Handball

Handball Zweitligist DJK Rimpar Wölfe bestreitet am Samstag nach 217-tägiger Zwangspause ein Heimspiel - und das vor Zuschauern

Trainer Klatt: „Wir leben vom Publikum“

Archivartikel

Durch die Corona-Krise führte Geschäftsführer Roland Sauer seine DJK Rimpar Wölfe in den letzten Monaten mit Bravour. Trotz einer schwierigen wirtschaftlichen Lage und der Ungewissheit über den Ablauf der Handballsaison während der Pandemie, können die Wölfe rein sportlich gesehen entspannt in ihre mittlerweile achte Zweitligasaison gehen, auch wenn das (ersatzgeschwächte) Team von Cheftrainer Ceven Klatt zum Saisonauftakt beim EHV Aue eine 21:24-Niederlage hinnehmen mussten.

217-tägige Zwangspause

Nach einer 217-tägigen Zwangspause steigt am Samstag (Anpfiff: 19.30 Uhr) erstmals wieder ein Handballspiel der DJK Rimpar Wölfe in der Würzburger s.Oliver-Arena. Der Gegner wird mit dem TV Hüttenberg dabei kurioserweise der gleiche sein, wie im letzten Heimspiel im März. Trotzdem könnten die Bedingungen zu damals – in wirklich allen Belangen - nicht unterschiedlicher sein. „In erster Linie wird es in dieser Saison ums wirtschaftliche Überleben gehen“, schildert DJK-Trainer Klatt die allgemeine Lage: „Aber das ist bei allen Mannschaften in der Liga so.“ Durch Zeitarbeit und einem hervorragenden Krisenmanagement von Geschäftsführer Roland Sauer hat der unterfränkische Handballzweitligist die letzten Wochen und Monate jedoch gut gemeistert.

Den entstandenen Gesamtschaden aus dem Ticketing (einschließlicher der nicht stattgefundenen Heimspiele der Saison 2019/20) beziffert Sauer trotzdem auf rund 100 000 Euro.

Die Situation bleibt aber auch mit dem Start der Saison 2020/21 weiterhin ungewiss. Ein neuerlicher Abbruch im Verlauf der Saison würde die Klubs hart treffen. Insbesondere „Geisterspiele“ gelten als das wohl bedrohlichste Szenario für die Vereine. „Wir brauchen die Zuschauer um finanziell überleben zu können“, sagt auch Klatt: „Ich glaube mittlerweile hat auch jeder verstanden, dass das im Handball etwas anders als im Fußball ist.“

Roland Sauer arbeitet bereits seit Beginn der Pandemie mit Nachdruck an Konzepten, wie künftig wieder Spiele mit Zuschauern in der s.Oliver-Arena stattfinden können. Zusammen mit den Verantwortlichen von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg, die ihre Heimspiele in der gleichen Halle austragen, konnten in den letzten Wochen Lösungen präsentiert werden. Letztlich ist man aber auch hier natürlich abhängig vom aktuellen Infektionsgeschehen in Stadt und Landkreis. Für die Heimspielpremiere gegen Hüttenberg bekam Rimpar am Montag grünes Licht von den Behörden. Statt der möglichen 1000 Zuschauer, werden die Wölfe den Start aber vorsichtshalber mit erstmal nur 600 Besuchern angehen. 200 Tickets sind seit Anfang der Woche im freien Verkauf. Die restlichen 400 entfallen auf Sponsoren und Dauerkarteninhaber.

Für Klatt ist die Rückkehr der Fans von enormer Bedeutung: „Wir leben vom Publikum, da wir eine sehr emotionale Mannschaft sind. In der letzten Saison haben wir sechs oder sieben Spiele mit nur einem Tor Unterschied zuhause gewonnen. Daran hatten die Zuschauer großen Anteil.“

Wer dann tatsächlich in der Halle dabei ist, wird sich auch ein paar neue Gesichter im „Wolfsrudel“ merken müssen. Der ungewohnt große Kaderumbruch vor der Saison kann durchaus als Novum in Rimpar bezeichnet werden. Vier Abgängen, darunter der des Vereins-Urgesteins Max Brustmann, der über Jahre konstant zu den Spitzentorhütern der Liga gehörte. Mit 37 Jahren hat „The Wall“ seine Karriere still und heimlich während der Corona-Pause beendet. Kreisläufer Patrick Gempp und Linksaußen Fin Backs wechselten hingegen in die Bundesliga. Ex-Nationalspieler Benjamin Herth sucht sein Glück, nachdem er in Rimpar kein neues Vertragsangebot bekam, beim unterfränkischen Drittligisten HSC Bad Neustadt.

Dem gewichtigen Aderlass stehen fünf Neuzugänge gegenüber. Bis auf Torhüter Marino Mallwitz allesamt internationale Spieler im Alter zwischen 19 und 28 Jahren. Darunter ist mit David Kovacic ein Kreisläufer, der bereits im EHF-Cup Erfahrungen sammeln konnte und mit Yonatan Dayan ein 20-jähriger israelischer Nationalspieer.Klatt verfolgt den Umbruch mit Zufriedenheit. Die Integration der neuen „Rudelmitglieder“ sei gut geglückt.

Kader etwas breiter aufgestellt

Künftig wolle man noch mehr über die mannschaftliche Geschlossenheit kommen. Taktisch wird sich dagegen nichts verändern. Es wird weiter aus einer starken 6-0-Abwehr gespielt. In der Kaderbreite und Flexibilität sieht Klatt dabei sogar eine Verbesserung zum Vorjahreskader. Mit sportlichen Zielen hält man sich in der unsicheren Zeit trotzdem arg zurück. Einstellig soll es am Ende wieder werden. Zumindest sportlich muss man sich um die Rimparer keine ernsthaften Sorgen machen.