Grünsfeld

Frankenbund Thementag beschäftigt sich am 14. September in Grünsfeld mit „Volksmusik in Franken heute“

Mehr als Ländler und Stubenmusik

Musik bereichert das Leben. „Volksmusik in Franken heute“ steht im Mittelpunkt eines öffentlichen Thementags des Frankenbunds am 14. September in Grünsfeld.

Grünsfeld. Zur Volksmusik kann man geteilter Meinung sein. Die einen lieben die überlieferten Lieder und Blasmusikstücke, andere können mit dem Heimatbegriff nicht so sehr viel anfangen und halten die Befürworter eher für rückwärtsgewandt. Wohl nur noch wenige kennen Lieder wie „Muss i denn zum Städele hinaus“, „Die Gedanken sind frei“ oder „Ännchen von Tharau“. Die traditionelle Volksmusik verliert zunehmend an Bedeutung.

„Wofür steht Volksmusik? Welche Rolle spielt die Musikpflege? Was wird gespielt?“ Diesen Fragen will ein Thementag des Frankenbunds auf den Grund gehen: Am Samstag, 14. September, werden bei der öffentlichen Veranstaltung im Zehntgebäude in Grünsfeld hochkarätige Referenten darüber diskutieren.

Tagungsleiter Kilian Moritz, Professor für Journalismus und Medien an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, sieht den Begriff Volksmusik nicht in einer engen Schiene, sondern sehr breitgefächert. Nur den Ländler als die echte Volksmusik zu stilisieren, sei für ihn der falsche Weg. „Sie ist definitiv mehr als nur altes Zeug.“

Vom Volk gespielt

„Musik, die das Volk spielt und singt, die von vielen Menschen gehört und rezipiert wird“, versteht er darunter. Und das muss nicht nur Liedgut mit einem anonymen Verfasser sein. „Volkstümliche Blasmusik beinhaltet auch Stücke von Ernst Mosch, Chormusik reicht von Volksliedern bis Gospel“, sagt Moritz, den die Musik seiner Heimat „zutiefst berührt“. Er ist mit dem Thema seit vielen Jahren vertraut, war auf verschiedenen Tagungen bereits dabei. Schließlich war sein Vater ein bekannter Volksmusiksammler.

Den Begriff zu definieren, ist aus der Sicht von Moritz nahezu unmöglich. Häufig sei man daran schon gescheitert, erzählt der Autor und Komponist des Frankenlieds „Die Schöppli hier in Franken“. Für ihn ist diese Art des Musizierens lockere Unterhaltung, die trotzdem den kritischen Blick nicht vermissen lassen muss – und sie darf gerne modern klingen. Sind auch die „Zillertaler Schürzenjäger“ oder Andreas Gabalier Vertreter dieser Richtung? Moritz spricht hier von „kommerzieller Volksmusik“, die er aber nicht abtun wolle.

Das „Gipfeltreffen der fränkischen Musik“ in Grünsfeld soll die Stilrichtung von vielen verschiedenen Blickwinkeln unter die kritische und auch die humorvolle Lupe nehmen. Deshalb finden, so Frankenbund-Geschäftsführerin Dr. Christina Bergerhausen, nicht nur Vorträge, sondern auch Workshops zum Mitmachen statt. Es wird viel Zeit für Fragen und Diskussionen geben.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bereich Rundfunk. So wird neben Eberhard Schellenberger, Volksmusikmoderator und Leiter des BR-Studios Mainfranken in Würzburg, auch Werner Aumüller, von der Redaktion BR Heimat, referieren. Er berichtet „Von der Studio-Aufnahme bis zur Radio-Sendung“.

Am Nachmittag stehen Beiträge über die Arbeit mit der Chor- und Blasmusik im Vordergrund. Der Präsident des Nordbayerischen Musikbunds, Manfred Ländner, der Präsident des Fränkischen Sängerbunds, Professor Dr. Friedhelm Brusniak, Peter Näder, Popularmusikbeauftragter des Bezirks Unterfranken, Franz Josef Schramm, Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken beim Landesverein für Heimatpflege, und Musik-Ethnologin Stefanie Zachmeier sowie Kilian Moritz beleuchten Volksmusik im Spiegel der Zeit, zwischen Tradition und Moderne, und unter dem Gesichtspunkt einer kulturellen Identität. „Mit den Noten symbolisieren wir, wofür wir stehen – und das sind nicht nur Ländler und Stubenmusik“, macht Kilian Moritz deutlich.

Große Bandbreite aufzeigen

Interessant finden Moritz und Bergerhausen die Arbeit von Peter Näder von der Band „Relax“. Er habe ein Integrationsprojekt mit Flüchtlingen ins Leben gerufen, mit denen er Musik aus Franken macht. Den analytischen Blick auf das Thema liefert Stefanie Zachmeier, die der Frage „Das Volk und die Volksmusik – eine gestörte Beziehung?“ nachgeht. „Sie legt den Finger in die Wunde“, ist Moritz schon sehr gespannt.

Dazu gibt es natürlich jede Menge Musik bei der Tagung. Der serbische Akkordeonist Sinisa Ljubojevic wird zu hören sein und auch der Franke und „Songkünstler“ Wolfgang Buck.

Mit dem vielseitigen Programm wolle der Frankenbund die große Bandbreite der Musik aufzeigen und Interessierte ansprechen. Für den Austausch überschreite man auch gerne die Landesgrenze nach Baden-Württemberg, schließlich sei man ein gemeinsamer Kulturraum, freut sich Dr. Bergerhausen über das Grünsfelder Engagement.

„Die Veranstaltung zeigt die Vielfalt der Volksmusik auf“, freut sich Grünsfelds Bürgermeister Joachim Markert, dass die Tagung in der Kommune stattfindet. Schließlich sei Grünsfeld eine sehr musikalische Stadt, mit zahlreichen Kapellen und Gesangsgruppen. Mit dem Thementag könne man an die Wirtshausmusik der Grünbachtaler anknüpfen. Und die Grünsfelder haben noch ein ganz besonderes Schmankerl, wie Alfred Beetz vom Grünsfelder Kulturverein verrät: Albert von Brunn hatte vor vielen Jahren als Reminiszenz an die Region „Frankenblut“ komponiert.

Botschaften vermitteln

Woher kommt diese Rückbesinnung auf Traditionen? Für Professor Moritz erlebt die Volksmusik eine kleine Renaissance. Je schneller sich die digitalisierte Welt drehe, umso mehr greife man auf Heimatliches zurück, etwa auf Dirndl und Lederhosen. Und auch Musikgruppen in diesem Bereich haben einen großen Zuspruch, verweist er auf Bands wie „LaBrassbanda“ oder „Häisd-n Däisd vomm Mee“. „So kann man über den Geschmacksträger Musik Botschaften vermitteln.“