Grünsfeld

Grünsfelder Stadttruhe Jahrelang war der Schlüssel nicht auffindbar / Jetzt wurde ein neuer gefertigt

Innenleben nun wieder sichtbar

Archivartikel

Jahrelang war der Schlüssel für die alte Grünsfelder Stadttruhe nicht auffindbar. Nun wurde ein neuer gefertigt, und das Innenleben der Truhe ist wieder sichtbar.

Grünsfeld. Jahrelang stand im Eingangsbereich des Grünsfelder Rathauses eine verschlossene, historische Truhe. Einen Schlüssel gab es nicht – und so war es unmöglich, diese Truhe aus dem dem 17. Jahrhundert zu öffnen. Bekannt war nur, es handelt sich um die alte Amtstruhe der Stadt.

Erst jetzt gelang es Edgar Weinmann, einen Sponsor zu finden, der sich bereiterklärte, die Kosten für die Anfertigung eines Schlüssels zu übernehmen. Friedrich-Karl Barthel übernahm die Kosten und Schlosser Manfred Fültz machte sich ans Werk.

Dabei war es gar nicht so einfach, einen passenden Schlüssel zu fertigen. Das ging schon beim Verschluss selbst los. Denn die eigentliche Öffnung des Schlosses im Deckel war nur über einen Schnappmechanismus mit herausspringender Verkleidung zu öffnen. Das Schlüsselloch an der Vorderseite stellte nur eine Attrappe dar.

Doch das hatte ihm Weinmann schon gesagt. Der kümmerte sich bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg um die Truhe. „Es ist ein Schatzkästlein“, fiel ihm dazu ein. Und dass seit dem gewaltsamen Öffnen durch die Amerikaner bei deren Einmarsch im April 1945 die in der Truhe befindliche Amtskette der Stadt fehlt. Ob sie damals in den Wirren des Krieges verlorenging oder geraubt wurde, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Fest steht nur, dass die Truhe damals in arge Mitleidenschaft kam. Über 100 Stunden musste Weinmann investieren, damit sie halbwegs wieder ansehnlich war.

Er stellte sie daraufhin der Stadt zu Ausstellungszwecken zur Verfügung. Damals, so erinnert er sich, war sie noch offen und man blickte auf den hochpräzisen Schließmechanismus hinter einem fein ziselierten Fasan aus Metall. Doch dann passierte das Unglück. Bei Reinigungsarbeiten im Flur fiel der Deckel zu – und weil kein Schlüssel vorhanden war, war man die Truhe nicht mehr zu öffnen.

So fristete sie lange ein Schattendasein, bis eben Friedrich-Karl Barthel kam und das Geld für einen neuen Schlüssel bereitstellte. „Wir müssen unsere Altertümer schützen“, beschreibt er seine Motivation. Ihm sei es ein Anliegen, die Kunstschätze der Vergangenheit zu erhalten und „nicht dem Vandalismus zu überlassen“.

„Zum Glück haben wir Bürger, die sich um die Vergangenheit kümmern“, lobte Bürgermeister Joachim Markert das Engagement von Weinmann und Barthel. Es sei nicht selbstverständlich, dass sich Bürger um den Erhalt auch solcher Kleinode, wie der alten Amtstruhe der Stadt bemühen, fuhr er fort.

Dann waren alle gespannt, was denn in der Truhe sein würde. Erwartet wurde nichts, denn schon in der Vergangenheit hatte man nichts Wertvolles mehr in ihr gelagert. Und so kam es auch. Die Truhe war leer. Doch was überraschte, war die feine Kunst, die das Schloss und den Schließmechanismus verdeckte.

In eine Metallplatte war ganz fein ein Fasan eingearbeitet, der noch immer zu erkennen ist. Er verdeckt den Mechanismus, der die drei Schnapper auf- und zugehen lässt, je nach Drehen des Schlüssels. Der ist nun fein gearbeitet und ein echtes Unikat. Selbstverständlich hat Schlosser Fültz davon allerdings eine Form hergestellt, damit man bei Verlust des Originals nicht wieder vor „verschlossener Türe“ steht. Er fertigt auch noch einen Splint, der das unfreiwillige Schließen der mit Metallarmierung versehenen schmiedeeisernen Truhe verhindern soll.

Die Truhe wird künftig gegenüber des Eingangs zum Bürgermeisterbüro stehen und soll den Rathauschef daran erinnern, dass es sich immer lohnt historische Schätze der Gemeinde zu bewahren.

Wobei das eigentlich überhaupt nicht nötig wäre, denn Bürgermeister Joachim Markert ist sich der Bedeutung der Vergangenheit der Stadt sehr wohl bewusst und er schätzt sie auch, wie der Bürgermeister zugab.