Grünsfeld

Jugendhilfe Creglingen In Hof Uhlberg soll in einer ehemaligen Hofreite eine neue Stabilisierungsgruppe für Kinder ins Leben gerufen werden / Umbau bis 2019

Sicherheit in schwierigen Zeiten bieten

Archivartikel

Die Jugendhilfe Creglingen will eine weitere Stabilisierungsgruppe für Kinder ins Leben rufen. In Hof Uhlberg wird ein alter Bauernhof dafür umgebaut.

Hof Uhlberg. Die Vögel zwitschern. Sonst ist es sehr ruhig an diesem Morgen in Hof Uhlberg. Das ist genau das richtige Umfeld für eine Wohngruppe der Jugendhilfe Creglingen, die Anfang 2019 in den alten Bauernhof am Ortseingang und mit direktem Blick auf die kleine Kapelle einziehen soll.

Werner Fritz, Geschäftsführer der Jugendhilfe Creglingen, und Bereichsleiter Thabo Held machen sich ein Bild von dem Gehöft, auf dessen Eingangstor die Jahreszahl 1835 zu lesen ist. Mit 5900 Quadratmetern Fläche ist jede Menge Platz vorhanden.

„Normales Leben“

Hier können sich die Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren, die nächstes Jahr einziehen, nach Herzenslust austoben und ein Stück „normales Leben“ zurückgewinnen. „Die Ruhe und Abgeschiedenheit, die Natur und die Tiere werden den Kindern guttun“, ist Fritz überzeugt. Gerade dieser kurze Weg nach draußen war ihm wichtig für die künftigen jungen Bewohner.

In dem ehemaligen Bauernhaus soll eine Stabilisierungsgruppe ihr neues Zuhause finden. Dabei handelt es sich um traumatisierte Kinder in einer emotionalen und sozialen Problemlage, beschreibt Held. Kinder, die aus der Bahn geworfen wurden, den Boden verloren haben und kinder- und jugendpsychiatrische Krankheiten aufweisen. Viele hätten schon verschiedene Einrichtungen und Psychiatrieerfahrung hinter sich.

„Wir wollen den Kindern das Gefühl geben, dass sie hier geschätzt werden und einen Platz im Leben haben.“ Ziel sei die emotionale Stabilität, das Entwickeln von Perspektiven und der eigenen Persönlichkeit. Diese Stabilität werde auch durch die Kooperation mit der Nardini-Schule in Tauberbischofsheim gefördert. Über die Unterstützung und die Zusammenarbeit mit der Einrichtung unter der Trägerschaft des Kinder- und Jugendheims Sankt Kilian Walldürn ist Fritz sehr froh, wie er betont.

In der Intensivgruppe sollen bis zu sechs Kinder einen sicheren und unaufgeregten Ort in schwierigen Zeiten finden. Eine solche Gruppe mit sieben Plätzen gibt es in Tauberbischofsheim bereits. Doch die liege mitten in einem Wohngebiet, so Fritz. „Dort können wir Natur und Tiere nicht bieten.“

Genau deshalb ist man aufs Land gegangen. „Die Natur kann vieles lösen. Und sie kann den Kindern helfen, ihre Gefühle wieder regeln zu können“, betont Held. So sei die Idee entstanden, einen Bauernhof zu suchen.

Mit Unterstützung des Grünsfelder Bürgermeisters Joachim Markert wurde man in Hof Uhlberg fündig. Das Gehöft mit einem großen Wohnhaus und viel Stauraum in den Scheunen bietet den nötigen Platz.

Therapeutisches Reiten

Denn neben einigen Kleintieren soll auch therapeutisches Reiten angeboten werden. Dieses Angebot habe sich an anderen Standorten schon als heilsam erwiesen, erklärt Fritz.

„Durch die Tiere haben die Kinder die Möglichkeit, Kontakt und eine Beziehung aufzubauen“, ergänzt Bereichsleiter Held. Und im großzügigen Innenhof sieht er die Kinder schon Rad und Kettcar fahren.

Von Vorteil ist für die weitere Planung, dass auf dem Hof bereits vor Jahren ein Reitplatz vorhanden war. Den will Werner Fritz wieder aktivieren. In der Scheune werde ein Stall für die Tiere eingerichtet, freut er sich auf das Projekt. Ein landwirtschaftlicher Betrieb sei aber nicht geplant.

So manche Umbaumaßnahme ist in den nächsten Monaten noch nötig. Derzeit befinde man sich in der Planungsphase. Das Haus muss generalsaniert werden, von den sanitären Anlagen und der Elektrik bis zu neuen Fenstern.

Im Erdgeschoss sind Büroräume vorgesehen sowie bei Bedarf zwei Zimmer für die Kinder. Vier weitere Kinderzimmer sind im ersten Stock geplant. Und für das Dachgeschoss haben Fritz und Held auch schon Vorstellungen. Ein Zimmer kann als Spielbereich bei schlechtem Wetter genutzt werden.

Der große Raum aber soll ein Matratzenlager werden. Denn die Verantwortlichen wollen auch Bewohner anderer Gruppen der Jugendhilfe zu Freizeiten in Hof Uhlberg animieren. Für solche gemeinsamen Aktivitäten soll das künftige „Reiterstüble“ im rückwärtigen Bereich des Hauses entstehen.

„Ein guter Standort“

Werner Fritz spricht von Umbaukosten von rund 500 000 Euro im ersten Zug. „Das zeigt schon, dass wir langfristig mit dem Objekt planen“, macht Fritz deutlich. Er sieht einen hohen Bedarf für eine solche Intensivgruppe. „Jedes Kind, dass man zurück auf den Weg in die Gesellschaft hilft, ist den finanziellen Einsatz wert.“ Je früher die Betreuung einsetzen könne, desto eher führe sie zum Erfolg.

„Es ist ein guter Standort“, sind Fritz und Held überzeugt. Sie planen langfristig und streben ein gutes Miteinander mit der Bevölkerung an. Die positive Resonanz der Bürger freut die Verantwortlichen. Mit Offenheit, Transparenz und weiteren Infoveranstaltungen will man mit den Uhlbergern ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis pflegen.

Möglichkeit für Pflegefamilie

Und die beiden haben eine weitere Vision: Das Haus bietet Platz für eine Familie mit sozialpädagogischer Ausbildung, die Pflegekinder aufnehmen können. Ein separater Eingang soll für Privatsphäre sorgen. Die fachliche Begleitung übernimmt die Jugendhilfe Creglingen. Mit dem dafür zusätzlich nötigen Umbau will man aber erst beginnen, wenn die entsprechenden Fachkräfte gefunden sind.

Jetzt wird erst einmal das Bauernhaus für die Bedürfnisse einer Stabilisierungsgruppe umgebaut. Im Februar sollen die künftigen Bewohner dann einziehen.