Grünsfeld

Gemeinderat Gremium und Hausbesitzer begrüßten Vorhaben der Enkel von Familie Rothschild

Erster Stolperstein als Mahnung

Das dunkelste Kapitel der Grünsfelder Geschichte wird stetig aufgearbeitet. Nun soll ein „Stolperstein“ das jüdische Leben ins Gedächtnis rufen.

Grünsfeld. An die jüdische Gemeinde in Grünsfeld zu erinnern, ist für Stadtrat Franz Ködel wichtig. Der geplante sogenannte Stolperstein ist für ihn ein wichtiges Zeichen dafür. Das sehen auch seine Kollegen im Gemeinderat so. Bei der Sitzung am Dienstag in der Grünsfelder Stadthalle gab es daher Einmütigkeit: Eine Bronzetafel samt Stolperstein sollen am ehemaligen Wohnhaus der Familie Rothschild in der Abt-Wundert-Straße angebracht werden.

Ronny Rothschild besuchte bereits mehrfach die Heimat seines Vater Emil und seiner Großeltern. Er beantragte zusammen mit Grete Finkelstein, die in New York lebt, die Anbringung einer Tafel für die Großmutter Rosa Rothschild. Die beiden Enkel übernehmen auch die Kosten.

Bürgermeister Joachim Markert und das gesamte Gremium unterstützen das Vorhaben. Er verwies auf den Gedenkstein der Deportation der jüdischen Mitbürger nach Gurs, der zum 75. Jahrestag 2015 errichtet worden war. „Damit wird an das dunkelste Kapitel der Stadt erinnert“, so der Rathauschef.

Franz Ködel will noch weitere Schritte gehen. „Was ist mit den anderen Opfern des NS-Terrors in Grünfeld, darunter auch sieben Euthanasie-Tote? Wie gehen wir damit um?“ In der Stadt habe man sich über sieben Jahrzehnte davor gedrückt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist er froh, dass der aktuelle Gemeinderat und Bürgermeister offen für solche Fragen sind. Ködel regte an, Spender zu suchen, die die Kosten für weitere Stolpersteine übernehmen.

Durch die Corona-Pandemie wurde auch ein Begegnungsabend von Nachfahren jüdischer Mitbürger abgesagt, der im Rahmen des Stadtjubiläums hätte im Herbst stattfinden sollen. Ködel hoffte, dass dieses Treffen im nächsten Jahr nachgeholt werden könne. Dann nämlich feiert man ein weiteres Jubiläum: „1700 Jahre Judentum in Deutschland“.

Der Besitzer des Hauses in der Abt-Wundert-Straße steht hinter dem Projekt. Er stelle die Hauswand und eine Pflasterfläche gerne zur Verfügung, betonte er. Und er würde sich über weitere Nachahmer freuen, die das Andenken an die jüdischen Mitbürger bewahren.

Bis der Stolperstein schließlich im Pflaster des Gehwegs eingelassen ist, wird es noch dauern. Antrag und Vorbereitung dauern bis zu neun Monate, hieß es.

Vergeben wurden vom Gemeinderat die Lose für die Neuanschaffung eines Gerätewagens Transport (GW-T) für die Feuerwehr Grünsfeld, der den 22 Jahre alten Schlauchwagen ersetzen soll. Nachdem Verwaltung, der Ausschuss der Feuerwehr und die Firma Forplan die Angebote ausgewertet hatten, ging der Zuschlag für das Fahrgestell an die Firma MAN Truck und Bus Deutschland (Würzburg) zum Preis von 68 000 Euro. Die Lieferzeit beträgt sechs Monate.

Der Aufbau kommt von der Firma Junghanns Fahrzeugbau aus Hof/Saale und wird 73 210 Euro kosten. Die feuerwehrtechnische Beladung übernimmt die Firma Albert Ziegler aus Giengen zum Preis von 4797 Euro. Für die Rollcontainer der Modulbeladung ist die Firma Wilhelm Barth aus Fellbach zum Preis von 21 875 Euro zuständig. Insgesamt geht man mit Mehrwertsteuer von 208 428 Euro an Kosten aus. Im Haushalt wurden 190 000 Euro eingeplant sowie 25 500 Euro an Förderung. Wie der Bürgermeister auf Nachfrage erklärte, wolle man die fehlenden Gelder über den nächsten Haushalt finanzieren.

„Im Dezember 2021 kann das Auto dann auf dem Hof stehen“, informierte der Bürgermeister. Er hoffe, dass der Schlauchwagen bis dahin durchhalte. Wichtig ist ihm, dass die Kommune eine schlagkräftige Wehr mit guten Material hat. Mit dem neuen Fahrzeug könne man sich das Benötigte maßgeschneidert zusammenstellen, danke er der Wehr für ihren Einsatz.