Großrinderfeld

100-Tage-Bilanz Coronakrise bestimmt den Beginn der Amtszeit von Großrinderfelds Bürgermeister Johannes Leibold

Vielfältige Aufgaben machen den Reiz aus

Archivartikel

Er ist einer der jüngsten Bürgermeister im Kreis: Vor 100 Tagen trat Johannes Leibold sein Amt als Chef im Großrinderfelder Rathaus an.

Großrinderfeld. So hatte sich Johannes Leibold die ersten drei Monate seiner Amtszeit als Großrinderfelder Bürgermeister nicht ganz vorgestellt. Er hatte Ideen für Projekte, die dringend der Umsetzung bedürfen. Nun hat die Coronakrise viele Pläne ausgebremst. „Es ist eine ungewöhnliche Zeit und für jeden von uns Neuland“, resümiert der Verwaltungschef im Gespräch mit den FN. „Der Kampf gegen das Virus fordert die ganze Welt heraus.“ Die Pandemie bestimmte die letzten Wochen und wird das auch noch die nächste Zeit. Man sei offensiv mit dem Thema umgegangen und habe bei allem Handeln das Wohl der Bürger im Blick gehabt.

„Alles hat richtig gut geklappt“, findet er. Leibold verweist auf den Lenkungsstab im Rathaus, die Internetaktivitäten zur Information der Bürger und auch auf die Beschaffung der Mundschutze durch die Kommune, die schon vor der Einführung der Maskenpflicht erfolgte. Er dankt auch den vielen Engagierten, die mit den Spenden selbstgenähter Masken einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Ein solcher Einsatz zeigt ihm, dass „die Welt in der Gemeinde noch in Ordnung ist und man sich hilft“.

Wichtig ist ihm auch, dass die Kommune trotz der Krise handlungsfähig bleibt, im Gemeinderat anstehende Entscheidungen auch getroffen wurden. Dass dabei die Gesamtgemeinde und nicht die einzelnen Ortsteile im Mittelpunkt stehen, freut ihn besonders. „Es geht um die Sache, Diskussionen sind konstruktiv.“ Die vier Ortsteile arbeiten in seinen Augen besser zusammen als manchmal polemisiert werde.

Für Johannes Leibold sind „noch ganz viele an andere Sachen neu“, fügt er mit einem Lächeln an. „Es ist eine reichhaltiges und vielfältiges Programm, das der Bürgermeister zu bewältigen hat. Aber es macht unheimlich Spaß.“ Unterstützung erhält er dabei von den Mitarbeitern im Rathaus. „Das ist eine gute Truppe.“ Und auch die unkomplizierte Zusammenarbeit mit seinen Stellvertretern Sven Schultheiß, Helga Koch und Peter Weingärtner freut ihn.

Kita dringliches Thema

Leibold ist viel unterwegs in der Gemeinde und für die Gemeinde. Die Sanierung der Kleinrinderfelder Straße in Schönfeld hat begonnen und wird ihn die nächsten beiden Jahre begleiten. In Kürze soll in Gerchsheim der Startschuss für die Erschließung des Wohnbaugebiets „Knauer II“ erfolgen. Die Vollendung des Feuerwehrgerätehauses in Großrinderfeld liegt in den letzten Zügen.

Ein Thema, das ihm aber auf den Nägeln brennt und das er gerne früher angestoßen hätte, betrifft die Kindertagesstätten. „Das ist dringlich.“ Auch weil die Weiterführung der Einrichtung in Ilmspan derzeit nicht möglich ist, wie er bedauert. „Wir haben genau drei Anmeldungen“, sagt Leibold.

Ohne Corona hätte es bereits eine Veranstaltung gegeben, um die Auswertung der Ergebnisse der Elternbefragung vorzustellen. Denn die will der Bürgermeister nicht bloß im Gemeindeblatt veröffentlichen. Dort wurden kürzlich sämtliche Fakten zur Kinderbetreuung in der Kommune aufgelistet. „Ich will den Eltern ein Feedback geben und die Möglichkeit zu Rückfragen. Das geht nur über eine Informationsveranstaltung.“ Seine Vorstellung: Ein Konzept für die Kindertagesstätten, das mittel- und langfristig trägt. Dazu sollen Träger, Erzieherinnen und auch Elternvertreter einbezogen werden.

Die Corona-Pause wurde gut genutzt: bei der Grundschule, um die Versorgung mit Wlan zu gewährleisten, an Spielplätzen, um alte Geräte auszutauschen. „Wir machen derzeit, was am dringlichsten ist.“

Breite Informationspolitik

Die Bürger bei Entscheidungen mitnehmen, ist die Devise von Johannes Leibold. Der 33-Jährige setzt deshalb auf eine breite Informationspolitik über digitale Medien wie Facebook oder die Homepage der Gemeinde, aber auch auf Printmedien. „Das kommt bei den Leuten gut an und trifft auf große Resonanz“, freut er sich.

Viele Ideen auf der Agenda

Den 60-Stunden-Job hat der frühere Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens nun mit einem Rund-um-die-Uhr-Job getauscht. Sich um Projekte zu kümmern oder Verantwortung für die Mitarbeiter zu tragen, sind nicht neu für ihn. Was hat sich verändert? „In der freien Wirtschaft hatte ich es nur mit einem begrenzten Spektrum zu tun. Hier ist die Arbeit vielfältiger.“ Für die Kommunalpolitik müssten viel mehr Gruppierungen und Aspekte unter einen Hut gebracht werden. Anders seien etwa auch Richtlinien und oder Zeitpläne. Aber diese Vielfalt mache auch den Reiz aus.

Ideen für die kommenden acht Jahre hat Johannes Leibold einige. Neben der Ausweisung von Bauland zum Wohnen und für Gewerbe steht für ihn die Nahversorgung ganz oben auf der Liste. „Die Gemeinde muss dazu die nötigen Voraussetzungen schaffen.“ Denn die Kommune habe eine mehr als gute Lage zwischen Würzburg und Tauberbischofsheim.

Zudem hofft er, dass bald ein Nachfolger für den Gerchsheimer Arzt gefunden wird, der zum 1. Juli seine Praxis schließen wird. Und auch ein Bürgerbus steht bei ihm ganz oben auf der Agenda.

Als Gerchsheimer ist er eng mit der Kommune verbunden. Leibold sieht solche „weichen Fakten“ als Vorteil – nicht nur weil ihm bei manchen Anfragen der Bürger die Ortskenntnisse hilfreich sind. Da könne man „auch mal einfach schräg über den Rasen“ etwas besprechen und müsse nicht immer über den Dienstweg gehen.

Und noch etwas ist für ihn seit kurzem neu. Johannes Leibold ist vor wenigen Tagen Vater geworden. Durch die Coronakrise fallen derzeit viele Abendtermine weg und er hat mehr Zeit für die Familie, was der 33-Jährige sehr genießt.