Hardheim

Im „Bahnhof 1910“ Nach einer Corona-bedingten Pause gibt es am Sonntag bei Bernadette Balles Musik / Die Band „Colours“ stellt ihr Programm „Music & Lyrics“ vor

Ann-Kathrin Schneider ist mit von der Partie

Archivartikel

Hardheim.In jeder Hinsicht setzt der „Bahnhof 1910“ mitsamt seiner charismatischen Besitzerin Bernadette Balles Akzente: Sowohl künstlerisch und stilistisch als auch kulinarisch oder im Bereich der Mode dort allerhand geboten. Neben zahlreichen Events und einem Café im Stil der 60er-Jahre erfreut das Ladengeschäft „Picappo“, in dem die gelernte Modistin Bernadette Balles unter anderem selbstgefertigte Hüte verkauft, die Besucher. Wie so viele Selbstständige wurde sie jedoch von der Corona-Pandemie hart getroffen. „Es fängt damit an, dass im März die Einnahmen auf Null zurückgingen und doch sämtliche laufenden Kosten weiterhin bezahlt werden mussten“, schildert sie den Fränkischen Nachrichten und gibt zu bedenken, dass die Soforthilfe des Landes zwar durchaus willkommen, aber doch eine eher „kurzfristige Überbrückungshilfe“ gewesen sei.

„Wer nicht selbstständig tätig ist, kann sich eine solche Situation kaum vorstellen“, fügt sie an. Allerdings bewies sie in dieser verzwickten Lage exakt die Kreativität, die auch ihre Location und die eigenen Hut-Kreationen so liebenswert machen: Kurzerhand bot Bernadette Balles einen Abhol-Service der hausgemachten Kuchen und Torten sowie im Laden vorhandener Produkte an.

„Der virtuelle Rundgang durch das Geschäft mit dem Smartphone zeigte das Angebot, aus dem die Kunden wählen konnten“, blickt sie zurück. So konnte eine äußerst schwierige Phase zumindest halbwegs gemeistert werden. Dennoch quälten sie durchaus trübe Gedanken: „Ich musste ja nicht nur bekümmert feststellen, dass mein Lebensinhalt praktisch über Nacht nicht mehr da gewesen ist. Viel bohrender war diese Ungewissheit, wann und wie es denn weitergehen würde“, stellt Balles im Nachgang fest und sieht den Zeitpunkt der angeordneten Schließung als besonders ungünstig an.

„Gerade jetzt, wo unsere Veranstaltungen ein insgesamt hohes Niveau erreicht hatten und auch zahlreiche Stammgäste auf uns aufmerksam geworden sind, hätte man so etwas nicht direkt gebraucht“, hält sie fest und dankt vor allem ihrem Lebensgefährten Werner Puhr sowie ihrer als „gute Seele des Bahnhofs“ wirkenden Freundin und auch die wohlschmeckenden Kuchen backenden Petra Seitz, ohne die „das alles längst nicht so glatt gelaufen wäre“.

Eine Sorge jedoch konnte der Hardheimerin durch die Lockerung der Regeln wieder genommen werden: Zumindest das Hutatelier und das Café konnten unter Berücksichtigung der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen wieder geöffnet werden und erfreuen sich auch wieder eines gewissen Zulaufs.

„Im Laden selbst haben wir derzeit eine Aktion mit Bio-Honig, Bio-Grünkern und speziellen Salzen“, erklärt Bernadette Balles. Jene Aktion sei übrigens aus der Corona-Erfahrung „geboren“ worden, wie sie sagt: „Nachdem mit Hochzeiten und Kultur unsere Schwerpunkte entfielen, die Nachfrage nach Hüten und Accessoires während der Pandemie zurückging und aufgrund abgesagter Messen kaum neue Atelierware gekauft werden kann, habe ich mich auf regionale Produkte besonnen – aber das passt ja auch gut in den Laden.“

Außerdem wurde eine neue Idee geboren: Wo in der ehemaligen Güterhalle in der Vergangenheit Liedermacher wie Kai Degenhardt auftraten oder sich Stefan Müller-Ruppert zu seinen Weihnachtslesungen die Ehre gab, führt Nadine Frigyes derzeit Yogakurse durch. „Das kann man ausbauen“, lässt Bernadette Balles wissen. Auch ein Wochenend-Seminar der Gesellschaft für Geo-Alchemie findet statt. Dafür aber wurden Familienfeiern – der „Bahnhof 1910“ gilt vor allem für Hochzeiten als beliebter Veranstaltungsort – vorläufig ausgesetzt. „Sie finden zwar statt, aber eben erst im kommenden Jahr“, erklärt die Modistin. Auch musikalisch gehe es weiter: Am kommenden Sonntag wird ab 10.30 Uhr das erste Konzert seit der Corona-Krise stattfinden. Die Band „Colours“ wird ihr Programm „Music & Lyrics“ in Form einer stimmungsvollen Matinee präsentieren – und es gibt ein Wiedersehen mit Ann-Kathrin Schneider aus Walldürn, die Coversongs etwa nach der Art des SWR-1-Programmfensters „Pop & Poesie“ übersetzen und dann mit den Musikern anspielen wird.

Allerdings sind die Karten für das auf 100 Personen begrenzte Open-Air-Konzert bereits vergriffen, was jedoch Bernadette Balles vor allem eines gezeigt hat: „Die Menschen freuen sich, nach diesen vor allem im kulturellen Bereich harten und entbehrungsreichen Tagen endlich wieder in den Genuss von Musik, Unterhaltung und Zusammenkunft kommen“, stellt sie erfreut fest und blickt zuversichtlich in die Zukunft.