Handball

Handball Tilman Pröhl wird nun doch kein Mitglied im Rudel der Rimparer Wölfe / Roland Sauer: „Überall nur Baustellen“ / Die schwierige Planung bei der DJK

Die Lage ist für alle nach wie vor kompliziert

Archivartikel

Roland Sauer ist der Tausendsassa beim Handballzweitligisten DJK Rimpar Wölfe. Als umsichtiger Manager hat er es geschafft, einen Dorfverein mit einer ganz eigenen Philosophie und DNA auszustatten, irgendwo zwischen Ehrenamt, Halbprofitum und Moderne. Sieben Jahre Zweitligahandball liegen nun schon hinter dem Klub, einmal schrammte man nur um Haaresbreite am Aufstieg in die 1. Liga vorbei. Doch trotz der herausragenden Arbeit der letzten Jahre, stehen nun Corona-bedingt schwere und vor allem ungewisse Zeiten an. Sämtliche Vereine, die auf Umsätze für die Aufrechterhaltung ihres Sportbetriebs angewiesen sind, stellt die Pandemie vor vielleicht auch unüberwindbare Aufgaben.

Im „Wolfsrevier“ hat man die letzten Jahre eigentlich immer Lösungen gefunden. 2013, nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, war die Trainingssituation oft nicht besser als bei einem Bezirksligisten. Der Wölfe-Tross tingelte damals von Halle zu Halle im Landkreis Würzburg, teils musste sogar im freien trainiert werden. Heute finden die Einheiten in einer vereinseigenen schmucken Trainingshalle statt. Auch der dauerhafte Umzug für die Heimspiele in die Würzburger s.Oliver Arena ab 2015 wurde gut moderiert und war rückblickend elementar, um ein fester Bestandteil der 2. Liga zu werden. Nun aber, wenn Macher und „Problemlöser“ Roland Sauer davon spricht, dass es derzeit „überall nur Baustellen“ gibt, weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Die Lage ist überaus kompliziert. Eine konkrete Planung für die neue Spielzeit gestaltet sich als beinahe unmöglich. Zwar legte die Handballbundesliga mittlerweile einen möglichen Starttermin für die neue Saison fest. Am 4. September oder Anfang Oktober soll es weitergehen, heißt es. Gewissheit oder wirkliche Planungssicherheit bedeutet das für die Vereine trotzdem nicht.

Kreative Lösungen

Noch ist völlig unklar, ob der anvisierte Zeitpunkt eintrifft, falls ja, ob beim Saisonstart dann Zuschauer dabei sein könnten und welche Hygiene- und Sicherheitsauflagen die Vereine dabei stemmen müssen. Verhandlungen mit Sponsoren sind derzeit laut Sauer aufgrund der Unsicherheit kaum möglich. Untätig ist er freilich nicht. Es wird – wie immer in Rimpar – an kreativen Lösungen gebastelt. Aktuell entwirft Sauer ein Konzept für die Heimspiele in der s.Oliver Arena mit einer verminderten Kapazität. Unter Einhaltung des Mindestabstands sollen so rund 1000 Zuschauer in die Halle können, womit die Gesamtkapazität um knapp zwei Drittel schrumpfen würde.

Viele Baustellen werden noch lange Bestand haben. Nur gut, dass die Kaderplanung noch vor Corona fast abgeschlossen werden konnte. Einzig die Nachfolge von Max Brustmann auf der Torhüterposition ist noch vakant. So dachte man zumindest bis Anfang dieser Woche. Da nämlich musste der Verein eine ungewohnte Kehrtwende verkünden. Tilman Pröhl, der schon im Januar als erster Neuzugang vorgestellt wurde, wird doch kein neues Mitglied im Wolfsrudel. Auch so können also Auswirkungen aufgrund von Corona aussehen. Der 23-Jährige, der vom Drittligisten Eintracht Hagen nach Rimpar wechseln und im Innenblock, den in Richtung Bundesliga abgewanderten Parick Gempp ersetzen sollte, bat die „Wölfe“ nun um eine Auflösung des unterschriebenen Vertrags. Auf die Karte Handball will Pröhl künftig, wohl aufgrund der unsicheren Zeiten, doch nicht setzen und stattdessen lieber eine Ausbildung bei der Polizei beginnen. Erfreut war Sauer nicht über den unerwarteten Rückzieher. Gegen eine Ablöse in nicht bekannter Höhe ließ der Verein Pröhl aus seinem Zwei-Jahres-Vertrag aussteigen.

„Wir befinden uns aktuell in einer ungewissen Zeit, da kann man schon auch Meinungen ändern“, sagt Sauer: „Wir wünschen Tilman alles Gute für seine Zukunft und dass er ein glückliches Händchen mit seiner Entscheidung haben wird.“ Für Roland Sauer hat sich somit eine weitere Baustelle aufgetan, auf die man gerne verzichtet hätte. Neben der Verpflichtung eines Torhüters und nun noch eines Kreisläufers, stehen auch die Vertragsverlängerungen von Benedikt Brielmeier und Michael Schulz weiterhin aus. Beide Spieler sind allerdings eingeplant für die neue Saison. Aber erstmal muss Wölfe-Chef Roland Sauer ein paar andere Baustellen bereinigen.