Handball

Handball Zweitligist kassierte in Würzburg im ersten Saisonheimspiel eine nicht unbedingt erwartete 24:25-Heimniederlage und zeigte dabei keine gute Leistung

Premiere vor eigenem Publikum geht für Rimpar in die Hose

Archivartikel

DJK Rimpar Wölfe - ASV Hamm-Westfalen 24:25

Rimpar: Brustmann, Wieser (beide Tor), Kraus (1 Tor), Schmitt, Schömig (1), Böhm, Karle, Gempp (2), Schäffer (5), Schmidt (3/davon 1 Siebenmeter), Kaufmann (2), Siegler (1), Meyer, Brielmeier (5), Herth (2), Sauer (2). Hamm-Westfalen: Storbeck, Lorger (beide Tor), Blohme, Huesmann (4/2), Brosch (5), Fuchs (1), Fridgeirsson (1), Schwabe (1), Krieg (4), Gudat (3), Papadopoulos (3/3), Zintel (2), Possehl (1), Neuhold. Zuschauer: 1600.

Dass gleich nach Spielende die Suche nach Schuldigen für diese erste Saisonniederlage aufgenommen wurde, gehört wohl zu den üblichen Reflexen bei Misserfolgen, wird der Sache aber in der Regel nie gerecht. Es gehört zu den Eigenheiten von Mannschaftssportarten, dass hier Einzeltäter die Ausnahme bleiben, weil Fehler und ihre Auslöser komplizierteren Gesetzen gehorchen.

Wenn man also einen Schuldigen für die 24:25-Niederlage gegen Hamm suchen will, dann ist man gut beraten, sich die ganze Mannschaft vorzunehmen. Sie war es schließlich, die trotz einer nominellen 6:0-Formation zur Absicherung des eigenen Gehäuses sage und schreibe 14 Tore vom ersten Kreis hinnehmen musste, entweder direkt verwandelt oder nachträglich durch erfolgreiche Siebenmeter. Sie war es auch, die sich in der starken gegnerischen Innenverteidigung immer wieder festrannte und so manchen Verlegenheitswurf bei drohendem Zeitspiel produzierte.

Natürlich kann man den Vorwurf gegen Einzelspieler erheben, sie würden glasklare Chancen liegen lassen, wie gerade in der ersten Hälfte geschehen, als die Statistik nach gerade mal einer Viertelstunde Spielzeit schon zehn Fehlwürfe registrierte, aber so etwas diskreditiert auch immer gleich ein wenig den gegnerischen Torhüter, als wäre es ein Leichtes, diesen zu überwinden. Und das war an diesem Tag auf keiner der beiden Seiten leicht, denn sowohl die beiden Hammer Keeper Felix Storbeck und Gregor Lorger als auch Wölfe-Schlussmann Max Brustmann stachen mit ihren Leistungen deutlich hervor. Am Ende parierte Max Brustmann 19 gegnerische Würfe, dabei zwei Siebenmeter, eine Quote, die normalerweise schon die halbe Miete sein müsste. Ja, wenn da nicht die beiden gegnerischen Torhüter auf annähernd ähnliche Quoten gekommen wären.

So war das Spiel darauf angelegt, den solideren, mannschaftlich besseren Auftritt zu belohnen. Und den legten vor allen Dingen in der ersten Hälfte die Westfalen hin. Immer wieder gelang es ihnen, durch sehr einfache Kombinationen eine Missmatch-Situation für den bärenstarken Jan Brosch am Kreis zu erreichen, die dieser eiskalt auszunutzen verstand. Keinem der Rimparer Abwehrrecken gelang es, den sich, trotz vermeintlich wachsamer Schiedsrichteraugen, auch mal kräftig freiarbeitenden Brosch zu stoppen. Bereits nach wenigen Minuten hatte er vier Tore und einen herausgeholten Siebenmeter auf seinem Konto, und wäre da nicht ein glänzend aufgelegter Max Brustmann immer wieder mal zur Stelle gewesen, hätte der 2,05 Meter große und 128 Kilogramm schwere Hüne leicht zum Torschützen des Tages werden können. So plätscherte die erste Hälfte dahin, solide arbeitende Westfalen, die sich Tor für Tor abzusetzen wussten, gegen mehr oder weniger unglücklich agierende Unterfranken, die schließlich mit einem Viertorerückstand in ihre Kabine zur Pausenpredigt verschwanden.

Matthias Obinger hatte wohl eine Menge zu sagen, denn seine Mannen kamen erst kurz vor dem Anpfiff wieder auf das Feld, während die Westfalen sich schon geraume Zeit warmhielten. Zunächst schien es so, als hätte das alles nicht viel gefruchtet, denn gleich zu Beginn der zweiten Hälfte wurde ein Strafwurf vergeben, während im Gegenzug Rechtsaußen Lars Gudat die erste beste Lücke in der Deckung zum 10:15 nutzte. Doch dann besannen sich die Wölfe auf das, was sie wirklich können: kämpfen. Und endlich waren auch die von Trainer Obinger geforderten Emotionen da. Das Publikum peitschte in gewohnter Manier die Heimmannschaft von Torerfolg zu Torerfolg. Es war vor allen Dingen Benedikt Brielmeier auf der linken Rückraumposition und Jan Schäffer am Kreis, die in den nächsten zehn Minuten das Heft in die Hand nahmen. Im Verbund mit ihren Mannschaftskollegen schafften sie es schließlich, den Vorsprung der Westfalen zu egalisieren und das Spiel bis zum 21:21 offen zu halten. Doch einige überhastete Würfe auf Seiten der Wölfe und das bewährte Missmatch-Spiel des Jan Brosch ließen die Waage zugunsten des Gastes ausschlagen. Am Ende fehlte einfach die Zeit, um noch etwas Zählbares herauszuholen.

Sieht man einmal von den Torhüterleistungen ab, war dieser Erfolg der Westfalen nicht das Ergebnis hoher Spielkunst, sondern das einer soliden, zielorientierten Arbeit. Andererseits ist die Niederlage der Wölfe auch kein Beinbruch, denn mit Hamm kam nicht irgendeine Laufkundschaft, sondern ein Team, das nicht wenige Trainer auf ihrem Zettel für den erweiterten Favoritenkreis dieser Saison haben. Wichtig aber ist, dass die Fehler der Mannschaft nun aufgearbeitet werden. Denn dass man Hamm auch hätte schlagen können, ist wohl jedem bewusst. Doch nur daran zu glauben, ist am Ende dann doch vielleicht etwas zu wenig. at