ist, sei es umso wertvoller, dass beide schon einiges an Fachwissen mitbringen. Beger verspricht sich von der Generalisierung der Ausbildung viel. So werde es künftig einfacher möglich sein, innerhalb des Krankenhausverbandes die Stelle zu wechseln, und auch auf personelle Engpässe könne so noch besser reagiert werden.

Doch auch die künftigen Pflegefachkräfte profitieren von der neuen Ausbildungsform, denn ihr neuer Abschluss wird EU-weit anerkannt. Die Absolventen sind im Bereich der Pflege breit aufgestellt, sie können in verschiedenen medizinischen und sozialen Einrichtungen arbeiten, sie haben die Wahl zwischen unterschiedlichen Pflegeberufen und sind in einer krisensicheren Branche tätig: in einer alternden Gesellschaft nimmt der Bedarf an Pflegekräften stetig zu. Sie können später in der Altenpflege, in der Heilerziehungspflege oder in der Krankenpflege arbeiten oder auch eine Tätigkeit in der Verwaltung übernehmen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Diese Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten hat auch Selina Stein und Sanya Gessler überzeugt: „Mit dieser Ausbildung stehen uns alle Wege offen.“ Beide haben schon eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten mit Erfolg absolviert und satteln nun die Pflegefachfrau oben drauf: „Schon als ich erstmals davon gehört habe, war ich gleich interessiert“, berichtet Sanya Gessler und begründet ihren Entschluss: „Ich möchte näher an den Menschen arbeiten.“ Auch für Selina Stein ist klar: „Gibt es etwas Schöneres als anderen Menschen zu helfen – noch dazu in einem Beruf, der wirklich Zukunft hat?“

Fruchtbare Zusammenarbeit

Für den schulischen Part der Ausbildung kooperiert der Krankenhausverband mit der Johannes-Diakonie in Mosbach. Auch bei der Suche nach Stellen in den Praxisfeldern, die der Verband nicht selbst abdecken kann – wie ambulanter Dienst, Psychiatrie oder Pädiatrie (Kinderheilkunde) – unterstützt die Diakonie. „Das ist ein wirklich fruchtbares Zusammenarbeiten, weshalb wir diese Kooperation gerne eingegangen sind“, lobt Beger. Profitieren möchte der Krankenhausverband natürlich auch von den Auszubildenden. Idealerweise bleiben die künftigen Pflegefachfrauen und -männer dem Krankenhaus oder dem Geriatriezentrum nach der Ausbildung erhalten, auch wenn es dafür natürlich keine Garantien gibt. Es besteht jedoch die berechtigte Hoffnung, denn die Fluktuation der Mitarbeiter liegt deutlich unter dem Branchenschnitt: „Wir haben viele Kollegen, die ihr ganzes oder den Großteil ihres Arbeitslebens bei uns verbringen“, bekräftigt Amina Sans.

Die hohe Zufriedenheit der Mitarbeiter spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass viele Neueinstellungen auf persönliche Empfehlungen zurückgehen: „Wir sind froh und dankbar, dass unser Personal für das Haus wirbt“, sagt Verwaltungsleiter Lothar Beger. Und in Zukunft können die Mitarbeiter sogar für die Ausbildung am Krankenhaus werben. Am besten mit einem Zitat von Sanya Gessler: „Ich arbeite lieber mit Menschen als mit Maschinen.“