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Handball Der TV Kirchzell müht sich weiter redlich in der 3. Liga Mitte und kämpft mit bescheidenen Mitteln gegen „die Großen“ / Viele Eigengewächse in der Mannschaft

Bodenständig und extrem ehrgeizig

Es herrschte dicke Luft am Samstag beim TV Kirchzell. Schon während des Drittliga-Heimspiels gegen die HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II ließ der eigentlich sehr besonnene TVK-Trainer Andreas Kunz seinem Ärger freien Lauf, trat mit dem Fuß und haute mit der flachen Hand gegen die Wand. Während der Pause muss es dann einen Disput zwischen ihm und der Kirchzeller Handball-Legende Gottfried Kunz gegeben haben, so dass der Coach direkt nach dem Schlusspfiff seine Siebensachen packte und aus der Halle stürmte. „Ich habe da einen Fehler gemacht“, gestand Gottfried Kunz dann einige Zeit später ein und fügte an: „Ich denke, dass in zwei Tagen zwischen Andi und mir wieder alles gut ist.“ Andi Kunz wollte auch einen Tag später nichts dazu sagen.

Dass es auch mal kracht im Gebälk der Kirchzeller Handballfamilie, kommt nicht sehr häufig vor. Zusammenhalt und Kameradschaft machen den wohl „kleinsten Drittligisten in Deutschland“ so stark. Allerdings zeigt dieser „Vorfall“ auch, welch großer Ehrgeiz die Unterfranken antreibt. „Eine Rückkehr in die Dritte Liga war eigentlich gar nicht vorgesehen. Die Mannschaft braucht diese Klasse nicht, um sich weiter zu entwickeln“, sagte Trainer Andi Kunz. Rückblende: Mit der überraschenden Oberliga-Meisterschaft (nach einem Saisonstart mit 7:7 Punkten) setzte sich der TVK in einer elend langen Relegation durch und kehrte nach zwei Jahren Abstinenz wieder in die 3. Liga zurück.

„Die Relegation war eine Katastrophe“, blickt Gottfried Kunz zurück, und der Vorsitzende Stefan Schwab weiß, dass diese Entscheidungsspiele die Saisonplanungen enorm erschwert haben. Die Kirchzeller Mannschaft besteht zwar weiterhin vornehmlich aus Spielern, die bereits in der Jugend für den TV spielten, doch die eine oder andere Verstärkung hätte man schon noch gerne gewonnen. Im Mai allerdings war „der Markt verlaufen“, und die finanziellen Möglichkeiten des Vereins sind, vor allem im Vergleich zur Konkurrenz, sehr begrenzt. Der Etat liegt bei etwa 100 000 Euro.

Körperliche Defizite

Am Samstag gegen Dutenhofen-Münchholzhausen II, der Reserve des Bundesligisten HSG Wetzlar, gelang es dem TV dann zwar während der ersten Hälfte, durch Einsatz und Kampf mitzuhalten, doch je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde der Qualitätsunterschied. Die körperlichen Defizite der TV-Recken waren unübersehbar, die Chancenverwertung teils eklatant schlecht – nicht nur Samstag. Aber gerade in Sachen Abschlussschwäche zeigt sich der riesige Unterschied, der in dieser 3. Liga Mitte herrscht: Im Tor der Gäste stand am Samstag mit Anadin Suljakovic ein Mann, der bereits für die Nationalmannschaft Katars gespielt hat. Beim TV Kirchzell schaffen die Spieler unter der Woche teils noch im Zweischichtbetrieb… Dazu kommt: „Ein geregelter Trainingsbetrieb ist wegen Verletzungen und Arbeitsplatzwechsel bei uns im Moment kaum möglich. Wir spielen total am Limit. Die Rahmenbedingungen sind aktuell etwas schwierig, um eine Entwicklung hinzubekommen“, erklärt Trainer Andreas Kunz die Situation. Trotzdem meinte Gottfried Kunz nach der 21:28-Heimniederlage, die schlechteste Saisonleistung des TVK gesehen zu haben.

„Ich werfe aber die Flinte nicht ins Korn. Unsere acht Punkte kommen schließlich nicht von ungefähr“, gibt sich Andreas Kunz weiter kämpferisch, auch wenn bisher noch kein Heimsieg gelang. Auch wenn der Ex-Profi des TV Großwallstadt mal stinksauer auf seine Jungs ist, so vertraut er ihnen doch weiter. Große personelle Verstärkungen wird es in der kurzen Winterpause eh nicht geben. „Der Verein wird keine wilden Sachen machen“, sagt „Boss“ Stefan Schwab. Das heißt: Vielleicht kommt man doch an die eine oder andere personelle Ergänzung, „aber nicht mit Gewalt“, sagt auch Trainer Andreas Kunz. Der TV will seine Bodenständigkeit nicht verlieren. Sinnbildlich dafür steht auch das Speisenangebot im Foyer der Parzivalhalle in Amorbach: Es gibt „Belegte mit Hausmacher“ statt Kanapees mit Lachs.

„Es wird ein Kampf auf Leben und Tod“, drückt „Legende“ Gottfried Kunz die Chancen auf die Klassenerhalt bei drei Absteigern etwas martialisch aus, doch der Glaube lebt in dieser unterfränkischen Handballfamilie, wo jeder jeden kennt und jeder jedem hilft – auch wenn es mal kracht im Gebälk, so wie am Samstagabend.