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Handball Roland Sauer, Geschäftsführer des Zweitligisten DJK Rimpar Wölfe, bezieht Stellung zur aktuellen Situation / Kurzarbeit / Für eine Fortsetzung der Saison

„Werden Saison überleben, wenn . . .“

Archivartikel

Die Corona-Krise sorgt dafür, dass die Sportwelt still steht. Für viele Vereine könnte die Situation nachhaltige finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringen. Ob und wie es in der 2. Handball-Bundesliga weitergeht steht derzeit nicht fest. Wir haben beim Wölfe-Geschäftsführer Roland Sauer nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist und ob die Fans in der Region sich Sorgen um den Fortbestand des stärksten Handballklubs machen müssen.

Herr Sauer, wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Roland Sauer: Von entspannt kann leider keine Rede sein – im Gegenteil, wir werden ständig mit neuen Nachrichten überrollt und müssen uns den Situationen permanent neu stellen. Aber eines muss immer im Vordergrund stehen, die Gesundheit der Menschen! Auf uns heruntergebrochen: Die Gesundheit der Zuschauer, Helfer und Spieler. Alles andere muss sich diesem Thema unterordnen.

Die Sportwelt steht derzeit still. Rechnen Sie noch damit, dass die Saison in der 2. Handballbundesliga zu Ende gespielt wird?

Sauer: Ja! Wir haben in unserer Telefonkonferenz mit dem Präsidium und den Geschäftsführern der 2. Handball-Bundesliga besprochen, wie wir die Saison sportlich zu Ende führen können. Bis 23. April sind aktuell für die 2. Liga fünf Spiele ausgesetzt, die werden als Doppelspieltage (Freitag & Sonntag) und Mittwochsspiele nachgeholt – so ist die bisherige Idee. Wenn es auch weiterhin eine Verschiebung nach hinten geben sollte, müssen wir vom 30. Juni rückwärts terminieren und prüfen, ob es noch möglich ist, zu spielen. Um jederzeit entscheidungsbereit zu sein, gibt es tägliche Jour-Fixe mit dem Präsidium der HBL und allen Bundesligisten der 1. und 2. Liga. Wir alle, ob Wirtschaft oder Vereine, haben hier Mammutaufgaben zu bewältigen und uns permanent neuen Anforderungen zu stellen, die es aufzunehmen und zu bewerten gilt sowie letztendlich zu Entscheidungen geführt werden müssen. Die Sportwelt und die Wirtschaft sind sehr eng verzahnt und daher muss man sich bewusst sein, dass wir auch in einer gegenseitigen Abhängigkeit leben und oftmals auch gemeinsame Lösungen anstreben müssen. Den Stillstand spüren natürlich auch die Fans und Zuschauer, die wir häufig aus dem Alltagstrott herausreißen können.

Spielen wir ein paar Szenarien durch: Was würde ein Abbruch der Saison bedeuten?

Sauer: Sicher müssen wir uns mit allen Szenarien auseinandersetzen und vorbereitet sein. Daher gibt es ein Gremium, das sich mit allen Themen rund um einen Abbruch auseinandersetzt. Dieses „Worst-case- Szenario“ wollen wir uns nicht vorstellen und werden alles dafür tun, die Saison zu Ende zu führen. Aber immer mit dem Blick auf die Gesundheit der Zuschauer, Helfer und Spieler.

Für wie wahrscheinlich halten Sie eine Fortsetzung der Saison und welche Schwierigkeiten sehen Sie darin?

Sauer: Es ist eine außerordentliche Situation, die noch nie dagewesen ist, daher kann man nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Die notwendigen permanenten Anpassungen an die Situation und den Auswirkungen sowie Forschungsergebnisse haben massiven Einfluss auf die Wirtschaft und den Sport. Dies kann nur durch ein intensives Monitoring unterstützt werden, um aus den Ergebnissen Aktionen vorzunehmen. Wie gesagt, gehen wir von der sportlichen Durchführung der Saison aus. Aber in jedem der Szenarien muss man sich wirtschaftlich mit der Liquidität und Finanzierung der aktuellen, aber auch der kommenden Saison auseinandersetzen. Die Auf- und Abstiegsregelungen für die 2. Liga, aber auch für die weiteren Ligen ober- und unterhalb der 2. Liga sind eine Herausforderung.

Stehen Geisterspiele in der 2. Handball-Bundesliga zur Debatte?

Sauer: Aktuell ist alles, wie in die Glaskugel zu schauen und auch hier müssen wir wieder alle Szenarien durchspielen. Nochmals, hier geht es aber auch um die Helfer und die Spieler bei den Geisterspielen, deren Gesundheit zu schützen ist. Finanziell wäre es für die Liga ein Desaster, dessen Ausmaß erheblich wäre.

Ist es schon absehbar, welche Folgen die Corona-Krise für den Verein DJK Rimpar Wölfe nach sich ziehen wird?

Sauer: Die Folgen wären insbesondere im Finanziellen zu sehen. Logisch wird es Einbußen für die Sponsoringeinnahmen der noch nicht durchgeführten Spiele geben. Analog kann das auch auf die Dauerkarteninhaber zutreffen. Eventuelle Regressansprüche sind momentan nicht abzuschätzen, weil wir ja auch noch nicht wissen, ob und wie diese Spielzeit fortgesetzt wird. Noch weitreichender ist die Situation für die nächste Saison, denn hier gibt es aufgrund der unklaren Planungsmöglichkeit noch offene bzw. noch nicht abgeschlossene Sponsoringvereinbarungen. Auch der Dauerkartenvorverkauf kann erst später starten, dies wiederum führt zu Liquiditätsengpässen.

Muss man sich um den Fortbestand der Wölfe Sorgen machen?

Sauer: Wenn die Hiobsbotschaften sich nicht noch mehr häufen, dann werden wir die Saison überleben und man muss sich um die Wölfe keine Sorgen machen. Wir haben aus diesem Grund auch Kurzarbeit anberaumt und versuchen damit aktiv das Risiko zu minimieren. Eine Gefahr ist dennoch auszumachen, und davon wird kaum ein Verein verschont sein.

Wie nimmt die Mannschaft die derzeitige Situation auf?

Sauer: Nun, erfreut ist niemand, wir waren sportlich in einem guten Flow und wollten unsere Erfolgsserie fortsetzen. Die Kurzarbeit ist ein Instrument, dass natürlich auch für die Spieler eine finanzielle Beeinträchtigung bedeutet. Das tut immer weh, aber solche Maßnahmen ergreift man nur im äußersten Notfall, und das trifft beide Bundesligen.