Grünsfeld

Sehenswürdigkeiten Heimat- und Kulturverein erstellte mehr als 40 Schautafeln über Objekte in der Kommune

Blick in die spannende Geschichte der Stadt werfen

Archivartikel

Grünsfeld.Kirche, Rathaus, Stadtbrunnen: Viele Sehenswürdigkeiten zählt die Kommune. Was es mit ihnen auf sich hat, ist nicht immer bekannt. Abhilfe schaffen mehr als 40 Schautafeln, die Objekte in Grünsfeld und seinen Ortsteilen erläutern. Das vom Kulturverein schon seit vielen Jahren verfolgte Projekt ist jetzt mit Hilfe des Leader-Programms vollendet worden.

Von einem „schönen Auftakt in das Jubiläumsjahr“ spricht Bürgermeister Joachim Markert. 2020 feiert Grünsfeld „700 Jahre Stadtrecht“. Noch heute prägen das Stadtbild Objekte, die im Laufe der Jahrhunderte errichtet worden sind. Die wichtigsten werden jetzt anhand zahlreicher Schautafeln erläutert. „Die Tafeln sensibilisieren für die Geschichte der Stadt“, erklärt Joachim Markert und betont die Bedeutung der Vergangenheit für das Selbstverständnis: „Nur wer weiß, woher er kommt, weiß auch, wohin er geht.“

Die Texte und das Layout für die Schautafeln hat ein mehrköpfiges Gremium erarbeitet. „Viele Sitzungen waren nötig“, berichtet Karl-Heinz Schmidt, der sich als Anreger und Motor des Projekts versteht. Auf der Basis der von Dr. Elmar Weiß verfassten Stadtchronik habe man weitergehende Recherchen angestellt, um eine abgesicherte Textgrundlage vorlegen zu können. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden. „Text und Gestaltung sind sehr gut.“

Die Gestaltung lag in den Händen von Edgar Braun. Der Diplom-Designer hat den Texten ein ansprechendes Layout mit einer gut lesbaren Typographie gegeben. Neben 32 Tafeln für einzelne Objekte hat er auch sechs große Tafeln entworfen, die einen Gesamtüberblick geben und an zentralen Punkten wie dem Pfarrhaus in der Stadtmitte zu finden sind. Hinzu kommen fünf Tafeln für die Ortsteile Hausen, Paimar, Krensheim, Zimmern und Kützbrunn. Ein aufwendig gestaltetes Faltblatt mit Bildern und Kartenskizzen ergänzt das Informationsangebot.

„Historisch ehrlich“

Als „historisch sehr ehrlich“ bezeichnet Franz Ködel die Beschreibung der Objekte. Wichtig war ihm, dass an die jüdische Bevölkerung erinnert wird. So weist eine Schautafel auf verschiedene Häuser aus ehemals jüdischem Besitz an der Hauptstraße und am Eingang zur Treppengasse hin, die die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Juden bezeugen. Im 19. Jahrhundert lebten bis zu 63 Bürger jüdischen Glaubens in Grünsfeld.

Verschwiegen werden auch dunkle Kapitel der Grünsfelder Geschichte nicht. So erinnert eine Tafel an die so genannte Judentaufe am 3. September 1939. Damals holte man sämtliche jüdische Mitbürger aus ihren Häusern. Die johlende Menge trieb die verängstigten Menschen durch die Straßen, bis man sie schließlich zum Stadtbrunnen führte. Dort warf man sie ins Wasser und trat mit Füßen nach ihnen.

Der Schilderung des Vorgangs nach der Pfarrchronik folgt eine Erklärung: „Die Stadt erinnert mit dieser Tafel an dieses schmähliche Ereignis in der Zeit des Nationalsozialismus. Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürger bedauern zutiefst dieses unmenschliche Verhalten.“

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 30 00 Euro. Mehr als die Hälfte, 15 200 Euro, fördert das Regionalentwicklungsprogramm Leader. „Damit geht ein langgehegter Wunsch des Kulturvereins in Erfüllung“, sagt Alfred Beetz. Grünsfelds ehemaliger Bürgermeister ist Vorsitzender der Leader-Aktionsgruppe Badisch-Franken und stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins.

„Die Arbeit geht uns nicht aus“, schmunzelt Albin Wolfstädter. Während der Recherche seien neue Fragen aufgetreten.

Auf Veränderungen ist man aber vorbereitet. Die Schautafeln sind mit einem QR-Code ausgestattet. Damit sei es relativ einfach, Texte zu ergänzen oder fortzuschreiben. Das moderne Medium bietet die Möglichkeit, Bilder und Originalquellen zu hinterlegen. Der interessierte Besucher kann dann ganz tief eintauchen in die Geschichte der Stadt.