Grünsfeld

Motorradtreffen Zum 40. Mal kommen Freunde aus ganz Deutschland zu den Mitglieder des Motorrad-Teams Grünsfeld

Kontaktpflege weit über Landesgrenzen

Archivartikel

Das Motorradtreffen gehört für die MTG-Clubmitglieder zum festen Bestandteil. Zum 40. Mal treffen sich die Biker nun und pflegen ihre Freundschaften.

Paimar. Die Vorbereitungen für das Motorradtreffen laufen auf Hochtouren. Wenn am Freitag, 7. September, die Biker auf der Wiese am Grünbach ihre Zelte aufschlagen, dürfen sie sich auf die 40. Auflage des Festes freuen. Bei familiärer Atmosphäre steht der Austausch mit Freunden im Vordergrund.

„Motorradfahren war in den 1970er Jahren eine Haltungsfrage. Es war mehr als nur Freizeitgestaltung“, sagt Edgar Oettig. Das Gründungsmitglied des Motorrad Teams Grünsfeld (MTG) hat seit 1983 den Vorsitz inne.

Ausbrechen aus dem Alltag, die Freiheit genießen: So sahen es damals viele. Von den Mitbürgern wurden die „jungen Wilden“ damals kritisch beäugt. Seine Eltern hatten dagegen kein großes Problem damit, dass sich die Gruppe im „Räumle“ bei ihnen traf.

Aus der losen Vereinigung Gleichgesinnter, die gerne auf zwei Rädern und mit genügend PS unterwegs waren, entstand 1977 das Motorrad-Team Grünbach. „Wir wollten kein Verein, sondern ein wirkliches Team sein“, blickt Oettig auf die Anfänge zurück. Beim Eintrag ins Vereinsregister habe dies einigen Erklärungsbedarf benötigt, erinnert er sich. „Damals gab es in der Region auch keine Motorradclubs.“

Biker-Leumund verbessern

Ziel der Mitglieder war, den Ruf der Motorradfahrer in der Öffentlichkeit zu verbessern und somit zu zeigen, wer sich unter dem Helm verbirgt. Gleichzeitig sollte die Verkehrssicherheit gefördert werden. Dabei waren auch Spaß und Kontaktpflege wichtig.

Vorher war schon die Idee für ein Motorradtreffen geboren. Um das in geordneten Bahnen durchführen zu können, hatte man sich zur Vereinsgründung entschlossen. Das erste Treffen fand auf dem Gelände des AC Tauberbischofsheim im ADAC statt. Für die weiteste Anfahrt oder auch die größte Gruppe gibt es seitdem Pokale. Die gute Zusammenarbeit mit dem AC und dem langjährigen Vorsitzenden Götzelmann betont Oettig mehrfach. „Er hat immer seinen Kollegen von der Polizei erklärt, dass es bei uns nie Ärger gab.“

Zu den ersten Gästen gehörten Gruppen aus Belgien und Holland. „Und ein Ehepaar aus Hamburg, das anschließend sogar Mitglied bei uns geworden ist.“ 20 Jahre lang organisierte man Jahr für Jahr das Treffen dort. Was ein logistischer Aufwand war, so der Vorsitzende. Denn es gab nur ein Stromaggregat und kein fließendes Wasser. Das musste alles dorthin gebracht werden.

Zu den Treffen kamen und kommen nicht nur Motorradfahrer aus der Region. Gäste aus Finnland oder Japan sind gern gesehen beim MTG. „Alle paar Jahre besuchen uns Freunde aus Tokio, die ihren Urlaub so legen, dass sie Anfang September nach Deutschland kommen“, erzählt Edgar Oettig. Einfacher geht die Verständigung mit den Freunden aus Dänemark und Finnland, die ursprünglich aus der Nähe von Gaggenau stammen und Mitglieder der dortigen Vereinigung sind. Seit 1979 besucht man sich gegenseitig. Zu seinem 60. Geburtstag habe sich ein Biker von Finnland aus auf die Strecke nach Paimar begeben.

Mit einem großen Hallo wird auch die Gruppe aus Vaale in der Nähe von Wacken alljährlich begrüßt. „Die finden es bei uns gemütlich“, schmunzelt Oettig. Nach dem Mauerfall waren auch sofort Besucher aus Freital in Sachsen gekommen, freut sich der Vorsitzende über die Völkerverständigung durch das gemeinsame Hobby. Mit den Motorradfreunden aus Steinbach habe man ein sehr gutes Verhältnis.

Gäste aus der ganzen Welt

Besonders stolz ist Oettig auf einen Gast aus Nepal. Ihn hatten Mitglieder aus der Kurpfalz vor drei Jahren zum Treffen mitgebracht, als er in Heidelberg zur Ausbildung war. Da sich kurz zuvor ein verheerendes Erdbeben in seiner Heimat ereignet hatte, wurde spontan eine Spendenaktion für seine Familie durchgeführt. Mehr als 600 Euro kamen zusammen.

Im Jahr 2000 zogen die MTGler vom AC-Gelände nach Paimar um, wo auch der Sitz ist. „Die Paimarer haben uns immer positiv gegenübergestanden und freuen sich über unsere Veranstaltungen“, erklärt der Vorsitzende. Und als die Wiese am Grünbach ins Spiel kam, hatte man schnell zugeschlagen. Langfristig sollte die Lösung sein, hatte sich das Team damals gewünscht und dies umgesetzt. Mächtig engagiert haben sich die Mitglieder beim Bau des MTG-Heims, das 1990 eingeweiht wurde. Planung, Bau und Bezahlung liefen in Eigenregie.

Der Teamgedanke ist Oettig und den übrigen Vorstandsmitgliedern sehr wichtig. „Schon immer haben wir nach einer Vorstandssitzung den Rest informiert. Entscheidungen, etwa über Veranstaltungen, werden bei der Jahreshauptversammlung getroffen.“ Stolz ist er, dass zum jährlichen Rück- und Ausblick mehr als die Hälfte der rund 70 Mitglieder kommt. Die stammen nicht nur aus der Region, sondern auch aus der Kurpfalz und rund um Gaggenau.

Gemeinsam etwas auf die Beine stellen – das war den MTGlern von Beginn an ein Anliegen. Dazu zählen neben den verschiedenen Ausfahrten, bei denen die Freunde aus Heidelberg immer dabei sind, Ausstellungen und Aktionen in Paimar. Das Maifest mit Hähnchenessen nach dem legendären Rezept des ehemaligen Gasthauses „Grüner Baum“ oder das Fest „Unter den Linden“ mit Oldtimerschau lockten Besucher. „Gerade wenn man auf der Tanzfläche ältere Ehepaare sieht, weiß man, dass sich die Arbeit lohnt.“

„Gerade die familiäre Atmosphäre unseres kleinen Treffens ist die Würze“, findet Oettig. Rund 150 Biker kommen am Wochenende nach Paimar. Beginn ist am Freitag, 7. September, um 18 Uhr, am Samstag ist ganztägig Festbetrieb.