Handball

2. Bundesliga Patrick Schmidt, der Kapitän der Rimpar Wölfe nennt Gründe, warum die Unterfranken nach dem Saisonstart in die Spitzengruppe gestürmt sind

„In der Vergangenheit waren wir zu soft“

Die Handballer der DJK Rimpar Wölfe befinden sich derzeit auf dem Höhenflug. Vor dem Heimspiel am Freitagabend (20:00 Uhr, s.Oliver Arena) gegen Bundesliga-Absteiger SG BBM Bietigheim, stehen die Unterfranken – punktgleich mit Tabellenführer ASV Hamm-Westfalen – überraschend auf Tabellenplatz zwei in der 2. Handballbundesliga. Wie kommt es dazu, dass das „gallische Dorf“ des deutschen Handballs, mal wieder alle ärgert? Wölfe-Kapitän Patrick Schmidt hat im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten erklärt, was Rimpar diese Saison so stark macht und warum er keine Angst vor großen Namen hat.

Herr Schmidt, am Freitagabend trifft der Tabellenzweite auf den Zwölften. Rimpar gegen Bietigheim. Was hätten Sie vor der Saison dazu gesagt, dass Ihr Team dabei der Zweite ist?

Patrick Schmidt: Ich hätte das sofort so unterschrieben. Das wünscht man sich natürlich, so perfekt in die Runde reinzukommen. Was ich gehört habe, dürfte das sogar unser bester Saisonstart jemals sein.

Die Stimmung im Team dürfte dementsprechend gut sein.

Schmidt: Mit Siegen im Rücken lässt es sich auf jeden Fall immer besser trainieren. Gerade läuft bei uns alles rund.

Den Auftakt mit drei Auswärtsspielen haben Wölfe mit drei Punkten gut überstanden. Das war doch eine recht knifflige Situation zum Saisonstart.

Schmidt: Ja, der Spielplan war schon ein großes Manko, über das wir in der Vorbereitung viel gesprochen haben. Der Sieg in Krefeld, am zweiten Spieltag, war Pflicht. Das haben wir geschafft. Durch die bislang zwei Heimsiege, haben wir unseren Start sozusagen vergoldet. Wir haben uns das aber auch alles in der Saisonvorbereitung hart erarbeitet und uns dafür jetzt selbst belohnt.

Das klingt so, dass der neue Coach Ceven Klatt das Team hart rangenommen hat?

Schmidt: Ja, wir hatten eine sehr, sehr anstrengende Vorbereitung. Körperlich haben wir extrem viel gemacht. Wozu wir uns so gequält haben, sehen wir jetzt. Mal schauen, wo uns das noch hinführt.

Aber er wird ja nicht nur ein Schleifer sein, oder?

Schmidt: Nein, nein. Da ist auch ganz viel Raffinesse im Training dabei. Da ist so gut wie keine Übung im Training dabei, die wiederholt wird – mal abgesehen natürlich von den Basics. Wir machen Anfang der Woche viel Kraft- und Sprinttrainings, ohne den Ball. Ab Mitte der Woche beginnt dann immer die akribische Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Wir arbeiten quasi zum Beginn der Woche für uns und gegen Ende geht es absolut detailliert ins Spiel rein.

Und wie ist es am Spieltag selbst?

Schmidt: Auch da bringt Ceven unglaublich viel Input mit. Wir bleiben unglaublich abgeklärt. Von draußen strahlt er eine extreme Ruhe aus und in den Auszeiten findet er immer die richtigen Worte für uns Spieler. Das bringt uns enorm weiter.

Neu sind unter ihm die Videoanalysen von den Begegnungen. Wie wird das vom Team angenommen?

Schmidt: Also ich schaue mir unsere Spiele danach sowieso immer noch einmal an. Er will auch, dass wir, falls er im Spiel mal etwas emotional auf etwas reagiert hat, in der Woche darauf, nachdem wir uns das im Video nochmal angeschaut haben, damit auf ihn zukommen können, wenn wir das anders gesehen haben. Aber eigentlich hat er immer recht mit seiner Analyse (lacht). Das ist halt auch die Trainerkrankheit: Es gibt immer etwas zu kritisieren. Auch nach einem Start mit 11:3-Punkten. Das ist auch gut so. Wir sollen ja auch weiterhin gallig bleiben.

Rimpar ist als verschworene Einheit bekannt. Ist da nicht auch die Gefahr groß, dass es in der Mannschaft vielleicht alles etwas zu harmonisch läuft?

Schmidt: Ach, wissen Sie: Wir haben da schon Charaktere, die dafür sorgen, dass es auch mal untereinander etwas Kabbeleien gibt. Das macht den Handballsport aber grundsätzlich auch aus. Aber es stimmt schon, dass es in der Vergangenheit manchmal unser Problem war, dass wir etwas zu „soft“ miteinander umgegangen sind. Der Coach fordert von uns auch, dass wir uns im Training mal härter angehen. Wenn einer zum Beispiel im Trainingsspiel zwei Tore hintereinander macht, muss es dann für denjenigen auch mal wehtun. Das sind alles Sachen, die uns voranbringen.

Wehtun soll sich – natürlich im fairsten Sinne – auch ein Weltmeister am Freitagabend, wenn er auf euch trifft. Ist da so etwas wie Ehrfurcht, wenn auf der selben Position beim Gegner, ein Mann wie Michael Kraus aufläuft?

Schmidt: Das ist natürlich ein großer Name, der in seiner Karriere große Leistungen vollbracht hat, der aber seine besten Zeiten schon hinter sich hat. Das soll natürlich nicht respektlos klingen. Aber die haben noch viel mehr namhaften Spieler auf der Platte stehen. Das ist uns aber egal. Wir sind Zweiter – die sind Zwölfter. Bietigheim steht mit dem Rücken zur Wand. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir so viel Qualität im Kader haben, dass wir vor heimischen Publikum das Spiel gestalten werden und Bietigheim schlagen können. Es wäre auch Mist, wenn wir das Spiel jetzt verlieren. Damit würden wir uns ein bisschen das kaputt machen, was wir uns bis jetzt aufgebaut haben.

Der in letzter Sekunde verpasste Bundesliga-Aufstieg 2017, schmerzt in Rimpar immer noch sehr viele, ob Spieler, Fans oder Funktionäre. Träumt man nach so einem Auftakt wieder etwas vom großen Coup?

Schmidt: Das ist natürlich viel zu früh, sich über so etwas Gedanken zu machen. Wenn wir nach Weihnachten immer noch da oben stehen, können wir uns mal Gedanken darüber machen, wie es weitergeht. Als Sportler spielst du aber halt auch, um irgendwann mal ganz oben zu stehen.

Sie sind ja glühender Fußball-Fan des 1. FC Nürnberg. Wie wäre es mit einem Doppelaufstieg nächstes Jahr?

Schmidt: Das wäre natürlich ein Traum (lacht).