Großrinderfeld

Hornussergesellschaft Festturnier zum 25-jährigen Bestehen mit sechs Schweizer Gastgesellschaften/ Bayrischer Abend in der Turn- und Festhalle

Wahre Exoten in der Sportlandschaft

Großrinderfeld.Die Schweizer Sportart Hornussen wird seit 25 Jahren auch in Nordbaden gespielt. Im Rahmen des Jubiläums richtet die HG Großrinderfeld ein Festturnier aus. Nach dem Spielen wird gefeiert.

Großrinderfeld. Wenn der Hornuss, angetrieben vom treffsicheren Schlag des Hornussers, über den Bock schießt und die Abtuer bereits sehnsüchtig darauf warten, das Auftreffen auf den Boden und damit eine Nummer für ihre Mannschaft zu verhindern, dann ist das eine wahre Rarität – zumindest in Deutschland. Denn in Großrinderfeld befindet sich die mittlerweile einzige Hornussergesellschaft außerhalb der Schweizer Landesgrenzen.

Hornussen ist eine traditionelle eidgenössische Volkssportart, bei der es im Allgemeinen gesagt darum geht, den Hornuss, eine Kunststoffscheibe, in ein Feld zu katapultieren. In diesem sogenannten „Ries“ stehen Spieler, die versuchen müssen, den Hornuss, auch „Nouss“ genannt, mit Schildern, die an langen Griffen befestigt sind, zu berühren, bevor er den Boden erreicht, und ihn somit „abzutun“. Schaffen sie dies nicht, erhält ihr Team einen Minuspunkt, eine sogenannte „Nummer“. Am Ende gewinnt die Mannschaft mit den wenigsten Nummern.

Direkt deutscher Vizemeister

Vor 25 Jahren fand diese Sportart ihren Weg nach Großrinderfeld mehr oder weniger im Zufall, wie der erste Vorsitzende der HG, Andreas Zeisner im Gespräch mit den FN verrät. Über einen Arbeitskollegen sei die damalige „lose Jugendtruppe“ zu einem Besuch in das unterfränkische Münnerstadt gekommen. Dort fand sich nämlich 1991 die erste Gesellschaft in Deutschland, die, bis zu diesem Zeitpunkt, noch ohne Gegner war. „Sie haben gesagt: Wenn ihr jetzt anfangt und gegen uns spielt, seid ihr direkt Deutscher Vizemeister“, erinnert er sich. Mit diesem Hintergedanken im Kopf reiste man zurück in den Main-Tauber-Kreis und gründete kurzerhand im Jahre 1994 eine eigene Hornussergesellschaft.

Die anfänglich kleine, jedoch vorhandene, Skepsis der Bürger wandelte sich schlagartig in großes Interesse an der unbekannten Sportart. „Die Bewegungsabläufe sind andere als bei den herkömmlichen Sportarten, man benötigt also keine große Ausdauer.“ erklärt Zeisner. „Somit ist es für jeden einfach, das Hornussen einmal auszuprobieren.“

Aufnahme in Schweizer Verband

Sogar der Eidgenössiche Hornusserverband (EHV) nahm die beiden deutschen Mannschaften mit offenen Armen in die eigenen Reihen auf, auch um eine Abwandlung der Volkssportart zu verhindern, erinnert sich der Großrinderfelder.

Mit der Aufnahme in den EHV waren auch Teilnahmen an Turnieren in der Schweiz nicht schwer zu erreichen. So fuhren die Hornusser in regelmäßigen Abständen in die Alpen, um ihren Lieblingssport zu frönen und sich in freundschaftlicher Atmosphäre, meist an einem Turnier über ein ganzes Wochenende, zu messen.

Doch eine traditionelle Sportart einfach so in einem neuen Land zu etablieren, ist gar nicht so einfach. Beispielsweise musste sich die HG Münnerstadt, aufgrund von Nachwuchsproblemen, im letzten Jahr auflösen, was Zeisner sehr bedauert. Nicht nur, weil jetzt keine deutschen Gegner mehr vorhanden sind, auch waren es die Unterfranken, die den Anstoß zur Gründung gebracht hatten.

Eine Auflösung sieht er jedoch auf seinen Verein nicht zukommen: „Natürlich haben wir, wie jeder Sportverein, Probleme, Jugendliche zu begeistern. Es wird immer schwerer, neue Mitglieder zu finden, beziehungsweise zu halten.“schildert der Hornusser. Gerade die häufige Abwanderung junger Leute zum Studieren oder aus beruflichen Gründen mache ihnen durchaus zu schaffen. Er glaube jedoch daran, dass die HG noch einige Jahre an ihrem Sport festhalten könne.

Festturnier mit Gastmannschaften

Nicht zuletzt deshalb erwartet sich Zeisner vom kommenden Jubiläumsfest auch eine Werbung für den weitgehend unbekannten Sport. „Wir werden ein Festturnier ausrichten, bei dem sich sechs Schweizer Mannschaften duellieren. Somit bietet sich die Chance, traditionelles Hornussen am Ortsrand zu erleben. In drei Spielen treten jeweils zwei Gesellschaften gegeneinander an und am Ende werden alle Ergebnisse in einen Topf geworfen. Ermittelt werden dann die Sieger, sowie die Spieler mit den längsten Schlagweiten.“ erklärt er bereits mit spürbarer Vorfreude.

Für alle Besucher wird es an den Spielfeldern eine kleine Bewirtung während den Spielen geben. Am Abend wird die Veranstaltung in die Turn- und Festhalle verlegt, zur Siegerehrung. Anschließend startet dann der Festbetrieb mit einem „bayrischen Abend“, umrahmt von den „Impfinger Musikanten“.

Eingeladen sind, neben den ehemaligen Spielern und den Fans der HG, selbstverständlich alle, die sich für die Sportart interessieren oder sie sogar selbst ausprobieren möchten.